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HP und Dell übertreffen Erwartungen Homeoffice lässt den Laptop-Markt boomen – doch der Nachschub wird knapp

Hersteller wie HP und Dell profitieren von der wachsenden Nachfrage infolge der Coronakrise. Der Markt für Billiglaptops ist inzwischen leer gefegt.
28.08.2020 - 11:13 Uhr Kommentieren
Marktforscher IDC vermeldet einen Verkaufsanstieg weltweit von 11,2 Prozent auf 72,3 Millionen Einheiten. Quelle: dpa
Eine Schülerin tippt auf der Tastatur ihres Laptops

Marktforscher IDC vermeldet einen Verkaufsanstieg weltweit von 11,2 Prozent auf 72,3 Millionen Einheiten.

(Foto: dpa)

San Francisco Wer für Zuhause, das Büro oder die Kinder einen günstigen Laptop kaufen will, kann derzeit eine unangenehme Überraschung erleben. Die Lieferung des Wunschmodells kann Wochen dauern, oder es ist nicht mehr so günstig wie noch vor einem halben Jahr. Wegen der Coronakrise und des Online-Lernens ist der Markt leer gefegt. Seinen Teil dazu beigetragen hat wohl auch US-Präsident Donald Trump.

Für die Hersteller ist die Entwicklung ein Segen: Am Donnerstag legten die beiden PC-Riesen HP und Dell Quartalszahlen vor. HP Inc. lieferte für den Zeitraum April bis Juni einen Umsatz, der mit 14,3 Milliarden Dollar um eine Milliarde über den Erwartungen der Analysten lag.

Dass trotzdem im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von zwei Prozent übrig blieb, liegt an den ungelösten Problemen der Druckersparte. Was im Homeoffice mehr gedruckt wird, geht bei verwaisten Druckern in Großraumbüros verloren.

Der Nettogewinn betrug 734 Millionen Dollar, weniger als im Vorjahr mit 1,2 Milliarden. Doch auch hier hatte der Markt mit Schlimmerem gerechnet. Nachbörslich legte der Aktienkurs von HP um gut drei Prozent auf 19,30 Dollar zu.

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    Bei Dell rettete ebenfalls das Laptop- und PC-Geschäft das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2021. Analysten erwarteten 22,52 Milliarden Dollar Umsatz, es wurden 22,73 Milliarden. Bestellungen aus Verwaltung und Bildungseinrichtungen lagen 16 beziehungsweise 24 Prozent über dem Vorjahr, erläuterte Jeff Clarke, COO von Dell, bei der Vorlage der Zahlen.

    Wie bei HP sank das Nettoergebnis. Statt wie im Vorjahr 4,23 Milliarden Dollar blieben nur 1,1 Milliarden Gewinn übrig. Trotzdem legte die Aktie nachbörslich gut ein Prozent zu.

    PCs wieder im Mittelpunkt

    Der PC-Markt boomt. Smartphones sind cool, Tablets sind nett, aber wenn es um die Arbeit im Homeoffice, die Schulaufgaben oder die Hausarbeit für die Uni geht, bleiben PC und Laptop erste Wahl. Seit Jahren wird der Markt totgesagt, und auch jetzt halten manche den plötzlichen Aufschwung für ein Strohfeuer. Andere sind überzeugt, dass sich Arbeits- und Lernwelt nachhaltig geändert haben, mit dem PC wieder im Mittelpunkt.

    Für das zweite Quartal 2020 meldet der Marktforscher IDC beeindruckende Zahlen. Der Weltmarkt für Desktops, Notebooks und Workstations wies demnach einen gewaltigen Verkaufsschub von 11,2 Prozent auf zusammen 72,3 Millionen Einheiten auf.

    In den USA habe der Absatz bei über 21 Millionen Einheiten gelegen, so viel wie seit 2009 nicht mehr. „Dank Homeoffice und E-Learning hat das Wachstum die Erwartungen übertroffen“, so Jitech Ubrani, Analyst bei IDC. Wie es nach Corona oder bei einer Rezession aussehen werde, bleibe allerdings abzuwarten.

    Grafik

    Jetzt wird erst einmal der Mangel verwaltet. In den USA haben die großen Hersteller Lenovo, Dell und HP laut einer Erhebung der Nachrichtenagentur AP Schulbezirken mitteilen müssen, dass sie mit insgesamt fünf Millionen bestellten Rechnern im Verzug sind. Für viele Kinder, besonders in einkommensschwächeren Haushalten, bedeutet das, dass sie nach den Sommerferien jetzt Online-Unterricht ohne einen Laptop bewältigen müssen.

    Nicht nur in den USA fehlen Geräte: „In Deutschland wie in Europa ist die Nachfrage nach Notebooks derzeit höher als das Angebot“, so Mirco Krebs, Lenovos General Manager für die deutschsprachige Region.

    Der Trend muss genutzt werden, obwohl bei klammen Schulträgern kaum Preissteigerungen durchzusetzen sind: „Wir haben mit Microsoft, Intel und AMD ein Notebook definiert, das bei einem Nettopreis von 400 Euro alle für den Schul- und Lehreinsatz wichtigen Funktionen besitzt“, sagt Krebs. „Rein rechnerisch könnten somit über die Fördersumme aus dem Digitalpakt eins rund 1,2 Millionen Geräte beschafft werden. Das entspricht 20 Prozent des Jahresabsatzes an Notebooks in Deutschland.“

    Lieferengpässe wegen schwarzer Liste der US-Regierung

    Die Windows-PC-Hersteller müssen sich gegen harte Konkurrenz im Einstiegsmarkt wehren. In den USA haben sogenannte Chromebooks mit Googles Browser-Betriebssystem „Chrome OS“ und Preisen ab umgerechnet 200 Euro Apple-Laptops und iPads aus dem Schul-Geschäft gedrängt. Chromebooks haben auch Lenovo oder HP im Angebot, aber eben nicht genug, was auch an US-Präsident Donald Trump liegen dürfte.

    Tom Baumgarten vom dünn besiedelten Schulbezirk Morongo Unified in der kalifornischen Mojave-Wüste hatte 5000 Chromebooks bei Lenovo bestellt, berichtete er der Nachrichtenagentur AP. Im Juli wurde er angerufen, weil Lenovo nicht liefern konnte.

    Die USA hatten eine Reihe von chinesischen Zulieferern wegen Menschenrechtsverletzungen auf eine schwarze Liste gesetzt. Deren Bauteile dürfen nicht mehr verwendet werden. Baumgarten wechselte zu HP, das Unternehmen versprach die Lieferung im August und musste letztlich auf Oktober verschieben.

    Selbst wenn Eltern das Geld für die Hardware haben, ist es nicht sicher, dass sie etwas bekommen. Der TV-Sender CBS News machte die Probe aufs Exempel und fand heraus, dass von 36 gelisteten Chromebooks beim größten US-Händler Best Buy 33 Modelle ausverkauft waren.

    Lenovo-Manager Krebs sieht derweil schon neue Herausforderungen auf sich zukommen: „Ich sehe eine mögliche dritte Beschaffungswelle bei Behörden. Eine von uns in Auftrag gegebene Yougov-Umfrage hat gezeigt, dass Beamte und Angestellte bei öffentlichen Arbeitgebern das Gefühl haben, der Arbeitgeber sei schlecht auf die Homeoffice-Phase vorbereitet gewesen (67 Prozent). Bei den Arbeitnehmern in der freien Wirtschaft war lediglich knapp ein Drittel (30 Prozent) der Ansicht, dass die Firma dafür schlecht gerüstet war.“

    HP-Chef Enrique Lores malt ebenfalls ein positives Bild für zumindest die überschaubare Zukunft: „Früher hatten wir einen oder zwei Laptops in einem Haushalt. Heute braucht jeder einen eigenen Laptop zum Arbeiten oder Lernen.“ Jetzt muss er nur noch liefern können.

    Mehr: Bund und Länder wollen Schulen bei Digitalisierung helfen.

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