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Infineon-Lieferant Amerikanischer Chipfertiger Globalfoundries plant Milliardeninvestition in Dresden

Das US-Unternehmen will den Standort an der Elbe massiv ausbauen – falls staatliches Fördergeld fließt. Die Chancen für Globalfoundries stehen gut.
04.02.2021 - 04:00 Uhr 2 Kommentare
Der amerikanische Chiphersteller Globalfoundries will sein Werk in Dresden massiv ausbauen. Quelle: dpa
Globalfoundries

Der amerikanische Chiphersteller Globalfoundries will sein Werk in Dresden massiv ausbauen.

(Foto: dpa)

München Jahrelang hatte Globalfoundries in Dresden mit Überkapazitäten zu kämpfen. Das ist jetzt Geschichte: „Seit letztem Quartal sind wir voll ausgelastet“, sagte Manfred Horstmann, Standortchef des Chipherstellers, dem Handelsblatt. „Die Nachfrage ist enorm.“

Der Manager geht davon aus, dass sich der Aufschwung in den nächsten Jahren fortsetzt. Daher will Globalfoundries kräftig investieren an der Elbe. Ziel sei es, die Kapazität bis 2025 um das Zweieinhalbfache zu steigern, so Horstmann. Statt gut 400.000 Wafer im Jahr würde der US-Konzern dann mehr als eine Million bearbeiten. Wafer sind die Siliziumscheiben, auf denen Halbleiter entstehen.

Branchenbeobachter schätzen, dass Globalfoundries dafür mehr als eine Milliarde Euro in die Hand nehmen muss. Horstmann wollte die Summe nicht kommentieren.

Globalfoundries vertreibt seine Chips nicht selbst, sondern fertigt im Auftrag von Konzernen wie Infineon oder NXP. Die können gerade gar nicht so viel liefern, wie die Kunden bestellen. Auch, weil die sogenannten Foundries, also die Fertigungsbetriebe, an der Kapazitätsgrenze arbeiten.

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    In der Autoindustrie stehen die Bänder still, weil die Bauteile fehlen. „Jede Woche ruft ein Autohersteller bei mir an, der direkt Chips bestellen will“, sagt Horstmann. Ein Zeichen der Verzweiflung: Normalerweise tauchen die Automarken nicht so tief in die Lieferkette ein.

    Heimarbeit sorgt für einen Boom der Chipbranche

    Dass die Kapazitäten knapp sind, liegt auch an Corona. Für die Heimarbeit haben sich die Beschäftigten weltweit massenhaft mit neuen Rechnern eingedeckt. So ist der Umsatz der Industrie vergangenes Jahr weltweit um 6,5 Prozent auf 439 Milliarden Dollar gestiegen. Das hat der amerikanische Branchenverband SIA errechnet.

    Voraussetzung für den Ausbau des Standorts Dresden seien staatliche Zuschüsse, heißt es bei Globalfoundries. Die Chancen dafür stehen gut. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier treibt ein Förderprogramm voran, das mit Milliarden Euro aus Steuergeldern Entwicklung, Design und Produktion von Chips anschieben soll. Sein Ministerium hat gerade interessierte Unternehmen aufgerufen, bis Anfang März förderfähige Investitionspläne einzureichen.

    Von den Geldern aus dem sogenannten IPCEI-Mikroelektronik-2.0-Programm will auch Globalfoundries profitieren. Im ersten Teil von IPCEI habe das Unternehmen bereits einen dreistelligen Millionenbetrag erhalten und damit die Fabrik in Dresden aufgerüstet. Wichtig sei, dass die Entscheidungen jetzt schnell fielen, unterstrich Horstmann.

    Denn Globalfoundries hat mächtige Konkurrenten: TSMC ist der mit Abstand größte Auftragsfertiger weltweit. Die Taiwaner haben gerade angekündigt, dieses Jahr bis zu 28 Milliarden Dollar zu investieren. Die Nummer zwei unter den Auftragsfertigern ist Samsung aus Südkorea. Beide Konzerne liefern sich ein milliardenschweres Rennen um immer fortschrittlichere Produktionsprozesse.

    Globalfoundries kann bei diesem Wettrüsten nicht mithalten und setzt stattdessen auf hochspezialisierte Verfahren für einzelne Anwendungen, etwa bei Autochips oder im Mobilfunk.

    Der US-Konzern ging einst aus den Chipwerken von AMD hervor. Er gehört der Advanced Technology Investment Company aus Abu Dhabi. Was Zahlen betrifft, hält sich die Firma bedeckt. Analysten schätzen den Umsatz auf sechs Milliarden Dollar. Zum Vergleich: TSMC rechnet allein für das laufende Quartal mit Erlösen von 13 Milliarden Dollar. Für das kommende Jahr strebt Globalfoundries einen Börsengang an.

    Altmaier stellt Milliarden bereit

    Die Zeit ist günstig für die Erweiterung. Wirtschaftsminister Altmaier sieht die Dominanz asiatischer und US-amerikanischer Konzerne in der Chipindustrie als Problem. Der Minister ist daher bereit, die Unternehmen mit einer Milliardensumme zu unterstützen. Die Aktivitäten sollen in einem Projekt von gemeinsamem europäischen Interesse – IPCEI – gebündelt werden, was hohe Beihilfen ermöglicht.

    „Wir bieten einen krisenfesten Zugang zu den Komponenten“, wirbt Horstmann für Dresden. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn Chips wurden unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zu einer politischen Waffe. Auch ein Krieg zwischen China und Taiwan könnte den Nachschub aus Fernost schnell zum Erliegen bringen.

    Nicht ausgeschlossen ist, dass sich Kunden am Fabrikausbau beteiligen, zum Beispiel Autozulieferer oder Automarken. „Co-Investments sind eine Möglichkeit, langfristig Kapazitäten zu sichern. Darüber wird gerade intensiv diskutiert. Dabei geht es um Investitionen in Milliardenhöhe“, sagt Marcus Gloger, Partner bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC.

    So etwas sei momentan zwar nicht geplant, heißt es bei Globalfoundries. Aber in diesen Zeiten seien viele Dinge denkbar, die vor Jahren undenkbar oder uninteressant gewesen seien.

    Mehr: NXP-Chef Kurt Sievers: Der Mangelverwalter

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    2 Kommentare zu "Infineon-Lieferant: Amerikanischer Chipfertiger Globalfoundries plant Milliardeninvestition in Dresden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die deutschen Steuergelder gehen offensichtlich ausschließlich an ausländische Unternehmen, deren Weiterentwicklung in Technologie und damit Zukunft hier gesponsert wird und die lediglich relativ kleine Fertigungseinheiten in Deutschland haben.

      Was für ein Plan steckt denn dahinter?

      Es gibt bestimmt auch deutsche oder europäische mittelständische Unternehmen, die ähnliche Entwicklungen vor sich haben könnten, wenn entsprechendes Kapital als verlorene Zuschüsse zur Verfügung gestellt würde.
      Träumt Herr Altmaier etwa davon, dass die so geförderte technologische Entwicklung Deutschland oder Europa zu Gute kommt, außer vorübergehend ein paar Arbeitsplätze?
      Herr Altmaier hat offensichtlich seinen Amtseid falsch verstanden.

      Deutsche Steuergelder helfen die technologische Entwicklung ausländischer Unternehmen voranzutreiben - könnte man vielleicht auch Untreue nennen.
      Ich denke sicherlich falsch, - so geht Politik halt heute und ist sicher alternativlos.

      Wahrscheinlich bin aber sicher nur im falschen Film.

    • wieso nennen Sie Global Foundries einen US-Chipfertiger? Fertigungen sind in Europa, Asien u USA. Der Eigentümer ist wohl eine Investfirma in Abu Dhabi.
      mfg Dr W Beinvogl

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