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Infineon-Produkt

Europäische Chiphersteller spielen nur noch eine geringe Rolle weltweit.

(Foto: Reuters)

Infineon & Co. Die Chipindustrie stellt sich auf magere Zeiten ein

Die Halbleiterbranche warnt vor einem deutlich geringeren Wachstum bis 2023. Von der Flaute sind aber nicht alle Anbieter gleichermaßen betroffen.
1 Kommentar

MünchenDer Boom in der Chipindustrie ist zu Ende. „Das Geschäft wird sich in den nächsten Jahren abschwächen“, warnte Ulrich Schäfer vom Branchenverband ZVEI in München. In den vergangenen fünf Jahren seien die Umsätze weltweit jedes Jahr im Schnitt um knapp neun Prozent gewachsen. Für die Zeit bis 2023 rechnet der Marktexperte lediglich mit einem jährlichen Plus von nicht einmal drei Prozent.

In diesem Jahr geht es dem ehemaligen Bosch-Manager zufolge sogar abwärts. Schäfer prognostiziert ein Minus von rund drei Prozent. Das liegt vor allem daran, dass die Chinesen weniger Halbleiter verbrauchen. Dort sind die Erlöse der Chipkonzerne zwischen 2013 und 2018 durchschnittlich um mehr als zwölf Prozent gewachsen. Künftig sei in dem Land nur noch ein Zuwachs etwa zwei Prozent pro Jahr zu erwarten, sagte Schäfer.

Diese Entwicklung ist nicht nur für die Halbleiterbranche bedrohlich. Dem Branchenkenner zufolge gibt es eine enge Beziehung zwischen der Entwicklung der Mikroelektronik und der Weltwirtschaft. Schäfer: „Die Industrie eilt dem weltweiten Bruttosozialprodukt um etwa sechs Wochen voraus.“ Das heißt: Wenn die Chipanbieter Probleme bekommen, dann ächzt bald die gesamte Industrie.

Infineon hat bereits vergangene Woche seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurückgenommen. Deutschlands größter Halbleiterhersteller begründete das insbesondere damit, dass die Chinesen weniger Fahrzeuge als erwartet kaufen. Autohersteller sind die wichtigsten Kunden der Münchener, und China ist der mit Abstand wichtigste Markt. Zudem leidet der Dax-Konzern unter dem flauen Geschäft mit Smartphones.

Andere Halbleiterhersteller waren schon zu Jahresbeginn ausgesprochen zurückhaltend. So kalkuliert Intel für 2019 mit einem mageren Plus von nur gut einem Prozent.

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Dass Infineon gleichwohl mit einem Umsatzplus von fünf Prozent dieses Jahr rechnet, hat einen Grund: In den Autos werden generell immer mehr Halbleiter eingesetzt. Davon profitiert die ehemalige Siemens-Sparte.

So erwartet ZVEI-Spezialist Schäfer bis 2023 ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus mit Kfz-Halbleitern von fast sechs Prozent. Von 54 Milliarden Dollar vergangenes Jahr würden die Erlöse global auf 71 Milliarden steigen.

Auch die zwei größten europäischen Wettbewerber von Infineon dürften von diesem Trend profitieren: NXP aus den Niederlanden und der französisch-italienische Anbieter ST Microelectronics.

„Der Wunschtraum eines jeden Halbleiterherstellers sind Hybridautos“, sagte Schäfer. Die Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor erfordert die meisten Chips. Momentan seien es vor allem Fahrer-Assistenzsysteme, die für neue Aufträge bei den Chipfirmen sorgten.

Zum Vergleich: 1998 steckten Halbleiter für 138 Dollar in einem Fahrzeug. Vergangenes Jahr waren es 559 Dollar, 2023 sollen es gemäß ZVEI schon 685 Dollar sein. „Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht“, heißt es bei dem Verband.

Infineon ist ein Exot

Daher sehen die Analysten Infineon auch vergleichsweise positiv. Der Chipproduzent wachse immer noch stärker als die Konkurrenz, urteilte Andreas Schaller von der Deutschen Bank am vergangenen Freitag. Sebastien Sztabowicz von Kepler Cheuvreux ist überzeugt, dass Infineon in den kommenden Monaten die Halbleiter-Konkurrenz hinter sich lassen wird.

Infineon ist allerdings fast schon ein Exot. Denn auch das zeigt die Statistik des ZVEI: Europäische Chiphersteller spielen nur noch eine geringe Rolle weltweit. Lediglich neun Prozent aller Anbieter stammen dem Frankfurter Verband zufolge aus Europa, fast die Hälfte dagegen ist amerikanisch, ein Viertel kommt aus Korea. China als größter Halbleiterkonsument der Erde beheimatet demgegenüber nur drei Prozent der Produzenten.

Das zu ändern werde schwierig für China, mit Geld alleine lasse sich das Problem nämlich nicht lösen, so ZVEI-Experte Schäfer. Weil die meisten Fertigungsschritte mit Patenten geschützt seien, täten sich chinesische Firmen schwer, eigene Werke aufzubauen. Infineon kann also darauf hoffen, dass die Chinesen auch künftig noch kräftig in Bayern bestellen.

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1 Kommentar zu "Infineon & Co.: Die Chipindustrie stellt sich auf magere Zeiten ein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Infineon ist ein börsengehandeltes Unternehmen.
    Wer hindert China daran, einen wesentlichen Anteil der Aktien aufzukaufen (notfalls über Strohmänner)?
    Kuka lässt grüßen...

    In China verfolgt man langfristige Strategien, Deutschland versucht nur Besitzstandswahrung.

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