Infrastruktur Netz wird nur mit Staatsgeld schneller

40 bis 50 Milliarden Euro wären nötig, um Deutschland flächendeckend mit einem Netz hochleistungsfähiger Glasfaserkabel zu versorgen. Alleine können die Unternehmen diese Investitionen kaum schultern, auch weil die Zeit der stetigen Umsatzzuwächse vorbei ist. Experten fordern ein stärkeres Engagement des Bundes.
Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn. Solange es regulatorisch keine Planungssicherheit gebe, will der Konzern nicht in neue Netze investieren. Quelle: ap

Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn. Solange es regulatorisch keine Planungssicherheit gebe, will der Konzern nicht in neue Netze investieren.

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DÜSSELDORF. Während die Politik ein stärkeres Engagement der Unternehmen fordert, sind sich viele Experten sicher: Ohne staatliche Hilfen werden in Deutschland nicht mehr schnelle Internetzugänge entstehen. "Wir befinden uns im Moment an demselben Punkt wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als das erste Telefonnetz gebaut wurde", erklärt Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company. "Damals haben die Staaten das Netz komplett finanziert und in Unternehmen mit Monopolstruktur eingebracht. Heute ist man klüger und will eine private Beteiligung - aber alleine können die Unternehmen die riesigen Investitionen nicht stemmen." Friedrich geht davon aus, dass in Deutschland 40 bis 50 Mrd. Euro nötig wären, um quer durch die Republik hochleistungsfähige Glasfaserkabel zu verlegen.

Das stellt die Unternehmen vor ein Problem. Denn anders als noch vor wenigen Jahren sind die goldenen Zeiten der stetigen Umsatzzuwächse vorbei. Der Mobilfunkmarkt ist gesättigt, im Festnetz tobt ein erbitterter Preiskampf. Die Anbieter rechnen deshalb in Deutschland mit gleichbleibenden oder sogar sinkenden Einnahmen. Selbst neue Dienste, wie Fernsehen über das Internet, bieten kein so großes Umsatzpotential, dass sich die hohen Investitionen in die Netze auf absehbare Zeit rechnen würden.

Experten bewerten schnellen Zugang zum Datennetz aber als wichtige Voraussetzung für effizientes Arbeiten und damit den Erfolg einer Volkswirtschaft. Deshalb sei der Staat gefragt, argumentiert Friedrich. "Von den enormen positiven Effekten des Breitbandausbaus werden alle Branchen profitieren", sekundiert Dieter Schweer, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie und Präsident des Branchenverbandes Bitkom. "Durch schnelles Internet können bis zum Jahr 2020 rund 960 000 neue Arbeitsplätze entstehen." Dabei beruft er sich auf das Ergebnis einer aktuellen Studie, die die Columbia Business School in der vergangenen Woche veröffentlicht hat.

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