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Insolvenz Fernsehhersteller Loewe muss den Betrieb einstellen

Die Krise bei Loewe verschärft sich dramatisch: Dem Traditionsunternehmen geht das Geld aus. Mehr als der Markenname wird wohl nicht übrig bleiben.
Update: 25.06.2019 - 16:15 Uhr Kommentieren
Dem oberfränkischen Traditionsunternehmen ist das Geld ausgegangen. Quelle: dpa
Fernseher von Loewe

Dem oberfränkischen Traditionsunternehmen ist das Geld ausgegangen.

(Foto: dpa)

München, DüsseldorfEinst hat Deutschland die halbe Welt mit Fernsehgeräten versorgt. Namen wie Nordmende und Saba, Telefunken und Grundig oder die Schneider Rundfunkwerke hatten einen ähnlich guten Klang wie heute Apple, Bose oder Samsung. Doch das ist lange her. Als vorerst letzter seiner Art gibt nun auch Loewe auf.

Zum Wochenende werde die Produktion eingestellt, teilte die Firma aus dem fränkischen Kronach an diesem Dienstag mit. Es sei nicht gelungen, dringend benötigte Geldgeber zu finden. Daher werde der Antrag auf Insolvenz in Eigenregie zurückgezogen. Stattdessen solle es ein reguläres Insolvenzverfahren geben. Auch die Gehälter seien nur noch bis zum 1. Juli gesichert. Die Geschäftsführung hoffe aber nach wie vor auf einen Investor, der das Unternehmen retten könnte.

Damit droht Loewe dasselbe Schicksal, das viele der ehemals so wohlklingenden Marken ereilt hat. Die Firmen wurden abgewickelt, die Bänder abgebaut, nur der Name lebt weiter. Die Geräte werden im Ausland günstig zusammengeschraubt, dann kommt ein Aufkleber mit dem altbekannten Label drauf.

Das Aus von Loewe kommt nicht überraschend, und es ist auch nicht die erste Insolvenz. Vor sechs Jahren war das 96 Jahre alte Unternehmen schon einmal pleite. Seit vielen Jahren schon tut sich das einst börsennotierte Unternehmen schwer. Es ist den Kunden schon lange nicht mehr zu vermitteln, dass sie mehrere Tausend Euro für einen Fernseher aus der fränkischen Provinz hinlegen sollen, wenn es doch einen ebenso guten Apparat der Konkurrenz aus Fernost schon für einen Bruchteil des Preises gibt.

Dazu kommt: Der TV-Markt ist seit Jahren hart umkämpft. 2018 stieg der Umsatz zwar weltweit um mehr als fünf Prozent auf über 100 Milliarden Euro, wie der Marktforscher GfK ermittelt hat. Viele Zuschauer kaufen sich große und teure Geräte mit Bildschirmdiagonalen von 50 Zoll und mehr, das sorgt für Nachfrage.

Allerdings sinken gleichzeitig die Preise. In Deutschland gaben die Konsumenten im ersten Quartal im Schnitt nur 576 Euro für ein neues TV-Gerät aus, gut acht Prozent weniger als im Vorjahr. Weil die verkauften Stückzahlen in etwa gleich stark stiegen, blieb der Umsatz der Branche zu Jahresbeginn immerhin konstant.

Was die Lage für Loewe verschärft hat: In Deutschland – dem wichtigsten Markt – endete das extrem wichtige Jahr 2018 mit einem Minus. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland habe nicht zu dem gewohnten Effekt geführt, erklärt Markus Kick, Experte für Unterhaltungselektronik bei der GfK: Sportliche Großereignisse verschaffen der Branche sonst eine Sonderkonjunktur, gelten sie doch als Gelegenheit, um neue Technologien vorzuführen.

Verzwickte Position für kleinere Hersteller

Generell sind die Hersteller in einer schwierigen Lage. Einerseits müssten sie in Forschung und Entwicklung investieren, sagt Kick: „Der Konsument erwartet von seinem Fernseher schlicht, dass er in der Lage ist, einen hohen Dynamikumfang oder hoch aufgelöste Bilder abzubilden.“

Andererseits ist es unerlässlich, die Kosten im Griff zu behalten. „Die Technologien an sich rechtfertigen noch kein Preis-Premium“, meint der Experte – wichtig sei beispielsweise, dass sich der Fernseher nahtlos ins vernetzte Zuhause integrieren lasse.

Kleine Hersteller wie Loewe befinden sich daher in einer verzwickten Position: Ohne große Produktion können sie mit den Preisen von Samsung, LG Electronics und den vielen chinesischen Herstellern nicht mithalten. Und ohne eine agile Entwicklungsabteilung bieten sie auch bei den Funktionen kaum einen Mehrwert.

Marktforscher Kick formuliert es so: „Zentral wird sein, dass die Hersteller ein vom Wettbewerb differenziertes Wertversprechen formulieren und kommunizieren können.“

Loewe ist das zuletzt nicht gelungen. Dennoch hofft Geschäftsführer Ralf Vogt, dass sich noch ein Käufer findet. „Wir haben sehr hohen positiven Zuspruch bei unseren Partnern auf Kunden- und Lieferantenseite erhalten. Unsere Partner haben uns für die Zukunft vollste Unterstützung zugesagt und diese in den letzten Wochen bereits unter Beweis gestellt“, so der Manager.

Er werde alles daransetzen, „schnell wieder in die volle Lieferfähigkeit zurückzukehren“, ergänzte Vertriebschef Peter Nortmann.

Die Geschäftsführung ist freilich mit dem Insolvenzantrag entmachtet. Das Sagen hat jetzt Rüdiger Weiß von der Kanzlei Wallner Weiß, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde. In seinen Händen liegt nun das Schicksal der rund 400 Mitarbeiter. Für sie beginnt jetzt ein Sommer des Hoffens und Bangens.

Dass die Fertigung jemals wieder anläuft, ist unwahrscheinlich. Das Zukunftskonzept der Geschäftsführung fokussiere sich auf die Bereiche Vertrieb, Marketing, Produktdesign und Entwicklung, heißt es in der Mitteilung. Von der Produktion ist nicht die Rede.

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