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Internetkonzern So will Google im Cloud-Geschäft aufholen

Der Internetkonzern tut alles, um mit seinen Cloud-Angeboten bei großen Unternehmen zu landen. Dafür öffnet Google nun seine neue Plattform „Anthos“.
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Der Manager soll Google im Geschäft mit Firmenkunden helfen. Quelle: Bloomberg
Thomas Kurian

Der Manager soll Google im Geschäft mit Firmenkunden helfen.

(Foto: Bloomberg)

San FranciscoWenn Unternehmen neue Produkte ankündigen, sprechen sie lieber nicht über die Konkurrenz. Als Google am Dienstag neue Entwicklungen der Cloud-Sparte vorstellte, dienten die Namen von Amazon und Microsoft jedoch sogar als Werbung: Der Internetkonzern kündigte eine Plattform namens „Anthos“ an, mit der Unternehmen ihre IT steuern sollen – egal, ob sie im eigenen Rechenzentrum läuft, in der Cloud von Google oder eben bei anderen Anbietern.

Das Versprechen: Kunden können ihre Anwendungen nutzen, wo immer sie wollen, und reibungslos Daten hin- und herschieben. „Es steht völlig außer Frage, dass wir unsere Cloud öffnen mussten“, sagte Thomas Kurian, seit Anfang Januar Chef der Sparte, auf der Konferenz „Cloud Next“ in San Francisco. Denn: 88  Prozent der Unternehmen nutzen parallel mehrere Dienste in der Datenwolke. Google will mit dem neuen System zum Verwalter werden.

Es ist der bislang vielleicht radikalste Schritt, mit dem Google den großen Rückstand auf die beiden Marktführer aufholen will. Der Konzern tut alles, um mit den großen Unternehmen, die Speicherplatz, Rechenleistung und Künstliche Intelligenz mieten wollen, ins Geschäft zu kommen.

Neben neuer Technologie versprach er mehr Personal, das die Geschäftsbeziehungen pflegen soll. „Cloud ist eine der größten Investmentbereiche des Unternehmens“, sagte Google-Chef Sundar Pichai, „und wir sind hier, um zu bleiben.“

Das Geschäft wächst zwar dynamisch, 2018 betrug das Plus 94 Prozent, wie die Analysten von Canalys ermittelt haben. Trotzdem stieg der Marktanteil bei Cloud-Infrastruktur nur von sechs auf acht Prozent. Die Amazon-Sparte AWS bleibt mit 32 Prozent deutlich vorn, Microsoft folgt mit 17 Prozent.

Das ist ein untragbarer Zustand für Google und den Mutterkonzern Alphabet. Der Internetriese, der mit seiner Suchmaschine den Markt beherrscht, hat in den vergangenen Jahren die wahrscheinlich weltweit größte Infrastruktur aus Rechenzentren und Netzwerken aufgebaut. Doch es gelingt ihm nicht, diese Technologie an Firmenkunden zu vermarkten

Dabei ist die Gelegenheit gigantisch: Laut Canalys ist das Geschäft mit Cloud-Infrastruktur 2018 um 46 Prozent auf 80 Milliarden Dollar gewachsen, für 2020 wird ein Umsatz von mehr als 143 Milliarden Dollar erwartet. Damit hat Google-Mutter Alphabet die Chance, ein zweites Standbein neben der Onlinewerbung aufzubauen, die im vergangenen Jahr mehr als 80 Prozent zum Umsatz von 137 Milliarden Dollar beisteuerte.

Der frühere Oracle-Manager Thomas Kurian soll das Wunder vollbringen. Er hat Diane Greene an der Spitze der Sparte abgelöst und bringt langjährige Kontakte in die Welt der Großunternehmen mit – das fehlte Google bislang.

Das Unternehmen ist dafür berüchtigt, unrentable Dienste schnell wieder einzustellen. Zuletzt ging der erfolglose Facebook-Herausforderer Google Plus vom Netz. So etwas ist Gift für Unternehmen, die langfristig planen und investieren. Pichai betonte daher auf der Konferenzbühne unermüdlich, er wolle weiter in großem Stil investieren.

„Vor sechs Jahren hatten wir in unseren Rechenzentren genug Stahl verbaut, um zwei Eiffeltürme zu errichten“, sagte der Manager. „Heute könnten wir 20 bauen.“ Zwei weitere große Anlagen sind in Seoul und in Salt Lake City geplant. Ein eigenes Transatlantikkabel soll den Datenaustausch beschleunigen, eine Verbindung durch den Pazifik ist bereits gelegt. Alles für die Cloud.

Cloud ist einer der größten Investmentbereiche des Unternehmens. Sundar Pichai, Google-Chef

Doch das reicht noch nicht. Kurian will „massiv“ in die Vertriebs- und Servicemannschaft investieren. In Unternehmen habe er immer wieder gehört, dass es nicht genug Google-Leute gebe, die bei der Transformation in die Cloud helfen könnten. Zudem ist geplant, die Technologie für einzelne Branchen wie die Finanzindustrie oder Medien anzupassen.

Kampf um Partner

Wer am Ende den Markt dominiert, hat auch mit der Vertriebsmacht zu tun. Canalys schätzt, dass bei Cloud-Infrastruktur gut 30 Prozent der Deals durch die etablierten IT-Vertriebskanäle gehen – die Technologie wird also von IT-Dienstleistern und Systemhäusern verkauft und installiert. „Amazon, Microsoft, Google und Alibaba investieren alle in den Ausbau der Vertriebskanäle. Sie müssen ihre Profile bei den Kunden schärfen, seit sich der Wettbewerb immer stärker intensiviert“, betont Alastair Edwards, Chefanalyst bei Canalys.

Microsoft hat noch aus Windows-Zeiten zahlreiche Partner – sie tragen schätzungsweise 74 Prozent zum Umsatz des Cloud-Dienstes Azure bei, der „mit Abstand größte Prozentsatz der Branche“, so Edwards. Google erzielt laut Canalys dagegen nur 25 Prozent seines sieben Milliarden Dollar schweren Cloud-Infrastrukturumsatzes über Partner. „Das ist ziemlich wenig angesichts des schnellen Wachstums“, analysiert Canalys.

Zumal der Beratungsbedarf weiter steigt. Die Kunden wollen nicht mehr allein Speicher und Rechenkapazität billig mieten, sondern die IT aus der Cloud für zentrale Geschäftsprozesse einsetzen. Es geht darum, Prozesse zu optimieren, die Kunden genau kennen zu lernen und die großen Datenmengen nach unentdeckten Marktchancen zu erforschen. Das zeigen exemplarisch die Projekte, mit denen Volkswagen und BMW ihre Fertigung vernetzen wollen.

Derartige Deals zeigen den Druck, unter dem die Unternehmen stehen, die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle anzugehen. Doch es fehlen „die Leute mit den Fähigkeiten, das zu bewerkstelligen“, fürchtet Google-Manager Kurian. Die Universitäten können die Spezialisten gar nicht schnell genug ausbilden. Und das, obwohl an allen US-Universitäten die Kurse für Datenwissenschaftler hoffnungslos überfüllt sind. Da bleibt viel zu tun.

Die Konkurrenz zieht nach

Partnerschaften geht Google auch mit zahlreichen Anbietern von Open-Source-Software ein, darunter der Datenbankanbieter MongoDB und die Suchmaschine Elastic. Diese integrieren ihre Lösungen in die Plattform, den Umsatz wollen die Unternehmen mit dem Internetkonzern teilen. Der Clou: Kunden können die Software über eine zentrale Konsole steuern und sollen eine einheitliche Rechnung bekommen.

Allerdings ist auch Open Source kein Alleinstellungsmerkmal. So hat Microsoft unter CEO Satya Nadella eine dramatische Öffnung zu offener Software vollzogen. Die Übernahme von Github, der größten Plattform für die Entwicklung von Open-Source-Software, zeigt diesen Wandel.

Laut seinen Ankündigungen bringe Google die Cloud überall dort hin, wo Unternehmen sie benötigten, erklärte der Analyst Frank Gens vom Marktforscher IDC gegenüber dem Portal „ZDNet“. Allerdings habe auch die Konkurrenz in den vergangenen Monaten Initiativen gestartet, um hybride Modelle zu ermöglichen. In den nächsten fünf Jahren werde es daher einen Kampf darum geben, wer bei der Vision der „Überall-Cloud“ führend sei.

Google wolle der „beste strategische Partner“ der Unternehmen werden, warb Spartenchef Thomas Kurian auf der Konferenz. Nun muss er zeigen, dass er dieses Prinzip auf den Konzern übertragen kann.

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