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Interview Delivery-Hero-Mitgründer Gadowski: „Ich würde mich freuen, wenn es weniger Seriengründer gäbe“

Lukasz Gadowski ist Seriengründer, will mit seiner Biografie aber kein Vorbild für Start-ups sein – im Gegenteil. Die Deutsche Börse kritisiert er scharf.
07.05.2021 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
„Ich hätte mir gewünscht, dass wir damals bei StudiVZ ermutigt worden wären, größer zu denken.“
Lukasz Gadowski

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir damals bei StudiVZ ermutigt worden wären, größer zu denken.“

Hamburg Lukasz Gadowski gehört zu den bekanntesten Köpfen der Berliner Start-up-Szene. 2002, direkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase, gründete er in Leipzig die digitale T-Shirt-Druckerei Spreadshirt. 2005 gründete er den deutschen Facebook-Konkurrenten StudiVZ mit, 2011 den heutigen Dax-Konzern Delivery Hero. Mit seinem Risikokapitalgeber Team Europe investierte der 42-Jährige in etliche weitere Start-ups – vom Carsharing-Anbieter Miles bis zum Flugtaxi-Entwickler Volocopter.

Für seine Rolle im Start-up-Ökosystem hat er am Donnerstagabend den Sonderpreis des Deutschen Startup Awards erhalten, den der Bundesverband Deutsche Startups zusammen mit der Beratung PWC vergibt.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt fordert Gadowski von jungen Gründern, seinem Beispiel nicht zu folgen. Statt neuer Seriengründer brauche die Tech-Welt mehr Unternehmer, die ein Start-up zum globalen Tech-Riesen machen. Als ein schlechtes Beispiel nennt er ausgerechnet die Samwer-Brüder, die die Berliner Szene mit Rocket Internet geprägt haben.

Gadowski rät Gründern, nicht auf einen Verkauf ihres Unternehmens hinzuarbeiten, sondern auf einen Börsengang. Die Entscheidung der Deutschen Börse, nur noch operativ profitable Konzerne für den Leitindex Dax auswählen zu wollen, lehnt er jedoch vehement ab. Damit schieße sich der Börsenplatz selbst ins Knie.

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    Lesen Sie hier das gesamte Interview:

    Herr Gadowski, Sie sind einer der bekanntesten Berliner Seriengründer – und haben gerade einen Sonderpreis beim German Startup Award für Ihre Rolle als Unterstützer der Szene bekommen. Was bedeutet Ihnen das?
    Das ehrt mich. Schließlich war es jahrelange Pionierarbeit, so viele Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Aber eigentlich würde ich mich freuen, wenn es weniger Seriengründer gäbe.

    Warum?
    Dann würden mehr Gründer in ihrem Unternehmen bleiben, um es richtig groß zu machen – statt ein weiteres kleines Start-up zu gründen. Wir brauchen in Europa mehr starke und unabhängige globale Unternehmen.

    Haben Sie ein Beispiel?
    Die Samwer-Brüder haben kurz nach der Dotcom-Blase Alando gegründet, ein Online-Auktionshaus. Wenn sie es nicht schon nach kurzer Zeit an Ebay verkauft hätten, könnte das heute ein richtig großes europäisches Unternehmen und viele Milliarden Euro wert sein.

    Dann gäbe es aber alles andere nicht, was die Samwers anschließend gemacht haben – wie Rocket Internet.
    Ja, vielleicht. Aber Alando könnte auch größer als alle ihre anderen Unternehmungen zusammen sein.

    Was schließen Sie daraus?
    In meiner Gründergeneration fehlen die Riesen – es gibt kein europäisches Amazon, Facebook, Apple oder Google. Ein Grund dafür sind die Exits. Den jungen Gründern – damals auch mir – ist beigebracht worden: Ein Exit ist erstrebenswert und ein Erfolg. Doch das Gegenteil ist der Fall: Erst große, unabhängige Unternehmen haben Kraft.

    Ändert sich die Einstellung?
    Ja, und dabei spielen wir Seriengründer tatsächlich eine Rolle. Ich hätte mir gewünscht, dass wir damals bei StudiVZ ermutigt worden wären, größer zu denken. Daher inspiriere ich heutige Gründer zu einer „Can-do-Haltung“ und suche – anders als andere Investoren – nicht nach dem Haar in der Suppe.

    Dennoch muss ein Investor ja auch mal die Reißleine ziehen.
    Sicherlich. Mir ging das zuletzt beim E-Roller-Start-up Circ so.

    Wie haben Sie gemerkt, dass der Zeitpunkt gekommen ist, nicht länger durchzuhalten?
    Bei Circ hatten wir irgendwann keine Einigkeit mehr über die Strategie. Mir fehlte der Rückhalt. Das sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

    „Ich bin froh, dass der UiPath-Gründer nicht verkauft hat“

    Wer hat es besser gemacht?
    Ein aktuelles Beispiel ist die rumänische Software-Gründung UiPath, die gerade in New York an die Börse gegangen ist. Ich bin froh, dass der Gründer Daniel Dines nicht verkauft hat – obwohl es wohl immer wieder Interesse von Konzernen wie Microsoft gab.

    SAP hat hingegen gerade für eine Milliarde Euro die Potsdamer Gründung Signavio gekauft. Ist das ein Fehler?
    Aus Sicht des Käufers und der Investmentbanken wohl nicht. Ich kenne die konkrete Situation zu wenig, aber generell ist es für die Gründer oft ein Pyrrhussieg, bei dem sie am Ende ihre Jobs verlieren. Dabei sind die Gründer in der Regel die besten Eigentümer – vielleicht nicht unbedingt als CEO, aber aus dem Aufsichtsrat heraus. Die meisten Käufer dagegen können sich nicht optimal kümmern und verhindern somit Wachstum, das eigentlich möglich wäre.

    Der Plan der Gründer, nach dem Aufkauf als angestellte Manager im Konzernverbund weiterzuarbeiten, scheitert ja oft …
    Ja, inzwischen müssten die Leute das eigentlich auch wissen. Da muss man sich nicht viel umhören, um das mitzubekommen. Es kann aber klappen, wenn man den Gründern nach dem Kauf Freiraum lässt. Axel Springer und Delivery Hero beispielsweise bekommen es gut hin, diese Unternehmer-DNS zu erhalten.

    Sie selbst treten mit Ihrer Investmentfirma Team Europe wieder mehr in die Öffentlichkeit. Wie können Sie dazu beitragen, Riesen zu entwickeln?
    Wir fokussieren uns auf zwei Tech-Themenfelder – über die digitalen Wurzeln mit Spreadshirt und Delivery Hero hinaus. Seit fünf Jahren spezialisieren wir uns auf die Luftfahrt der nächsten Generation mit knapp einem Dutzend Investments wie den Flugtaxi-Start-ups Volocopter und Archer. Außerdem: saubere Energie, die im Überfluss vorhanden ist. Dazu zähle ich neben Solar auch Atomkraft und Kernfusion. Unser Ziel sind Unternehmen, die sich an der Börse behaupten.

    „Die Entscheidung der Deutschen Börse ist falsch“

    Sind die deutschen Aktienanleger dafür schon bereit? Es gibt viele Privatanleger, die meinen, ein Verlustbringer wie Delivery Hero habe im Dax nichts verloren.
    Bei Delivery Hero wird vieles missverstanden. Die Verluste beruhen auf Investitionen in die Zukunft. Es lässt sich mathematisch recht genau berechnen, dass das Modell ohne weitere Wachstumsausgaben Gewinne brächte. Wenn Delivery Hero aber profitabel wäre, wäre das gerade nicht gut: Es würde nämlich bedeuten, dass das Unternehmen bewusst auf Wachstum verzichtet. Stattdessen verdoppelt es sein Geschäft jährlich.

    Die Deutsche Börse hat als Reaktion auf den Dax-Aufstieg von Delivery Hero sogar beschlossen, dass künftig nur noch operativ profitable Unternehmen in den Leitindex kommen dürfen.
    Wenn ich so was höre, wird mir echt schlecht. Das ist eine reine Panikreaktion auf den Wirecard-Skandal. Wir schießen uns damit ins eigene Knie. Dabei hinken wir ohnehin schon hinterher – auch bei den Börsenmänteln Spacs, über die Start-ups in den USA einfach an die Börse gehen können. Ich weiß nicht, was die Beweggründe der Deutschen Börse sind, aber die Entscheidung ist einfach falsch. Das ist inkompetent und weltfremd. Sorry, dann gehe ich lieber an die Börse in Amsterdam.

    Es gibt also noch einiges zu tun, damit die Vision von den vielen großen deutschen Digitalunternehmen wahr werden kann?
    Klar, aber sie ist nicht mehr fern.

    Herr Gadowski, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Sechs Gründer erklären, was sich in Deutschland ändern muss.

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