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iPhone-Hersteller Was der Abgang von Design-Legende Jony Ive für Apple bedeutet

Der Erfolg von Apple ist ohne Jony Ive nicht denkbar. Der Brite prägte die Ästhetik von iMac, iPod und iPhone. Wie geht es nach seinem Ausstieg weiter?
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Mit Minimalismus und Einfachheit hat er die gesamte Technologiebranche geprägt. Quelle: AFP
Jony Ive (links) mit Apple-Chef Tim Cook

Mit Minimalismus und Einfachheit hat er die gesamte Technologiebranche geprägt.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Es gibt wohl keinen Technikhersteller, für den Design eine so große Rolle spielt wie für Apple. Der Konzern hat 2016 sogar ein Buch herausgegeben, um seine Produkte und deren Entstehungsprozess zu zelebrieren. Das Werk, gedruckt auf „speziell gewalztem Papier“ und verziert mit „vergoldetem mattierten Silberrand“, ist immer noch zu kaufen, wenn man mindestens 200 Euro dafür ausgeben will.

Insofern ist eine Personalie als Zäsur für Apple zu verstehen: Designchef Jonathan „Jony“ Ive, der entscheidend zur Gestaltung von Produkten wie iPod, iPhone und iPad beigetragen und somit die Ästhetik vieler Alltagsprodukte geprägt hat, verlässt den Elektronikhersteller nach 27 Jahren. Er gründet ein eigenes Studio namens „Love From“, das 2020 eröffnen soll.

Apple bemühte sich nach dem Bruch, die Kontinuität hervorzuheben: Der Konzern werde zu den wichtigsten Kunden der neuen Firma gehören, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. In einer E-Mail an die Mitarbeiter betonte Konzernchef Tim Cook außerdem, dass Jony Ive das Team, das er aufgebaut habe, zu seinen wichtigsten Errungenschaften zähle. Sprich: Seine Philosophie bleibt.

Dennoch stellt sich die Frage, was die Personalie für Apple bedeutet. Mit Jony Ive gehe einer der wichtigsten Visionäre der Marke, formuliert Dan Ives, Analyst bei der Firma Wedbush Securities, die Bedenken der Wall Street. Damit ist er offenbar nicht allein, der Aktienkurs sank nachbörslich um bis zu ein Prozent. Der Designer war zuletzt indes deutlich weniger präsent als früher – die Ära Ive ist schleichend ausgelaufen.

Vom externen Berater zum Ritter

1992 kam Jony Ive zu Apple, zunächst als externer Berater. Als Mitgründer Steve Jobs 1997 zurückkehrte, um den Konzern vor der Pleite zu retten, erkannte er schnell das Talent des Briten – und übertrug ihm bald schon die Verantwortung für das Produktdesign. Gegenüber seinem Biografen Walter Isaacson bezeichnete er den Briten als seinen „spirituellen Partner“, in dessen Designstudio er am liebsten war.

Die beiden entwarfen gemeinsam eine Reihe von Geräten, die im Nachhinein als historisch gelten dürfen: Den iMac, der Apple vor der Pleite rettete, den iPod, der die Musikindustrie revolutionierte und dabei zu einem unerwartet großen Geschäft wurde und das iPhone, mit dem der Konzern den Nutzern einen Computer in die Hand gab und ganze Branchen durcheinanderwirbelte.

Jony Ive nennt Dieter Rams als Vorbild, den legendären Chefdesigner von Braun. Seine Maxime lautet: Nutzer sollen Produkte intuitiv verstehen, ohne eine Bedienungsanleitung. Mit Minimalismus und Einfachheit hat er die gesamte Technologiebranche geprägt. Die britische Königin schlug ihn für seine Arbeit sogar zum Ritter.

Vom iPhone bis zur Käsereibe – wie Chefdesigner Jony Ive Apple geprägt hat
Prägende Figur
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Jony Ive mit dem wohl wichtigsten Produkt, das er je gestaltet hat: Der Brite kam 1992 zu Apple, zunächst als externer Berater. Konzerngründer Steve Jobs machte ihn später zum Chefdesigner, der auch zum iPhone entscheidend beitrug.

(Foto: Bloomberg)
Der iMac
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Bunt und kugelig: Mit diesem Design hob sich der iMac von den vielen grauen PCs ab. Die ersten Generation kam 1998 auf den Markt, sie half Apple, die gefährliche wirtschaftliche Krise zu überwinden. Hier ist Jony Ive (links) zu sehen mit Jon Rubinstein, der später mit dem Palm Pre ein weiteres ikonisches, allerdings kommerziell wenig erfolgreiches Produkt entwickelte.

(Foto: AP)
Steve Jobs zeigt den iPod
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MP3-Player gab es zuhauf, doch mit dem iPod setzte Apple 2001 neue Maßstäbe – hier zeigt Steve Jobs eine überarbeitete Version. Die Bedienung mit dem Rädchen, mit der Nutzer durch ihre Musiksammlung blättern konnten, war revolutionär einfach. Und in Verbindung mit iTunes sorgte der iPod dafür, dass Nutzer für Musik wieder zahlten. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten von Napster und Gnutella.

(Foto: AP)
Das erste iPhone
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Entscheidenden Einfluss hatte Ive auch bei der Entwicklung des iPhone – hier die erste Generation, die Steve Jobs 2007 vorstellte. Das Gerät liege wunderbar in der Hand, schwärmte der charismatische Unternehmenschef damals und brachte damit wohl die Maxime seines obersten Ästheten auf den Punkt.

(Foto: AFP)
iPhone XR
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Das iPhone hat Apple zum wertvollsten börsennotierten Konzern der Welt gemacht. Daher verwundert es nicht, dass das Unternehmen das Produkt stetig weiterentwickelt. Das iPhone XR, über das Ive und Cook hier sprechen, hat einen randlosen Bildschirm.

(Foto: imago images / VCG)
iPhones mit iOS 7
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Auch die Software gestaltete Chefdesigner Ive mit. So spielte er bei der Neugestaltung des Betriebssystem iOS 2013 eine wichtige Rolle: Anstelle Materialien von physikalischen Produkten nachzuahmen – der Kalender sah etwa aus wie ein in Leder gefasstes Ringbuch –, führte Apple durchgehend ein modernes, abstraktes Design ein.

(Foto: AFP)
Apple Watch
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Die Bühne überlässt Jony Ive lieber anderen, hier stellt Tim Cook die neue Generation der Apple Watch vor. Gerade die Uhr war dem Briten aber ein Herzensanliegen. Mit dem Gerät, das über wechselbare Armbänder verfügte und auf Modenschauen zu sehen war, positionierte sich Apple mehr denn je als eine Designfirma.

(Foto: Reuters)

Die Zeiten, in denen Apple alle paar Jahre eine neue Produktkategorie entwirft, sind allerdings vorbei. Die letzte maßgebliche Neuerung ist die Apple Watch, die 2015 auf den Markt kam. Zuletzt optimierte der Elektronikhersteller bestehende Produkte, wenn auch durchaus mutig, wie beim iPhone X mit dem randlosen Bildschirm. Parallel baut er das Servicegeschäft mit Musik, Filmen und Spielen immer mehr aus.

Schon einige Zeit ließ Jony Ive eine gewisse Amtsmüdigkeit vermuten. Beim Verkaufsstart der Apple Watch Anfang 2015 sagte er einem Reporter des Magazins „The New Yorker“, dass er „tief, tief müde und immer besorgt“ sei. Ive war nach dem Tod von Jobs die zentrale Designinstanz, die große Verantwortung lastete auf ihm. Zumal dem modebewussten Mann die Uhr ein persönliches Anliegen war.

Zwischenzeitlich gab der oberste Ästhet sogar seine Rolle als Designchef ab, um die neue Zentrale „Apple Park“ zu gestalten, wie üblich mit außerordentlich viel Liebe zum Detail: Er wählte Medienberichten zufolge eigenhändig die Schreibtische aus und gestaltete Elemente wie die Türklinken sogar selbst.

„Tektonische Verschiebung“ für Apple

Zuletzt war Jony Ive bereits weniger präsent als früher: Die Nachrichtenagentur Bloomberg und das Portal „The Information“ berichten, dass er nur noch selten in der Zentrale gewesen sei und viel Zeit in seiner Heimat Großbritannien verbracht habe.

Nun verlässt er das Unternehmen ganz, auch wenn er weiter „exklusive Projekte“ durchführen soll, wie Konzernchef Cook in einer Mitteilung erklärte. Er freue sich auf die „vielen Jahre”, in denen er mit seinen Freunden bei Apple zusammenarbeite werde, ließ auch Ive wissen. Aber: Ein externer Berater ist kein Chefdesigner. Erst recht nicht in einer verschlossenen Firma wie Apple.

Wedbush-Analyst Dan Ives spricht daher von einer „tektonischen Verschiebung“ für Apple: Ive sei ein Schlüssel für den Erfolg und die Kultur des Konzerns gewesen.

Der Wechsel sei aber zu erwarten gewesen, sagt Gene Munster, Mitgründer von Loup Ventures und langjähriger Apple-Beobachter: Der Designer habe zuletzt bereits eine kleinere Rolle gespielt. Der Konzern habe daher um ihn herum ein Team aufgebaut, sagte er Bloomberg TV.

So sind mit Evans Haneky und Alan Dye künftig zwei Manager für das Design verantwortlich, die jahrelang in seinem Team gearbeitet und wichtige Projekte übernommen haben. Nun dürften sie auch stärker in die Öffentlichkeit treten.

Allerdings haben sie nicht die Unabhängigkeit ihres Vorgängers: Sie berichten an Chief Operating Officer Jeff Williams. „Bei Apple sollte jemand für das Design verantwortlich sein“, schreibt der Blogger John Gruber – und zwar auf der Vorstandsebene. Nicht der Abgang von Jony Ive sei das Problem, sondern dass niemand ihn ersetze, meint der Unternehmenskenner.

Mehr: Eine neue Biografie über den Apple-Boss Tim Cook räumt mit dem Gründermythos um Steve Jobs auf. Cook muss sich nicht vor Jobs‘ Erbe verstecken.

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