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IT-Branche Diese Probleme gibt es, wenn Deutsche demnächst den Microsoft-Clouddienst nutzen

Microsoft-Kunden können Daten und Rechenleistung künftig auf deutschen Servern speichern. Doch es gibt Bedenken, wie sicher US-Clouddienste sind.
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Microsoft-Kunden können Daten und Rechenleistung künftig auf deutschen Servern speichern. Quelle: AP
Microsoft-Chef Satya Nadella

Microsoft-Kunden können Daten und Rechenleistung künftig auf deutschen Servern speichern.

(Foto: AP)

Düsseldorf Der US-Konzern Microsoft eröffnet neue Rechenzentrumsregionen für Clouddienste in Deutschland. „Um den Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden, bauen wir unsere Server-Kapazitäten auf deutschem Boden enorm aus“, sagt Markus Nitschke, Leiter des Cloud-Services von Microsoft Deutschland. Regulierungen und eigene Richtlinien zwingen hiesige Unternehmen teilweise dazu, bestimmte Kundendaten innerhalb Deutschlands zu speichern.

Die Cloud-Plattform Azure ist der erste Dienst, der ab sofort in den neuen Regionen verfügbar ist. Er ermöglicht, Kunden Daten und Programme so zu speichern, dass Mitarbeiter von überall darauf Zugriff haben. Außerdem können Unternehmen zusätzliche Rechenleistung in Anspruch nehmen, wenn die eigenen Kapazitäten zu Hochzeiten nicht ausreichen. Die Angebote Dynamics 365 und Office 365 kündigt Microsoft für das erste Quartal 2020 an.

Die Nachfrage ist riesig: Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom nutzen Dreiviertel der Unternehmen hierzulande bereits Cloud Computing. Nach Angaben von Microsoft selbst greifen die Großkonzerne mittlerweile sogar ausnahmslos auf externe Lösungen für Speicherung und Rechenpower zurück.

Aus der Bitkom-Erhebung geht auch hervor, warum Microsoft dafür nun eigene Server in Deutschland braucht: 72 Prozent der befragten Unternehmen geben an, bei der Wahl des Cloud-Dienstes sei es „ein Muss“, dass die genutzten Rechenzentren ausschließlich in Deutschland stünden, nur für acht Prozent der Umfrageteilnehmer ist das unwichtig.

Der Microsoft-Chef Satya Nadella spricht davon, dass er den eigenen Cloud-Dienst zu einem „Weltcomputer“ ausbauen will. Doch neben der US-Konkurrenz – allen voran Amazon – und europäischen Wettbewerbern könnte es ausgerechnet die US-Regierung sein, die das schnelle Wachstum des Unternehmens in der Sparte bremst.

Denn US-Präsident Donald Trump hat die Behörden im vergangenen Jahr mit einem Gesetz ermächtigt, bei strafrechtlichen Ermittlungen auf personenbezogene Daten zuzugreifen, die bei US-amerikanischen Unternehmen liegen. Das lässt Zweifel daran aufkommen, ob die weltmarktführenden Konzerne aus den Staaten überhaupt für die Sicherheit ihrer Kundendaten garantieren können.

„Cloud-Act" kann zum Problem werden

Der „Cloud-Act“ bringt die US-Konzerne mit ihren Angeboten für Kunden in der EU in die Bredouille. Er hat nicht zwingend etwas mit der Datenwolke zu tun, betrifft sie aber stark: Das Akronym steht für Clarifying Overseas Use of Data Act – es geht also um ein Gesetz, mit dem der rechtliche Umgang mit Daten im Ausland klargestellt wird.

Nicht erst mit Eintritt der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kann aber von Klarstellung die Rede sein. Denn die DSGVO ermöglicht die Herausgabe von personenbezogenen Daten nur mittels eines internationalen Rechtshilfeabkommens. Das heißt: Im Ernstfall müsste Microsoft entweder US- oder EU-Recht brechen.

Mit Einschätzungen der Situation tun sich auch die Experten schwer: Es geht um nichts Einfacheres als die Frage, welche nationale oder supranationale Behörde die Oberhand behält, wenn es um Daten von internationalen Mitarbeitern bei internationalen Unternehmen auf lokalen Speichern geht.

„Amerikanische Strafverfolgungsbehörden erhalten aufgrund des Cloud-Acts die Möglichkeit, auf Basis von Ermittlungsanordnungen Informationen von amerikanischen Diensteanbietern und deren Tochterunternehmen zu erlangen, die diese im Ausland speichern“, heißt es von Microsoft. Wenn sich Kunden mit Cloud-Lösungen auf deutschem Boden sicherer fühlen als mit Servern im Ausland, ist das nur bedingt berechtigt: „Unsere neuen Rechenzentrums-Regionen ändern nichts an der grundsätzlichen Anwendbarkeit des Cloud Acts“, sagt eine Sprecher des US-Konzerns.

Noch bis vor einem Jahr hatte Microsoft mit der Deutschen Telekom kooperiert, die als Datentreuhänder deutsche Kunden vor dem Zugriff durch US-Behörden schützen konnte. Die Zusammenarbeit beendete Microsoft.

Damit ist aber keinesfalls gesagt, dass die US-Konzerne die Situation nicht ernstnehmen würden. „Amerikanische Cloudanbieter haben schon aufgrund der Verträge mit ihren europäischen Kunden ein hohes Interesse daran, das europäische Datenschutzniveau einzuhalten“, ist Gregor Schmid, Datenschutzexperte und Partner bei Taylor Wessing, überzeugt. Bisherige Fälle zeigten, dass die Anbieter ihre Kundendaten nicht ohne weiteres herausgeben und sich dagegen auch juristisch zur Wehr setzen.

„Das zeigt nicht zuletzt ein prominentes Verfahren von Microsoft, das bis vor den Supreme Court ging“, sagt Schmid. Im konkreten Fall habe sich das Verfahren zwar aufgrund des neu erlassenen Cloud Act zugunsten von Microsoft erledigt, Microsoft habe aber auch bis in die höchste Instanz dagegen gekämpft, Daten herausgeben zu müssen. Zudem gibt Schmid zu bedenken: „Theoretisch kann so eine Anordnung auf Datenherausgabe damit auch europäische Unternehmen treffen, wenn die Voraussetzungen nach dem Cloud Act vorliegen..“

Die Bundesregierung wie auch Behörden in Frankreich, Schweden und den Niederlanden haben bereits Signale gesetzt: Sie vertrauen beim Datenaustausch auf die deutsche Firma Nextcloud. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist das noch nicht genug.

Weil Unternehmen wie Nextcloud zwar mit Datensicherheit punkten, aber bei Preis und Funktionen nicht mit den übermächtigen US-Konzernen mithalten können, will Altmaier eine europäische Cloud-Lösung erreichen. Informierte Kreise berichten, dass sich bereits in dieser Woche Vertreter aus der Industrie getroffen haben, um Möglichkeiten für ein Projekt namens Gaia-X auszuloten. Eine Bedrohung sieht man bei Microsoft darin nicht. "Wir unterstützen das Ansinnen insbesondere seitens der Bundesregierung und Kunden aus der Öffentlichen Verwaltung, digitale Souveränität zu erlangen, uneingeschränkt", heißt es von dem Konzern.

Mehr: Mit der zweiten Übernahme baut Google sein Cloud-Geschäft für Firmen aggressiv aus. Aber auch IBM will in dem Markt mitmischen.

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