IT-Dienstleister feilen an ihren Miet-Angeboten Neue Pläne für Software aus der Steckdose

Die Idee, Software wie Strom aus der Steckdose zu beziehen und zu bezahlen, ist bereits mehrere Jahre alt. Nun wächst das Interesse – Analysten prognostizieren den „Software als Service (SaS)“ genannten Angeboten jedenfalls ein starkes Wachstum. Das US-Marktforschungsunternehmen IDC etwa erwartet für das Jahr 2008 Umsätze von weltweit 9,1 Mrd. US-Dollar und ein Wachstum von 25 Prozent pro Jahr.
  • Silke Thole

DÜSSELDORF. „Die Unternehmen fordern Mietangebote“, sagt Ulrich Kemp, in der Geschäftsführung von T-Systems für den Bereich Business Services zuständig. T-Systems bietet bereits die Kundenmanagement-Anwendungen (CRM) von Siebel und die unternehmensweite Standardsoftware für mittelständische Unternehmen Business One von SAP zur Miete. Weitere sollen folgen.

Die Übernahme des Mietsoftwarespezialisten Corio zu Beginn dieses Jahres macht deutlich, dass auch der Marktführer bei IT-Dienstleistungen IBM dem SaS-Modell große Bedeutung bemisst. Corio ist auf die Vermietung von Unternehmenssoftware über das Internet spezialisiert. Im Angebot sind unter anderem Anwendungen von Ariba, Epiphany, Oracle, Peoplesoft, Siebel und SAP. Besonders interessant für IBM dürften Corios Technologien für die schnelle Verteilung (Rapid Application Deployment) und das automatisierte Management von Anwendungen sein. Denn IBM selbst konzentriert sich bei seiner On-Demand-Strategie im Wesentlichen auf die bedarfsgerechte Bereitstellung von Rechenpower und Speicherplatz.

Katharina Grimme, Direktorin beim Marktforschungsunternehmen Ovum sieht SaS als logische Fortsetzung von On-Demand-Computing, also der Lieferung von IT-Ressourcen nach Bedarf. Zurzeit stünden dieser Vision jedoch nach wie vor die zu starren Lizenzmodelle der Softwareanbieter entgegen. Als weiteres Hindernis für Software aus der Steckdose galt bisher, dass viele Anwendungen nicht auf die Web-Nutzung zugeschnitten sind. Das ändert sich durch die zunehmende Verbreitung von Internet-Technologien. So sind etwa die unternehmensweiten Standardanwendungen (ERP) Semiramis von der CIS AG und Abas von Abas Software für die Verteilung über das Internet geeignet, weil ein Webbrowser als Client ausreicht.

Kein Wunder also, dass IBM eine Kooperation mit CIS geschlossen hat, in deren Rahmen auch der Betrieb von Semiramis in den IBM-Rechenzentren und die Nutzung des Mietpreismodells Semiramis On Demand vorgesehen ist.

Hinzu kommt, dass der US-Konzern jüngst ein Investitionsprogramm aufgelegt hat, um weitere Softwareanbieter dabei zu unterstützen, ihre Anwendungen Hosting-fähig zu machen. „Zu ermöglichen, dass eine Anwendung auch als Service angeboten werden kann, bedeutet für den Hersteller erhebliche Investitionen“, erläutert Andreas Kerstan, bei IBM Deutschland als Vice President für das Mittelstandsgeschäft zuständig. So müssten die Programme mandantenfähig gemacht werden, damit auf einem System mehrere Kundeninstallationen gefahren werden können. Außerdem müssten Komponenten für die Messung des Nutzungsverhaltens hinzugefügt werden.

IBM ist vom Erfolg des SaS-Modells überzeugt, auch wenn beispielsweise bei der CIS AG das Mietangebot bislang nur wenig genutzt wird. Derzeit sind 270 Semiramis-Systeme in mittelständischen Unternehmen installiert, aber nur 200 User arbeiten auf Mietsoftwarebasis. Ovum-Experting Grimme erwartet aber ohnehin, dass sich das SaS-Modell zuerst in Großunternehmen durchsetzt. „Die Mittelständler warten ab, bis das Modell erprobt ist.“

Sowohl bei Semiramis als auch bei Abas können die Kunden ihre Softwarenachfrage auch nach unten verändern. Das ist bei vielen anderen Mietsoftware-Varianten oft nicht so ohne Weiteres möglich. Beispielsweise müssen Kunden, die von T-Systems die Software Business One beziehen, eine Lizenz erwerben, was eine Anpassung nach unten nahezu unmöglich macht.

Auch ist es nicht einfach, eine Lizenz zurückzugeben. Das echte SaS-Modell geht aber davon aus, dass Software tatsächlich wie Strom nach Bedarf bezogen und gezahlt wird. „Viele der hier zu Lande angebotenen ASP-Verträge sind eigentlich gar keine“, urteilt Strategy-Partners-Analyst Helmut Gümbel. Positives Beispiel sei Salesforce.

Der Spezialist für On-Demand-Software für CRM hat dem SaS-Modell den Boden bereitet und verzeichnet 214 000 zahlende Anwender in 13 000 Unternehmen. Auch angesichts dieses Erfolgs geraten die Softwareanbieter unter Druck. Nur konsequent, dass Microsoft-Cheftechnologe Bill Gates jüngst ankündigte, dass sein Unternehmen demnächst in dieser Richtung stärker aktiv werde.

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