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IT-Dienstleister Neuer Schwung für Traditionsfirmen: Vier Schritte für eine erfolgreiche Transformation am Beispiel Materna

Der neue Materna-Chef Martin Wibbe hat für das Dortmunder Familienunternehmen eine „Mission 2025“ angekündigt – und fordert so die Belegschaft heraus.
25.05.2021 - 14:59 Uhr Kommentieren
Der Manager plant in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen. Quelle: Materna
Materna-Chef Martin Wibbe

Der Manager plant in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen.

Düsseldorf Überregionale Schlagzeilen macht die Unternehmensgruppe Materna selten. Im April ließ der IT-Dienstleister die Branche jedoch aufhorchen: Das Management um Vorstandschef Martin Wibbe kündigte im Zuge einer „Mission 2025“ an, Umsatz und Mitarbeiterzahl in den nächsten Jahren zu verdoppeln. Unter dem internen Projektnamen „Gamechanger“ sind außerdem mehrere Übernahmen geplant.

Neue Töne und große Ziele für das Familienunternehmen, das Winfried Materna und Helmut an de Meulen 1980 in Dortmund gründeten, um Software für Großrechner zu schreiben. Es zählt zwar zu den führenden mittelständischen IT-Beratungen in Deutschland, steht aber nicht gerade im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Wibbe will das ändern. Er kam im April 2020 vom französischen IT-Dienstleister Atos, wo er dreieinhalb Jahre den deutschen Vertrieb leitete. „Mit meiner Vermarktungsexpertise sehe ich hier eine Riesenchance“, sagt er. Allerdings sei das Unternehmen in letzter Zeit nicht so präsent gewesen.

Doch Wibbe will bei Materna für mehr Bewegung sorgen. Dafür steht auch die neue Firmenzentrale, die gerade im Dortmunder Süden entsteht.

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    Von der Materna-Strategie können auch andere Unternehmen lernen. Das Handelsblatt hat die vier wichtigsten Schritte für eine erfolgreiche Transformation zusammengefasst.

    Ehrgeizige Ziele

    Die Firma Materna gehört den Familien der beiden Gründer, eine Wachstumsstory für die Börse muss das Management daher nicht erzählen. Trotzdem sei die „Mission 2025“, die ein durchschnittliches Wachstum von knapp 20 Prozent als Ziel hat, für das Unternehmen wichtig, sagt Vorstandschef Wibbe. Es gehe um ein starkes Signal. „Und mit der öffentlichen Ankündigung zeigen wir, dass wir es ernst meinen.“

    Die Botschaft richtet sich zum einen an die Mitarbeiter: „Wenn man über Jahre erfolgreich ist, muss man ambitionierte Ziele ausgeben, damit man Veränderungen begründen kann“, sagt Wibbe. Nun sind alle Geschäftsbereiche gefragt, zu der neuen Strategie beizutragen. Gleichzeitig gibt es Projekte, um beispielsweise die Standorte attraktiver zu machen und die Marke gezielt auszurichten.

    Zum anderen lenkt die neue Strategie die Aufmerksamkeit der IT-Branche auf Materna – und hilft so, neue Angebote bekanntzumachen. So hat der IT-Dienstleister mit „Journey2Cloud“ ein neues Modell entwickelt, das Unternehmen bei der Einführung von Cloud-Diensten helfen soll. Nach der Ankündigung hätten sich schon einige Aufträge ergeben, berichtet Wibbe.

    Nicht zuletzt will der Vorstandschef das „#TeamMaterna“, wie er es auf Twitter nennt, bei IT-Spezialisten bekanntmachen. „Am Arbeitsmarkt ist es wichtig, präsent zu sein“, sagt Wibbe. Die Ankündigung zeige bereits Wirkung: „Es ist erstaunlich, wer sich aus meinem Netzwerk bei mir gemeldet hat.“

    Konzentration auf Stärken

    Mit 355 Millionen Euro Umsatz und 2500 Mitarbeitern ist Materna laut dem Marktforscher Lünendonk die viertgrößte mittelständische IT-Beratung in Deutschland. Das Spektrum der Kunden reicht von Behörden über Industriebetriebe bis zu Flughäfen. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Apps für die Erfassung von Impfnebenwirkungen, richtet das SAP-Planungssystem S/4 Hana ein und hilft neuerdings bei der Erfassung von CO2-Emissionen.

    Neun Fokusfelder hat die Materna-Gruppe. „Die breite Aufstellung macht uns aus und sorgt dafür, dass wir widerstandsfähig sind“, sagt Wibbe. Das hat sich im Krisenjahr 2020 gezeigt, als der Umsatz trotz der Coronakrise um knapp zehn Prozent wuchs. Trotzdem – oder gerade deswegen – habe die Managementrunde beschlossen, das Portfolio zu überprüfen: „Da, wo wir uns fokussiert haben, sind wir stark“, argumentiert Wibbe.

    Bei der digitalen Verwaltung beispielsweise ist Materna führend, das soll so bleiben. Für die Einführung von Cloud-Lösungen hat das Unternehmen die Mitarbeiter in einer großen Einheit zusammengeführt. Und in vielversprechenden Geschäftsfeldern, wie der Analyse von CO2-Emissionen in Geschäftsprozessen, entstehen neue Teams.

    Dagegen verkaufte der Konzern im vergangenen Jahr einige Aktivitäten mit insgesamt rund zehn Millionen Euro Umsatz, etwa Tochterfirmen in Polen und Tschechien sowie eine Gesellschaft für die Entwicklung elektronischer Personalakten.

    Ehrliche Bestandsaufnahme

    Martin Wibbe kam mit einem frischen Blick zu Materna. Bei der Neuausrichtung holte er außerdem weitere Expertise von außen ein. „Wir wollten gucken, wo es zweistelliges Wachstum gibt“, berichtet er.

    Das Managementteam entwickelte den ersten Entwurf der Strategie zwar selbst und band dann den Aufsichtsrat und die Mitarbeiter ein, suchte aber auch das Gespräch mit Unternehmensberatern und Marktforschern. „Ich habe auch Kundengespräche genutzt, um mit CIOs zu reden“, sagt Wibbe. CIOs sind die IT-Chefs von Unternehmen.

    Dabei soll es nicht bleiben. „Das Portfolio steht konstant unter Beobachtung, nächstes Jahr wird es ein Update geben“, kündigt der Vorstandschef an – auch wenn es sich dabei eher um Nuancen handeln werde.

    Kräftige Investitionen

    Gerade in der Coronakrise kommt die Frage auf: Wie viel kann und soll ein Unternehmen investieren? Darüber habe es bei Materna durchaus Diskussionen gegeben, berichtet Wibbe. „Ich habe den Aufsichtsrat überzeugt, dass nun ein guter Zeitpunkt ist, Geld in die Hand zu nehmen.“ Investitionen tätigt Materna also aus einer starken Position.

    Bis 2025 plant der IT-Dienstleister einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ein. Einerseits für neues Personal: Im ersten Quartal haben allein am Hauptstandort in Dortmund 130 neue Leute angefangen, in Geschäftsfeldern wie SAP-Beratung und Prozessmanagement sind weiter Stellen ausgeschrieben. „Das Geschäft von Materna hängt zu 95 Prozent von den Mitarbeitern ab“, sagt Wibbe.

    Andererseits entwickelt Materna eigene Programme, die die Beratung erleichtern sollen, Analysewerkzeuge für die Umstellung von SAP-Systemen und Lösungen für die Übertragung von Daten in die Cloud etwa. Auch an Projekten für die digitale Infrastruktur Gaia-X programmieren die Mitarbeiter mit. Der Programmcode entsteht in einer „Software Factory“ mit 700 Leuten.

    Auch Übernahmen plant die Materna-Gruppe. Ein Team hat den Markt analysiert und eine Liste mit interessanten Unternehmen erarbeitet. Beispielsweise im Bereich IT-Sicherheit, der im Konzern eine prominente Rolle spielen soll. In drei Fällen gebe es fortgeschrittene Gespräche, berichtet Wibbe.

    Die hohen Bewertungen für Technologieanbieter schränken den Spielraum des Familienunternehmens allerdings ein. „Wir sind schuldenfrei, aber wir werden nichts Verrücktes machen“, sagt der Materna-Chef.

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