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IT-Industrie Intel glaubt an PCs und Notebooks – und investiert stark ins Marketing

Der Chiphersteller Intel will sein Kerngeschäft in Zukunft massiv ausbauen. Die Probleme in der Gegenwart sind allerdings gewaltig.
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Der Halbleiterproduzent aus dem Silicon Valley hat in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Geschäftsfelder aufgebaut. Quelle: Reuters
Intel

Der Halbleiterproduzent aus dem Silicon Valley hat in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Geschäftsfelder aufgebaut.

(Foto: Reuters)

MünchenFür Steve Long steht fest: PCs und Notebooks werden noch lange nicht verschwinden. Im Gegenteil. Wenn der Top-Manager von Intel recht behält, stehen den Geräten die besten Zeiten erst noch bevor. Es gebe die Chance, den Umsatz in diesen Kategorien von gegenwärtig 37 Milliarden Dollar im Jahr auf 60 Milliarden zu steigern, sagte der Vertriebs- und Marketingchef der sogenannten Client Computing Group dem Handelsblatt.

In der Sparte hat der amerikanische Chiphersteller sein Kerngeschäft mit Prozessoren für PCs und Notebooks gebündelt. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Einen Zeitraum, diese Pläne zu verwirklichen, nannte Long allerdings nicht.

Der Halbleiterproduzent aus dem Silicon Valley hat in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Geschäftsfelder aufgebaut, nicht zuletzt aus Angst vor dem Niedergang der PCs. Vor allem mit Chips für Netzwerkrechner, die sogenannten Server, hatte Intel lange großen Erfolg. Bei Smartphones hingegen konnte Intel nie so recht Fuß fassen.

Der befürchtete, große Einbruch bei PCs ist gleichwohl ausgeblieben. „Wir sind jetzt drei Jahre in Folge gewachsen“, unterstrich Long. Vergangenes Jahr stieg der Umsatz um neun Prozent. Im ersten Quartal gingen die Erlöse erneut um vier Prozent nach oben. Die Client Computing Group steht für gut die Hälfte des gesamten Umsatzes. Dass Intel zulegte, hatte vor allem einen Grund: Die Amerikaner verkauften hochwertige Chips.

Es soll auch weiter aufwärts gehen. „Wir haben uns viel vorgenommen“, betonte Long. Seine rosigen Prognosen sind alles andere als selbstverständlich. Denn Firmen und Konsumenten legen sich seit Jahren immer weniger PCs und Notebooks zu. Im ersten Quartal haben die Hersteller den Marktforschern von Gartner zufolge erneut knapp fünf Prozent weniger Geräte ausgeliefert, im vierten Quartal 2018 schrumpfte das Geschäft in ähnlicher Größenordnung. Fürs gesamte Jahr erwarten die Experten ein Minus von knapp einem Prozent. Das hat seinen Grund: „Konsumenten trennen sich zunehmend von ihren PCs, ersetzen sie aber nicht“, erläutert Gartner-Analyst Ranjit Atwal.

Zudem hat Intel seine Kunden, also die Computerhersteller, in jüngster Zeit schwer hängen lassen. Seit Monaten kämpfen die Kalifornier mit Lieferschwierigkeiten. Gerade erst hat sich der Chef des Computerherstellers HP, Dion Weisler, beschwert: Die knappen Bauteile hätten seinen Absatz von günstigen Notebooks gebremst. Unmittelbar werde das auch nicht besser. Wegen der knappen Produktionskapazitäten fertigt Intel vor allem hochwertige, margenstarke Halbleiter.

Handelsstreit zwischen China und den USA belastet

Dazu kommt der Handelsstreit, den US-Präsident Donald Trump mit China angezettelt hat. Wenn der Politiker seine Boykott-Drohungen wahr macht, wird es für Intel schwierig, den wichtigen chinesischen Markt zu versorgen. Viele Rechner werden dort gefertigt. Genauso bedrohlich wäre es, wenn die Konsumlaune in China und den USA im Zuge der Auseinandersetzung nachlässt.

Der ambitionierte Wachstumsplan ist dennoch nicht völlig unrealistisch. Denn Intel startet gerade wieder eine große Marketingoffensive, mit der die Amerikaner Notebooks bewerben wollen. Unter dem Namen „Project Athena“ setzt Intel den Laptop-Herstellern Mindeststandards für die Geräte. Erfüllen die Rechner diese Vorgaben, profitieren sie von der Werbung, die Intel für „Project Athena“ macht. Dieser Ansatz hat schon in früheren Jahren funktioniert: Mit „Centrino“ und den „Ultrabooks“ hat Intel den Markt belebt.

Diese Computer sollen mit einer Batterieladung mindestens 16 Stunden Videos abspielen. Nutzer sollen zudem neun Stunden im Internet surfen können. Schnelles Aufladen ist ebenso Vorschrift wie ein zügiger Start aus dem Ruhemodus in weniger als einer Sekunde. Die ersten Geräte von führenden Anbietern wie Acer, Dell, HP oder Lenovo sollen in der zweiten Jahreshälfte in den Regalen stehen.

Ähnliche, schon verfügbare Geräte bezeichnen die Marktforscher von Gartner als „Ultramobiles“. Immer mehr Firmen und Konsumenten legen sich derartige Rechner zu. So werde der Absatz von 64 Millionen Stück vergangenes Jahr auf 80 Millionen in zwei Jahren steigen, meinen die Branchenbeobachter. Die tragbaren Computer sind deutlich teurer als herkömmliche Notebooks.

Der Lieferumfang des Konzerns steige, betont Manager Long. Neben den Prozessoren verkaufe Intel zunehmend auch Grafikbausteine, Speicher, Software und Kommunikationschips.

Der seit diesem Frühjahr amtierende, neue Konzernchef Bob Swan indes will den Investoren nicht zu viel versprechen. Der Konzernumsatz in den nächsten drei Jahren werde nur um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz steigen, warnte Swan im Mai. Die Erlöse der PC-Sparte könnten sogar fallen. Das hinterließ Spuren an der Börse: Der Aktienkurs ist seit dem Jahreshöchststand Mitte April um rund ein Viertel gefallen.

Chefverkäufer Long glaubt unterdessen an den Aufschwung seines Geschäfts, nicht zuletzt in Deutschland. Drei Bereiche hat er ausgemacht, in denen er angreifen will: Im Bildungswesen, bei leistungsstarken Großrechnern und im Mittelstand. „Die Kaufkraft ist da“, ist sich der Manager sicher.

Doch was passiert, wenn Intel gar nicht liefern kann? „Das soll nie wieder vorkommen“, beteuert der Manager. Wozu brauchte er sonst auch eine 4500 Mitarbeiter umfassende Vertriebsmannschaft weltweit.

Mehr: Die Chipindustrie wird dieses Jahr kräftig schrumpfen. Auch der Dax-Konzern Infineon spürt die Krise – investiert aber unverdrossen weiter.

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