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IT-Konzern Oracle-Gründer Larry Ellison will die Cloud neu erfinden

Der Konzern galt in dem Geschäft schon als abgehängt. Doch nun hat Larry Ellison eine neue Idee für die Cloud: Sie soll physisch bei Kunden integriert werden.
01.08.2020 - 14:01 Uhr Kommentieren
Mit einem geschätzten Vermögen von rund 72 Milliarden Dollar gehört er zu den reichsten Menschen der Welt. Quelle: dpa
Larry Ellison

Mit einem geschätzten Vermögen von rund 72 Milliarden Dollar gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

(Foto: dpa)

San Francisco Das war kein guter Monat für Larry Ellison. Der Mitgründer und frühere Vorstandschef der Silicon-Valley-Legende Oracle musste mitansehen, wie Erzrivale SAP starke Quartalszahlen ankündigte, was dessen Aktie auf ein Allzeithoch katapultierte, und sein ehemaliger Angestellter, Marc Benioff, zog mit seinem Cloud-Unternehmen Salesforce erstmals im Börsenwert an Oracle vorbei. Was für eine Demütigung! Die Cloud-Giganten Amazon (AWS), Microsoft und Google haben ihn ohnehin längst abgehängt.

Ellison ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Silicon Valleys. Er besitzt zahllose Immobilien und residiert in „Larryland“, seinem Dorf mit originalgetreu erbauten Häusern in japanischem Stil in einem Tal nördlich des Valleys. Er besitzt Düsenjagdflugzeuge und hat die Segeltrophäe America’s Cup nach San Francisco geholt.

Aufgewachsen in einfachsten Einwandererverhältnissen in Chicago begann der Schulabbrecher sich selbst das Programmieren beizubringen und arbeitete kurz bei Ampex. Später startete er mit zwei Mitgründern Oracle und verkaufte Datenbanken. Weil niemand eine „Version 1.0“ kauft, wie er später verschmitzt verriet, verkaufte er einfach direkt „Oracle 2.0“. Ellison weiß, wie man Geschäfte macht.

Das muss er jetzt, mit 75, noch einmal beweisen. Oracle droht weiter abzurutschen. Zum Vergleich: Am 1. September 2000 erreichte die Aktie einen Höchststand bei knapp über 46 Dollar. Am Freitag, dem 24. Juli 2020, zwanzig Jahre später, waren es 55,95 Dollar. Microsoft notierte damals bei 35 Dollar. Heute sind es 204 Dollar.

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    Oracles Marktkapitalisierung liegt bei 170,8 Milliarden Dollar – die von Microsoft bei 1,54 Billionen Dollar. Oracles Konzernumsatz betrug im Finanzjahr 2020 39 Milliarden Dollar. Allein der Cloud-Umsatz bei Microsoft im abgelaufenen Finanzjahr: 50 Milliarden Dollar.

    „Oracle verändert die Regeln im Cloud-Wettbewerb“

    Ellison hat ein Problem: Er kann nicht ansatzweise so viel in seine weltweite Infrastruktur investieren wie die drei Giganten Amazon, Microsoft oder Google. Die stecken jedes Jahr Milliarden in neue Cloud-Datencenter rund um den Globus und transkontinentale Datenverbindungen. So bringen sie ihre Cloud-Center so nah wie möglich zum Kunden, um schnellen Datentransfer und kurze Antwortzeiten der Server zu garantieren. Ellison macht nun aus der Not eine Tugend: Er baut seine Cloud auf Wunsch komplett direkt beim Kunden im Unternehmen auf.

    Seine „Dedicated Region [email protected]“ verspricht alle Vorteile des eigenen Rechenzentrums ohne dessen Nachteile, mit gleichzeitig allen Vorzügen der Cloud-Lösung im Internet. Ein Kunde schließt einen Servicevertrag ab, macht Platz für die Server und eine Steckdose frei, stellt Datenanschluss und Kühlung bereit. Den Rest macht Oracle, inklusive Wartung, Reparaturen und Updates. Es gibt keinen Serverkauf und kein Leasing mehr, keine Abschreibungen. Cloud-Software und Datenbanken stellt Oracle.

    Grafik

    „Dieser Ansatz ist einzigartig in der Branche. Oracle verändert die Regeln im Cloud-Wettbewerb“, sagt Holger Müller, Analyst bei Constellation Research.

    Damit nimmt Oracle eine besondere Zielgruppe in den Fokus. Viele Firmen wollen die Vorzüge der Cloud nutzen, schrecken aber davor zurück, Daten in Rechenzentren zu speichern, die sie selbst nicht kontrollieren. Das gilt zum Beispiel für Branchen wie Pharma, Banken oder Versicherungen, die aufgrund strenger Vorschriften die direkte Kontrolle über alle Daten brauchen.

    Entsprechend positiv wird der Vorstoß von Oracle aufgefasst. „Endlich eine zur öffentlichen Cloud identische private Cloud“, sagte Gartner-Analystin Lydia Leong, die seit Jahren vorhersagt, dass private Clouds, also in den Rechenzentren des Kunden, existieren werden, die exakt so betrieben, abgerechnet und mächtig sein werden wie in den Rechenzentren der IT-Giganten.

    Elon Musk als Vorbild

    Um sich den Namen „Cloud 2.0“ oder „Gen 2-Cloud“ wirklich zu verdienen, setzt Ellison zudem auf einen Trend, den er sich von seinem Freund Elon Musk abgeschaut hat: die „selbstfahrende“ Cloud. Ein „wichtiger Teil von Oracles Ansatz ist die Fokussierung auf autonome Prozesse und Datenbanken, ein Zukunftstrend, bei dem der Konkurrenz noch die Antwort fehlt“, analysiert Müller.

    Oracles Datenbank ist eine solche „selbstfahrende“ Cloud-Datenbank, auch das Betriebssystem Linux gibt es autonom. Upgrades, Updates oder Patches, Fehlerbereinigungen, Optimierungen werden vollautomatisch im laufenden Betrieb durchgeführt, ohne dass Systeme gesichert, heruntergefahren und wieder hochfahren werden müssen. Jeder IT-Spezialist weiß um die Gefahren, die solche Operationen am offenen IT-Herzen eines Unternehmens bergen können. „Ohne menschliche Interaktion werden menschliche Fehler ausgeschlossen“, so Ellison.

    Elon Musk dient aber nicht nur als Ideengeber. Dass Ellisons Vermögen schneller steigt als der dümpelnde Aktienkurs von Oracle, hat er ebenfalls Musk zu verdanken. Im Dezember 2018 zog Ellison in den Aufsichtsrat des E-Autobauers Tesla ein und kaufte drei Millionen Aktien für zusammen 948 Millionen Dollar. Die sind derzeit über 4,2 Milliarden Dollar wert.

    Laut Forbes lag Ellisons Gesamtvermögen Ende Juli 2020 bei rund 72 Milliarden Dollar, was ihm Platz 5 auf der Liste der reichsten Menschen der Welt sichert. Spektakulärer war nur der Aufstieg von Elon Musk selbst, der Ellison Mitte Juli kurzfristig auf den sechsten Platz verdrängt hatte.

    Nur die Oracle-Aktionäre haben davon nichts. Sie müssen hoffen, dass Ellison noch einmal tief in die Trickkiste greift und seine „Cloud 2.0“ den Erfolg von „Oracle 2.0“ wiederholen kann.

    Mehr: Mächtig und innovativ: Die großen Tech-Konzerne dominieren auch in der Krise

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