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IT-Konzern Sanjay Brahmawar stellt mit neuer Strategie Software AG auf den Kopf

Nach Jahren der Stagnation soll Software AG wieder zum Wachstum zurückfinden. Das „Projekt Helix“ soll dabei helfen – und den Aktienkurs stärken.
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Software AG: Neue Strategie soll für Wachstum sorgen Quelle: Cultura/Getty Images
Computer-Bauteil

Software AG wird in diesem Jahr 50. Zeit, sich auf dem Erreichten auszuruhen, hat der Konzern nicht.

(Foto: Cultura/Getty Images)

Hannover Bei der Software AG stehen in diesem Jahr viele Feierlichkeiten an. Vor 50 Jahren machten sich sechs Mitarbeiter eines Beratungshauses selbstständig, um ein Datenbanksystem zu entwickeln. Und vor 20 Jahren brachte das Management das IT-Unternehmen an die Börse. Als Erinnerung daran läutete Vorstandschef Sanjay Brahmawar am vergangenen Mittwoch an der Deutschen Börse in Frankfurt die Eröffnungsglocke.

Mit einer neuen Strategie will das Management die Firma auf die Zukunft einstimmen: Im Januar stellte Brahmawar, der seit August 2018 im Amt ist, den Plan vor. „Projekt Helix“, so der Name, soll der Software AG nach Jahren der Stagnation wieder zu Wachstum verhelfen – und damit auch den Aktienkurs stärken, der in den letzten zwölf Monaten um mehr als 28 Prozent eingebrochen ist.

Das Unternehmen will einerseits seine Stärken betonen, zum Beispiel bei der Vernetzung der Industrie und der Datenanalyse. Andererseits verändert es seine Kommunikation. So ist eine internationale Marketingkampagne geplant. „Die Strategie zeigt, welche Ambitionen wir haben“, sagte Brahmawar im einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Allerdings stellt sich die Frage, wann sich das in den Geschäftszahlen bemerkbar macht. Im ersten Quartal 2019 beispielsweise lag der Umsatz mit 201,4 Millionen Euro zwar acht Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Das Zukunftsgeschäft mit der Digitalisierung entwickelte sich aber schlechter als erwartet – unter anderem wegen der Neuausrichtung des Vertriebs.

IT-Konzern mit Tradition

Die Software AG ist der vermutlich älteste IT-Konzern Deutschlands. Die Gründer entwickelten ab Ende der 1960er-Jahre das Datenbanksystem Adabas. Bis heute steuern viele Banken und Versicherungen mit einer aktuellen Version der Software Transaktionen. Dieses Geschäft ist einträglich, schrumpft aber langfristig.

Seit vergangenem Jahr steht Brahmawar an der Spitze von Software AG. Quelle: Bloomberg
Sanjay Brahmawar

Seit vergangenem Jahr steht Brahmawar an der Spitze von Software AG.

(Foto: Bloomberg)

Über die Jahre hat die Software AG daher – hauptsächlich mit Übernahmen – einen Geschäftsbereich aufgebaut, der Firmen bei der Digitalisierung helfen soll. Es geht um Datenauswertung, Prozessanalyse und die Integration von IT-Systemen. Allerdings hat die Strategie nicht den erhofften Erfolg, das Wachstum der Sparte erfüllt regelmäßig nicht die Erwartungen der Aktionäre.

Brahmawar will nun die Stärken der Software AG hervorheben. Ein „Transformation Office“ koordiniert alle Aktivitäten rund um die neue Strategie. 50 Millionen Euro beträgt das Budget, wovon allerdings 20 Millionen Euro aus anderen Bereichen umgeleitet werden – das Kostenbewusstsein, das viele wertorientierte Aktionäre schätzen, soll bei der Restrukturierung nicht verloren gehen.

„Für jede Firma besteht die größte Herausforderung darin, aus den vielen Daten, die sie hat, einen Wert zu ziehen“, sagte der Manager. Diese sind aber oft in Systemen gespeichert, die nicht miteinander verbunden sind: Wenn Organisationen wachsen, wird die IT komplex.

„Wer einen 360-Grad-Blick auf den Kunden oder eine Maschine haben will, muss in der Lage sein, die Daten zu integrieren“, sagt der Belgier. Das gehört zu den Stärken der Software AG: Die Software Web Methods holt Informationen aus SAP-Systemen, Kommunikations-Apps wie Slack und Cloud-Diensten wie Service Now, um nur einige zu nennen.

Anders gesagt: Wenn Daten ein Rohstoff sind, verkauft der IT-Konzern das Werkzeug, um ihn zu gewinnen. Marktforscher wie Forrester sehen ihn im Bereich Integration als einen der führenden Anbieter.

Brahmawar setzt auf das Internet der Dinge

Große Hoffnung setzt Brahmawar außerdem in die Vernetzung von Objekten, im Fachjargon Internet der Dinge genannt – seit der Übernahme von Cumulocity 2017 hat die Software AG die Technologie für Verbindung und Analyse im Portfolio. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz der Sparte „Cloud & IoT“, zu der das Geschäft gehört, um mehr als 100 Prozent auf 30 Millionen Euro.

Es bietet sich eine gigantische Chance: Der Markt wächst nach Einschätzung des Marktforschers IDC bis 2022 um durchschnittlich 14 Prozent auf 1,2 Billionen Dollar, wobei die Fertigung mit einem Umsatz von 150 Milliarden Dollar zu den größten Branchen gehört. Allerdings ist auch die Konkurrenz zahlreich. Das Analysehaus Crisp Research identifiziert in Deutschland rund 100 Anbieter, darunter finanzkräftige Konzerne wie SAP, Amazon und Microsoft.

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Die Software AG will diese nicht als Konkurrenz sehen. Das System von Cumulocity läuft auf den großen Cloud-Plattformen von Amazon, Microsoft und Google, „freedom as a service“ lautet der Werbespruch – Kunden haben also die Wahl.

Zudem ist es auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet. So vermarkten etliche Telekommunikationsanbieter die Software unter eigenem Namen, darunter die Deutsche Telekom. Und im Joint Venture Adamos arbeitet die Software AG mit mehreren Mittelständlern zusammen, um deren Maschinen zu vernetzen. „Wir haben einige Domänen ausgesucht, in denen wir sehr gut sind“, sagt Brahmawar.

Wie die Software AG aus Daten Wert erzeugen will, zeigt ein jüngst angekündigtes Produkt: Der „Apama Analytics Builder“ soll es Ingenieuren ermöglichen, mit einigen Klicks selbst Analyseanwendungen zu erstellen – etwa um zu überwachen, ob eine Maschine zuverlässig läuft. Das Programm soll Unternehmen zu mehr Einblicken verhelfen, ohne dass diese „Data Scientists“ einstellen müssen. Die sind schließlich knapp.

Millionen fürs Marketing

Diese Stärken sind jedoch vielen Kunden nicht bekannt. „Wenn ich außerhalb von Deutschland mit Kunden spreche, sagen sie mir: ,Ihr habt großartige Kompetenzen und Lösungen, aber niemand weiß davon‘“, berichtet Brahmawar. „Wir müssen an unserer Sichtbarkeit arbeiten.“

Die Software AG plant daher Marketingkampagnen in den USA, Großbritannien und Frankreich, also den nach Deutschland wichtigsten Märkten. Wie hoch die Ausgaben sein werden, legt sie nicht offen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen will sie im Zuge der Transformation zwei Millionen Euro für das Marketing ausgeben, wovon ein Großteil in die Kampagne fließen dürfte.

Zudem hat Brahmawar bereits im vergangenen Jahr den Vertrieb neu aufgestellt. In den USA – der größte Softwaremarkt der Welt – sind 120 zusätzliche Verkäufer unterwegs. Zudem gibt es nun Spezialisten, die den IT-Chefs die Vorzüge der Software für die Integration und das Internet der Dinge genau erklären können. „Kunden kaufen nicht von Generalisten, sie wollen jemanden sprechen, der sich mit der Technik auskennt.“

Ein wichtiges Projekt der neuen Strategie ist außerdem die Umstellung des Geschäftsmodells. Die Software AG will Dienste gegen regelmäßige Gebühren anbieten, anstatt einmalig Lizenzen zu verkaufen. Für die Kunden sind die IT-Kosten besser kalkulierbar, für die Anbieter der Umsatz. Zwei Vorstände kümmern sich derzeit um die Umstellung, der Chef konferiert alle zwei Wochen mit dem Team.

Überhaupt die Kommunikation: Brahmawar ist mit allen im Gespräch. „Es war der richtige Wechsel von einem auf Effizienz fokussierten Manager zu einem Kommunikator, der das Unternehmen auf den Wachstumspfad führt“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Bereczky dem Handelsblatt. Der langjährige Vorstandschef Karl-Heinz Streibich habe das Unternehmen in einer schwierigen Phase stabilisiert und ein neues Geschäftsfeld rund um die Digitalisierung aufgebaut. Nun gehe es darum, das Potenzial zu heben.

Die neue Strategie hilft dem Aktienkurs der Software AG bislang nur bedingt. Der Kurs liegt bei gut 29 Euro und damit deutlich unter dem Vorjahreswert. Analysten bewerten die Strategie zwar positiv. Helix biete „substanzielle Möglichkeiten“, da die Digitalisierung nun im Mainstream angekommen sei, schreibt etwa Knut Woller von der Baader Bank. Der Umbau sei aber „wie eine Operation am offenen Herzen“.

Die Investmentbank UBS stufte die Aktie von „neutral“ auf „kaufen“ hoch, wenngleich mit einem niedrigeren Kursziel. Die Strategie der neuen Führungsmannschaft sei sinnvoll, schreibt Analyst Michael Briest. Ob die Pläne ohne Weiteres umgesetzt werden könnten, sei zwar unklar, mit den jüngsten Verlusten seien aber alle Risiken eingepreist.

Konzernchef Brahmawar weiß, dass er noch Überzeugungsarbeit leisten muss. „Die Investoren zögern, weil die Software AG in der Vergangenheit die Wachstumserwartungen oft nicht erfüllt hat.“ Die Strategie habe viele überzeugt, nun gehe es darum, ihnen regelmäßig Belege für die Umsetzung zu bieten. „Helix ist nicht auf ein oder zwei Quartale ausgelegt“, betont der Manager. „Es geht um nachhaltiges Wachstum.“ Zeit zum Feiern ist da wenig.

Mehr: Seit August 2018 ist Sanjay Brahmawar Chef der Software AG. Im Interview spricht er über seine Pläne für das IT-Unternehmen.

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