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IT-Konzern Schweinezucht und Bergwerke: Wie Huawei sich nach den US-Sanktionen retten will

Der IT-Konzern wird im globalen Smartphone-Geschäft zunehmend abgehängt. Um den Einbruch auszugleichen, dringt Huawei in ganz neue Geschäftsfelder vor.
31.03.2021 - 15:10 Uhr Kommentieren
Die US-Sanktionen sorgen dafür, dass die Handys des Herstellers international kaum noch gefragt sind. Quelle: AFP
Passantin mit Huawei-Smartphone

Die US-Sanktionen sorgen dafür, dass die Handys des Herstellers international kaum noch gefragt sind.

(Foto: AFP)

Peking, Düsseldorf Ein französisches Chateau und originalgetreue Nachbauten von kompletten Straßenzügen der Heidelberger Altstadt – wer den weitläufigen Entwickler-Campus des chinesischen IT-Konzerns Huawei im südchinesischen Dongguan nahe Shenzen besucht, merkt schnell: Dieses Unternehmen hat Geld. So viel Geld, dass es sich leisten kann, eine Kulisse europäischer Städte nachzubauen.

Doch die US-Sanktionen gegen Huawei haben das Unternehmen empfindlich getroffen. „Das Leben war nicht leicht für uns”, sagte Ken Hu, amtierender Vorstandschef von Huawei, am Mittwoch bei der Vorstellung des Geschäftsberichts. Die US-Sanktionen, die 2019 verhängt wurden, machten sich vor allem im Verbrauchergeschäft schmerzhaft bemerkbar, insbesondere bei den Smartphone-Verkäufen.

Zwar konnte Huawei im Gesamtjahr 2020 noch ein leichtes Plus beim Gewinn und Umsatz verbuchen. Doch das Wachstum verlangsamte sich deutlich. Der Nettogewinn legte nur um 3,2 Prozent auf 64,6 Milliarden Yuan, umgerechnet 8,4 Milliarden Euro, zu – im Vorjahr waren es noch 5,6 Prozent.

Der Umsatz stieg um 3,8 Prozent auf umgerechnet rund 115,8 Milliarden Euro. Aber laut Berechnungen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg verzeichnete Huawei am Jahresende zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Umsatzrückgang in einem Quartal – und zwar um elf Prozent.

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    Huawei wird infolge der US-Sanktionen immer abhängiger von seinem Heimatmarkt. Die Umsätze außerhalb von China sind eingebrochen: in Europa, Afrika und dem Nahen Osten um 12,2 Prozent, in den USA sogar um 24,5 Prozent. Als Grund dafür gibt Huawei an, dass das Unternehmen keinen Zugang mehr zum mobilen Ökosystem von Google auf seinen Geräten anbieten konnte.

    Die US-Sanktionen hatten dazu geführt, dass Huawei seine Geräte nicht mehr mit Google-Diensten wie Youtube, Gmail oder Google Maps ausliefern darf. Das macht sie für viele Verbraucher unattraktiv. Die eilig programmierten Alternativen überzeugen Käufer offenbar nicht.

    Auch ein Nachbau des Heidelberger Schlosses ist auf dem Entwickler-Campus im südchinesischen Dongguan zu bestaunen. Quelle: Huawei
    Huawei

    Auch ein Nachbau des Heidelberger Schlosses ist auf dem Entwickler-Campus im südchinesischen Dongguan zu bestaunen.

    (Foto: Huawei)

    Mit dem Huawei Mate 40 Pro brachte das Unternehmen im Oktober zwar ein Vorzeigegerät auf den Markt. Mit einem Preis von 1200 Euro, aber ohne wichtige Google-Apps war es für Huawei schwerer, Kunden von dem Angebot zu überzeugen.

    Huawei wurde 2019 von dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump auf eine schwarze Liste für Exporte gesetzt. In der Folge wurde das Unternehmen vom Zugang zu kritischer Technologie wie Hochleistungschips ausgeschlossen, was ebenfalls auf das Geschäft drückte.

    Der Absatz von Huawei-Smartphones brach im vierten Quartal 2020 allein in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent ein, wie das Analysehaus Canalys ermittelt hat. Zwar brachte es das Unternehmen noch immer auf einen Marktanteil von neun Prozent in Deutschland. Damit steht Huawei aber nur auf dem Platz vier der beliebtesten Smartphone-Marken – hinter Apple, Samsung und Xiaomi.

    Huawei investiert in Schweinezucht und Bergwerke

    Noch vor einigen Jahren warb Huawei damit, rund die Hälfte des Umsatzes außerhalb Chinas zu erwirtschaften. Laut den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen ist dieser Anteil auf 35 Prozent geschrumpft, 65 Prozent der Erlöse macht das Unternehmen nun innerhalb der Volksrepublik.

    Huawei versucht daher nun, auf einer Vielzahl von Feldern neue Geschäfte zu entwickeln. Mitte April auf der Automesse in Schanghai wird das Unternehmen gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer BAIC ein Elektrofahrzeug vorstellen, das mit Lidar-Technologie von Huawei ausgerüstet ist.

    Auch andere Bereiche baut der Konzern aus. So will Huawei an dem riesigen Geschäft mit Schweinezucht in China teilhaben und die Anlagen mit Überwachungstechnologie ausstatten.

    Zur besseren Überwachung und Steuerung von Bergwerken verkauft der Konzern zudem Sensoren und Kameras an die Betreiber. China habe ungefähr 5300 Kohle- und 2700 Erzgruben, sagte Unternehmensgründer Ren Zhengfei im Februar in einem Interview auf der Webseite des Unternehmens. „Wenn wir diese mehr als 8000 Minen gut bedienen können, können wir unsere Dienste auch außerhalb von China anbieten.“

    „Das Leben war nicht leicht für uns.” Quelle: Thomas Einberger für Handelsblatt
    Ken Hu, amtierender Vorstandsvorsitzender von Huawei

    „Das Leben war nicht leicht für uns.”

    (Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt)

    Huawei stellt sich darauf ein, dass die US-Sanktionen gegen das Unternehmen auch unter Trumps Nachfolger Joe Biden in Kraft bleiben werden. „Ich denke, es ist sehr unwahrscheinlich, dass die USA uns von der schwarzen Liste entfernen“, so Ren. Der Unternehmensgründer ist sich sicher, dass die neuen Geschäftsbereiche das Unternehmen retten werden. „Wir können immer noch überleben, auch ohne auf Handyverkäufe angewiesen zu sein“, so Ren.

    Doch Experten sind skeptisch, dass das gelingen wird – trotz der offensichtlich großen Finanzpolster des Unternehmens und der Unterstützung durch die chinesische Regierung. Huawei habe sich zwar anderen Geschäftsbereichen zugewandt, um seine Einbußen bei Mobiltelefonen auszugleichen, sagt Dan Wang, Technologie-Analyst bei dem Pekinger Analysehaus Gavekal Dragonomics. „Keines von ihnen wird aber groß genug sein, um den Verlust von Smartphone-Verkäufen auszugleichen, die infolge der US-Sanktionen zusammenbrechen.“

    Jeder zweite 5G-Mast steht in China

    Zudem hat neben den Smartphone-Umsätzen auch das Geschäft mit 5G-Ausrüstung gelitten. Die US-Regierung und Experten werfen Huawei vor, mit dem chinesischen Staat zusammenzuarbeiten. Tatsächlich gibt es in China Gesetze, die Unternehmen grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit der Staatsführung verpflichten. Experten sagen, dass darunter auch die Weitergabe von Daten oder gezielte Manipulation der Technik fällt.

    Geheimdienste aus Europa und den USA warnen vor Sabotage und Spionage. In Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Schweden ist Huawei faktisch vom 5G-Ausbau ausgeschlossen. So weit ist Deutschland nicht gegangen, hat aber die Sicherheitsvorschriften verschärft und hält sich offen, Huawei auch aus politischen Gründen auszusperren.

    Dennoch konnte Huawei seinen globalen Anteil bei Telekommunikationsausrüstung im vergangenen Jahr steigern. Im Vorjahr lag der Anteil am Weltmarkt noch bei 28 Prozent, im Jahr 2020 waren es hingegen 31 Prozent, wie die Dell'Oro Group ausgerechnet hat.

    Grafik

    Der Grund dafür ist der massive Netzausbau in China. Das Land hat schon in den 1990er-Jahren ein riesiges Programm für den Mobilfunkausbau angestoßen. Während der vergangenen drei Jahrzehnte wurde das mobile Internet weiter auf- und ausgebaut.

    Heute stehen in China etwa so viele Mobilfunkmasten wie im gesamten Rest der Welt zusammen. Allein in der südchinesischen Küstenmetropole Shenzhen sind es laut Angaben der Stadtregierung rund 46.000 Mobilfunkstandorte für 5G. In der gesamten Bundesrepublik gibt es derzeit laut Daten der Bundesnetzagentur mehr als 70.000 Standorte für 4G und 5G zusammen. Der chinesische Markt ist im Mobilfunk so wichtig, dass er allein das Geschäft von Huawei tragen kann.

    Mehr: Kampf um die Chips: China vereitelt Milliardendeal.

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