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IT-Konzern Streit um iPhones eines Todesschützen: Apple riskiert seine gute Beziehung zu Trump

Der iPhone-Hersteller bereitet sich laut einem Bericht auf einen Rechtsstreit mit der US-Regierung vor. Es geht dabei um die Verschlüsselung des Handys eines Amokläufers.
16.01.2020 - 10:59 Uhr Kommentieren
Streit um iPhones: Apple riskiert gute Beziehung zu Donald Trump Quelle: AP
Donald und Ivanka Trump zu Besuch in einer Apple-Fabrik mit CEO Tim Cook (Archivbild)

Ein Streit mit Washington könnte den iPhone-Konzern empfindlich treffen.

(Foto: AP)

San Francisco Für Apple könnte es wohl kaum einen unangenehmeren Fall als diesen geben: Der saudi-arabische Soldat Mohammed Saeed Alshamrani erschoss Anfang Dezember 2019 auf einer Marinebasis in Florida drei und verletzte acht amerikanische Soldaten, mit denen er dort trainierte. Er besaß zwei iPhones.

Nach gut einem Monat Ermittlungen stufte US-Justizminister William Barr den Fall in dieser Woche als „dschihadistischen Terror“ ein. Er forderte Apple auf, die Verschlüsselung auf den iPhones des Terroristen zu knacken, um zu überprüfen, ob dieser mit Terrorgruppen in Kontakt stand. Alshamrani selbst kann dabei nicht mehr helfen. Er ist tot.

„Wir haben Apple um Hilfe gebeten, die Telefone des Schützen zu entsperren“, sagte Barr in einer Pressekonferenz. „Bislang hat uns Apple aber in keiner Weise ernsthaft unterstützt.“

Nicht nur das, offenbar bereitet sich der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino sogar auf einen Prozess mit der US-Regierung vor. Apple-Chef Tim Cook berät laut einem Bericht der „New York Times“ (NYT) bereits mit engen Vertrauten über das Vorgehen. Topmanager des Unternehmens sollen zwar überrascht von der schnellen Eskalation des Falls sein, aber klein beigeben wollen sie offenbar nicht. Apple kommentierte den Bericht nicht.

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    Der Fall ist für Cook ein Desaster. Der unnachgiebige Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer ist das Herzensanliegen des 59-Jährigen und gilt als Apples Alleinstellungsmerkmal unter den sonst so datengierigen Valley-Konzernen.
    Der sonst so höfliche Cook kann sogar richtig streitlustig werden bei dem Thema: Als er 2018 gefragt wurde, wie er sich in der Situation des damals tief im Cambridge-Analytica-Datenskandal steckenden Facebook-Chef Mark Zuckerberg verhalten würde, ätzte er: „Ich wäre nicht in dieser Situation.“

    Handelsstreit spielt entscheidende Rolle

    Ein Streit mit Washington ist vor allem deshalb heikel, weil Cook im chinesisch-amerikanischen Handelskrieg sehr auf eine gute Beziehung zu US-Präsident Donald Trump bedacht ist. Schließlich fertigt Apple fast all seine Geräte in China und verkauft auch große Mengen an iPhones und iPads dort – es geht um viele Milliarden Dollar. Während Trump zahlreiche Güter mit Zöllen von 25 Prozent belegte, bekam Apple vergangenen September Ausnahmen für zehn Produkte.

    Cook hält engen Kontakt zu Trumps Tochter Ivanka und ist bereit, sich für Fototermine einspannen zu lassen. Als Trump im November in einer seit 2013 aktiven Mac-Computer-Fabrik in Texas behauptete, diese sei gerade eröffnet worden, stand Cook daneben und widersprach nicht.

    Donald Trump hat bereits klargemacht, wo er im Streit zwischen Apple und seinem Justizministerium steht. Am Dienstag schlug er genau dahin, wo er Apple wehtut: „Wir helfen Apple ständig beim HANDEL und so vielen anderen Themen und trotzdem weigern sie sich, die Telefone von Mördern, Drogendealern und anderen kriminellen Elementen zu entsperren. Sie müssen sich der Herausforderung stellen und unserem großartigen Land helfen. JETZT!“, schrieb er auf Twitter.

    Apple betont, dass seine Ingenieure in dem Fall bereits mit dem FBI zusammenarbeiten. Offenbar suchen sie Wege, an die Informationen auf dem Handy zu kommen, ohne die Verschlüsselung zu brechen. Dem NYT-Bericht zufolge handelt es sich bei Alshamranis Geräte um relativ alte iPhone-Modelle, die auch anders geknackt werden können.

    Doch die Regierung will anscheinend ein Exempel statuieren, um Apple zu einer dauerhafte Lösung zu zwingen: nämlich sogenannte Hintertüren für Regierungsmitarbeiter in die Verschlüsselung aller iPhones einzubauen. Vorgeblich, um bei künftigen Terroranschlägen schneller handeln zu können. Doch die Hintertüren wären auch für andere Zwecke einsetzbar.

    Apple warnt, dass eine solche Hintertür letztlich auch von Betrügern oder anderen Unbefugten genutzt werden könnte und die Verschlüsselung der Geräte damit hinfällig wäre. Als 2016 nach einem Anschlag bereits ein Streit mit der Regierung drohte, warnte Cook davor, eine Hintertür im iPhone würde „eben die Freiheiten untergraben, die unsere Regierung schützen soll“.

    Der Unterschied: Damals hieß der Präsident Barack Obama, und Zölle auf Apple-Produkte aus China waren kein Thema. Heute steht für Cook wesentlich mehr auf dem Spiel.

    Mehr: Internetkonzerne wie Google und Apple wollen das Zuhause zum smarten Organismus machen. Doch was die einen begeistert, kritisieren andere scharf.

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