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IT-Konzerne Xerox bietet mehr als 32 Milliarden Dollar für HP – Welche Rolle spielt Carl Icahn?

Mega-Fusion in der IT-Branche: Der Kopierspezialist Xerox will die Druckerikone HP übernehmen. Dabei hat auch Investorenlegende Carl Icahn ein Wort mitzureden.
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Der Kopierspezialist Xerox will die Druckerikone HP übernehmen. Quelle: AP
Kopierhersteller Xerox

Der Kopierspezialist Xerox will die Druckerikone HP übernehmen.

(Foto: AP)

New York In den USA wollen zwei IT-Konzerne ihre Kräfte bündeln. Wie der Drucker- und PC-Hersteller HP bestätigte, hat der traditionsreiche Kopiererkonzern Xerox ein Angebot für das Unternehmen vorgelegt. Der Preis soll laut einem Medienbericht bei rund 32,5 Milliarden Dollar (rund 29,4 Milliarden Euro) liegen.

„Wir haben immer wieder Gespräche mit Xerox über einen möglichen Zusammenschluss geführt. Wir haben erwogen, was nötig wäre, damit sich ein solcher Zusammenschluss lohnt“, erklärte HP und bestätigte, dass ein formelles Angebot vorliege. HP hat aber noch keine Entscheidung getroffen.

Xerox habe 22 Dollar pro HP-Aktie geboten, berichtete der Finanzsender CNBC am Donnerstag unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Das Angebot würde einem Aufschlag von 12,4 Prozent auf den jüngsten Schlusskurs entsprechen. Die Aussicht auf eine Übernahme hat den Kurs aber bereits stark ansteigen lassen.

Das Besondere an der geplanten Übernahme: Damit würde Xerox ein Unternehmen schlucken, das sechsmal mehr Umsatz macht als es selbst. An der Börse kommt Xerox gerade einmal auf acht Milliarden Dollar, während HP mit mehr als 28 Milliarden Dollar bewertet wird.

Laut CNBC will Xerox den Kaufpreis zu 77 Prozent in bar und zu 23 Prozent in eigenen Aktien zahlen. Sollte der Deal zustande kommen, würden HP-Aktionäre 48 Prozent an dem neuen Unternehmen halten.

Es ist aber noch unklar, wie der Kopierspezialist aus Connecticut die Übernahme überhaupt finanzieren will. 2,3 Milliarden Dollar sollen von dem Verkauf der Xerox-Beteiligung an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Fujifilm kommen. Aber das reicht noch lange nicht. Laut der Nachrichtengagentur Bloomberg könnte Citigroup die 20 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, die Xerox bräuchte, um HP zu schlucken.

„Eine 30-Milliarden-Übernahme von HP mit Schulden zu finanzieren könnte eine echte Herausforderung für Xerox sein, aber kein unüberwindbares Hindernis“, schreibt Robert Schiffman, Analyst von Bloomberg Intelligence.

Ähnlich sieht die Lage Jeriel Ong, Analyst der Deutschen Bank. Ong nannte die Übernahme „unwahrscheinlich, aber nicht finanziell unmöglich“. Als Grund nennt er den Größenunterschied der beiden beteiligten Unternehmen.

Carl Icahn mischt mit

Don Bilson vom Researchhaus Gordon Haskett nannte den möglichen Kauf „wagemutig“. Außerdem wies er darauf hin, dass der aktivistische Investor Carl Icahn mehr als zehn Prozent an Xerox halte. Es könne also gut sein, dass Icahn hinter dem Deal steckt, was die Chancen erhöhe, dass er vielleicht tatsächlich zustande komme.

Der Investor hält mehr als zehn Prozent an Xerox. Quelle: Reuters
Carl Icahn

Der Investor hält mehr als zehn Prozent an Xerox.

(Foto: Reuters)

„Wir glauben, dass Icahn auch bereits auf der anderen Seite – bei HP – aktiv ist“, sagte Bilson. Dafür gebe es zwar noch keine Beweise. „Aber so könne er die Fäden auf beiden Seiten ziehen“, gibt Bilson zu bedenken.

Dass Icahn mit seiner Beteiligung an Xerox nicht still zuschauen will, hat er bereits bewiesen: Er kontrolliert drei Posten im Aufsichtsrat. Als Xerox Anfang des vergangenen Jahres 50,1 Prozent für 6,1 Milliarden Dollar an das japanische Unternehmen Fujifilm verkauft hatte, sorgte Icahn dafür, dass das Management von Xerox zurücktrat und der gesamte Deal rückgängig gemacht wurde.

Das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen Xerox war einst der Pionier der Branche, das Wort „to xerox“ steht im Englischen als Synonym für „fotokopieren“. Xerox wurde ebenso wie der Filmhersteller Kodak in Rochester im Norden des Bundesstaats New York gegründet und zog erst später nach Connecticut um.

Xerox stellt heute Drucker und Kopierer her und macht den größten Umsatz mit Vermietung und Wartung. Doch in den letzten Jahren ist das Unternehmen durch die neuen Technologien in Schwierigkeiten geraten. Mit der Digitalisierung ist die Nachfrage nach bedrucktem Papier gesunken.

HP dagegen gehört zu den frühen Silicon-Valley-Ikonen und hat ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich: Das Unternehmen wurde 1939 von Hewlett und Dave Packard in Palo Alto gegründet und stellte damals Tontechnik unter anderem für Walt Disney her. In den 60er-Jahren entwickelten die Kalifornier ihre ersten Computer und wurden später vor allem mit Druckern bekannt.

Aber auch Fusionen und Übernahmen sind Teil der Geschichte von Hewlett Packard: 2002 übernahm das Unternehmen unter der Führung von Carly Fiorina den Konkurrenten Compaq. 2014 spaltete sich Hewlett Packard in zwei Unternehmen auf: Auf der einen Seite entstand HP Inc. mit dem Drucker- und PC-Geschäft, auf der anderen HP Enterprise mit den Servern und der Unternehmenssoftware.

„Wir haben gezeigt, dass wir handeln, wenn es einen besseren Weg vorwärts gibt, und wir werden weiterhin mit Bedacht, Disziplin und einem Auge darauf vorgehen, was im besten Interesse all unserer Aktionäre ist“, stellte HP im Hinblick auf seine Geschichte klar.

HP verkauft vor allem kleinere Drucker als Xerox und ist einer der größten PC-Hersteller weltweit. Trotz steigender Gewinne und Umsätze hat das Unternehmen Anfang Oktober den Abbau von 9000 Stellen angekündigt.

Außerdem will HP das Druckergeschäft stärken. Künftig will HP Kunden beim Kauf eines Druckers mit Rabatten an Tintenpatronenkäufe binden. Zudem investiert HP in 3D-Druck.

Mehr: Der gefürchtete Investor Carl Icahn hat damit begonnen, die Geschäfte an seinen Sohn zu übergeben. Doch der 83-Jährige will noch lange nicht in Rente gehen.

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