Cebit 2018

Die Cebit befindet sich im Wandel: von einer Messe für etablierte Unternehmen soll sie zur hippen Veranstaltungs- und Start-up-Konferenz werden.

(Foto: dpa)

IT-Messe vor dem Start Wenn die Drohne Wal-Schnodder sammelt – die Trends auf der Cebit

Roboter im Weltall und Drohnen, die Nasensekret sammeln: Die Cebit zeigt die Trends der Digitalisierung – und macht Party.
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HannoverAm Stand von SAP dreht sich ein Riesenrad, bei Vodafone können Besucher mit einer Virtual-Reality-Brille ins Zeitalter der industriellen Revolution und auf den Mond reisen und Intel schickt am Abend ein Drohnenballett in den Himmel von Hannover: dieses Jahr dreht sich alles bei der Cebit (11. bis 15. Juni) darum Technologie erlebbar zu machen.

Die Deutsche Messe AG hat ein neues Konzept entwickelt, das aus der IT-Messe ein „Business-Festival für Innovation und Digitalisierung“ machen soll. Die Inszenierung spielt deswegen eine herausragende Rolle. „Geschäft und Spaß dürfen sich nicht ausschließen“, sagt Cebit-Chef Oliver Frese. Vorbild seien die Salesforce-Hausmesse Dreamforce und die Digital-Konferenz South by Southwest.

Damit will das Unternehmen neue Zielgruppen erreichen. „Klassische IT-Entscheider sind auf der Cebit stark vertreten, aber die jungen, kreativen Menschen sowie die künftigen Digital-Entscheider nicht in ausreichender Anzahl“, sagt Frese. Deswegen gibt es

neben dem klassischen Messegeschäft ein breites Konferenzprogramm, neue Formate wie eine Fuck-up-Night, wo gescheiterte Jungunternehmer den Start-ups von heute erklären welche Fehler sie nicht machen sollen und Konzerte. Ein Überblick.

Schwerpunkt Digitalisierung

Eines hat sich nicht geändert: Das Leitthema der Cebit ist die Digitalisierung in all ihren Facetten. Die Deutsche Messe AG will, dass Besucher „Lösungen fürs digitale Business“ zu sehen bekommen – dafür stehen Begriffe wie künstliche Intelligenz und Internet der Dinge, Blockchain und Virtual Reality, die viele Unternehmen in Kombination einsetzen.

Ein Beispiel: Der Chiphersteller Intel zeigt den Snotbot – eine Drohne, die Nasensekret von Blauwalen einsammelt und analysiert. Wenn die Tiere an die Wasseroberfläche kommen, fliegt das Gerät autonom über ihnen und sammelt den Rotz ein, den sie aus dem Nasenloch ausstoßen – er gibt Aufschluss über den Gesundheitszustand. Eine Bilderkennung identifiziert zudem die Wale anhand ihrer Schwanzflosse.

Die meisten Szenarien sollen indes den geschäftlichen Nutzen von Technologie zeigen. So integriert Cumulocity, eine Tochter der Software AG, Straßenkarten mit Informationen über Parkmöglichkeiten. Autofahrer können so übers Navigationssystem einen Stellplatz suchen und reservieren. Dabei nutzt das Unternehmen Daten von Sensoren und erstellt mit künstlicher Intelligenz Prognosen über die Nutzung der Stellplätze.

IBM zeigt den Roboter CIMON, der auf der Internationalen Raumstation (ISS) zum Einsatz kommt – Watson, die Software des US-Konzerns, soll Astronaut Alexander Gerst und seinen Kollegen bei Experimenten helfen. Und Volkswagen wird darstellen, welches Potenzial Quantencomputer haben – der Autohersteller arbeitet zum Beispiel an einem System zur Berechnung von Verkehrsströmen in Metropolen wie Peking.

Die Deutsche Messe AG versucht zudem, einige neue Schwerpunkte zu setzen. Etwa mit dem Bereich „Future Mobility“, wo – wie auf den Messen CES und Mobile World Congress – die Zukunft der Mobilität zu sehen sein soll.

Gleichzeitig sollen verstärkt gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen werden: So widmet sie sich zum Beispiel dem Thema „Work 4.0“, also der Zukunft der Arbeit. Wie muss sich Gesellschaft verändern, um Themen wie Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Digitalisierung zu begegnen?

Antworten soll unter anderem die Veranstaltungsreihe „Women in Digital Business“ liefern – es sprechen Vertreterinnen von Intel, Facebook oder der Deutschen Bahn, aber auch die ehemalige Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries.

Start-ups aus aller Welt

Der Veranstalter erwartet 2500 bis 2800 Aussteller und damit etwas weniger als im Vorjahr, als 3000 Unternehmen kamen. Das sei im Rahmen der Erwartungen, sagt Cebit-Chef Frese – schließlich gehe es um ein komplett neues Produkt. Das neue Konzept lockt sogar schon einige Aussteller, die bisher nicht auf der IT-Messe präsent waren, wie Facebook und Arvato. Oder Red Bull, das Brause an die digitale Avantgarde verkaufen will.

Vor geraumer Zeit haben Start-ups die Cebit als Plattform entdeckt – die Veranstaltung ist ein geeigneter Ort um mit potenziellen Kunden und Entwicklungspartnern ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel die Münchner von Celonis, das ein System für das sogenannte Process Mining anbietet. Mithilfe der Software können Kunden wie L‘Oréal, Rewe oder RWE Prozesse wie Bestellungen oder Lieferketten visualisieren und Schwachstellen aufdecken. Das Unternehmen betreibt mittlerweile Niederlassungen in den USA, wo etwa Honeywell zu den Verwendern zählt.

Die neue Ausrichtung der Messe beschert Start-ups mehr Möglichkeiten. Von Blockchain bis Künstliche Intelligenz, nicht selten entstehen bahnbrechende Innovationen in den Kleinstunternehmen – und das ist mittlerweile in fast jede Vorstandsetage durchgedrungen.

So zieht die Cebit mit der neuen Ausrichtung auch Gründer aus aller Welt an: Aus der Start-up-Nation Israel wird zum Beispiel das Unternehmen Iguazio vor Ort sein, das eine Datenanalyseplattform für das sogenannte Internet der Dinge entwickelt hat. Auch das Thema Mobilität bringt neue Unternehmen nach Hannover: So etwa das Start-up What3words aus Großbritannien, das eine besondere Art der Georeferenzierung entwickelt und damit bereits Daimler überzeugt hat.

Schon seit einigen Jahren bietet die Deutsche Messe AG auf der Cebit parallel ein Konferenzprogramm an. In diesem Jahr geht es beispielsweise um die Arbeitswelt der Zukunft und die gesellschaftlichen Veränderungen durch digitale Technologien. Mehr als 500 Sprecher werden auf den Bühnen stehen. Die Keynote zur Eröffnung hält in diesem Jahr IBM-Chefin Ginni Rometty.

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