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IT-Spezialist NTT Data will zu den größten IT-Dienstleistern aufrücken

Das japanische IT-Unternehmen setzt sich trotz der Coronakrise große Ziele. Ohne gezielte Übernahmen wird das NTT Data allerdings nicht gelingen.
29.06.2020 - 09:20 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen ist international präsent. Quelle: AFP
NTT-Data-Büro in Tokio

Das Unternehmen ist international präsent.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Im Vergleich zu Branchenriesen wie T-Systems und Accenture ist der IT-Dienstleister NTT Data hierzulande relativ unbekannt. „In Deutschland sind wir ein Hidden Champion. Viele sind überrascht, dass wir hier über 6500 Mitarbeiter haben“, sagt Stefan Hansen, Chef von NTT Data im deutschsprachigen Raum, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Angesichts der weltweiten Größe von NTT gebe es noch erhebliches Wachstumspotenzial, ist der Manager überzeugt. „Unser Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren zu den Top-drei-IT-Dienstleistern zu zählen“, sagt er daher.

Das ist eine Kampfansage an die Konkurrenz. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete NTT Data in Deutschland gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen Itelligence, einem SAP-Beratungshaus, 795 Millionen Euro. Das geht aus der branchenweit anerkannten Liste des Beratungshauses Lünendonk hervor.

An der Spitze des Rankings stand Accenture mit 2,4 Milliarden Euro vor T-Systems mit 1,6 Milliarden Euro. Auch IBM Deutschland liegt mit 1,45 Milliarden Euro als Nummer drei noch deutlich vor NTT Data.

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    Wollen die Japaner aufs Treppchen kommen, müssen sie also in den kommenden drei Jahren deutlich zulegen. Man plane gezielte Übernahmen, um sich technologisch zu stärken und neue Kunden- und Marktzugänge zu eröffnen, sagte Hansen.

    „Bei der Prozessberatung sind wir gut aufgestellt, in den Bereichen Strategieberatung und Business Process Outsourcing werden wir uns verstärken.“ Weltweit kam NTT Data zuletzt auf gut 19,5 Milliarden Dollar Umsatz. Das Unternehmen gehört zur Nippon Telegraph and Telephone Group.

    Verschiebungen durch Coronakrise

    Die IT-Dienstleister stehen derzeit unter Druck, weil viele Kunden in der Coronakrise die Budgets der IT-Abteilungen kürzen und Projekte auf Eis legen. Ob die Boombranche in diesem Jahr wachsen wird, lässt sich angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit nicht vorhersagen.

    „Wir sehen durch Corona Verschiebungen bei den Investitionen“, sagt Kai Grunwitz, CEO des Schwesterunternehmens NTT in Deutschland. Im Einzelhandel, der Logistik und der Reisebranche zum Beispiel seien manche Projekte zurückgestellt worden. In anderen Bereichen werde aber weiter investiert.

    Allerdings könnten längerfristig die positiven Effekte überwiegen. „So schlimm die Coronakrise ist: Sie ist auch eine Initialzündung für die Digitalisierung, weil Prozesse jetzt hinterfragt werden“, meint Grunwitz. Das Arbeiten von zu Hause erfordere zusätzliche Infrastruktur – zum Beispiel für virtuelle Konferenzen. Zudem müssten Unternehmen ihre Zulieferketten überprüfen und Abhängigkeiten zum Beispiel von einzelnen Ländern verringern. Eine solche Flexibilisierung werde nur mit Digitalisierung möglich sein.

    Die Coronakrise könnte eine Initialzündung für die Digitalisierung sein – und damit auch IT-Dienstleistern Chancen bieten. Quelle: AFP
    Arbeit im Homeoffice

    Die Coronakrise könnte eine Initialzündung für die Digitalisierung sein – und damit auch IT-Dienstleistern Chancen bieten.

    (Foto: AFP)

    Einen Schub erhofft sich die Branche der IT-Dienstleister zudem von der Einführung des SAP-Systems S/4 Hana, auf das viele Unternehmen umstellen, weil der Softwarekonzern die reguläre Wartung Ende 2027 auslaufen lässt – verbunden mit großen Projekten, um zum Beispiel neue Geschäftsmodelle einzuführen. „Das ist eine der großen Wachstumsgeschichten der nächsten Jahre“, sagt Hansen. Allerdings sei es eine große Herausforderung, das dafür notwendige qualifizierte Personal zu finden.

    NTT hat eine besondere Struktur, die Ähnlichkeiten mit der Deutschen Telekom aufweist: Der Mutterkonzern ist ebenfalls ein Telekommunikationsdienstleister – die Abkürzung steht für Nippon Telegraph and Telephone – und ist über Tochterfirmen in zahlreichen anderen Geschäftsfeldern wie IT-Dienstleistungen, IT-Infrastruktur, IT-Sicherheit und Kommunikationssoftware aktiv. Erst jüngst gab der Konzern eine Beteiligung am Netzausrüster NEC bekannt, um sich bei 5G-Technologien zu verstärken.

    „NTT hat als Gesamtunternehmen enorme Kompetenzen“, urteilt Mario Zillmann, Partner der Unternehmensberatung Lünendonk. Ein Problem sei allerdings die „mangelnde Integrationsfähigkeit der einzelnen Marken“. Anders als amerikanische Konzerne lässt der japanische IT-Spezialist den Marken viel Eigenständigkeit, verzichtet damit aber auf Kosten- und Größenvorteile.

    In Deutschland gebe es beispielsweise zwischen NTT Data und Itelligence vergleichsweise wenig Synergien, beobachtet Zillmann: „Am Markt werden sie noch als zwei getrennte Unternehmen wahrgenommen.“ Bei großen Aufträgen, um die auch globale Anbieter wie Infosys, Tata oder Capgemini konkurrieren, sei es ein Problem, wenn man „nicht einheitlich“ als „Full Service Provider“ auftrete, der alles aus einer Hand anbietet.

    Das Unternehmen selbst sieht in diesem Auftritt indes eine Stärke: Die Marken stünden für „langjährige, verlässliche und hochwertige Services“, die man auch nach den Übernahmen erhalten wolle. „Respect Diversity“ laute das Motto. „Dieses Vorgehen ist Teil der japanischen Kultur und unterscheidet uns von amerikanischen Unternehmen“, sagt Hansen.

    So oder so: Es dürfte für NTT Data nicht so einfach werden, in die Top drei vorzustoßen. Zum einen wuchs das Unternehmen 2019 mit rund fünf Prozent langsamer als die Konkurrenz: Für die 25 großen IT-Dienstleister verzeichnete Lünendonk ein Plus von durchschnittlich 10,6 Prozent. Sprich: Der japanische IT-Spezialist hat Marktanteile verloren.

    Zum anderen dürfte es nicht viele Unternehmen mit dem passenden Profil und der nötigen Größe geben, die für Übernahmen infrage kommen. In den vergangenen Jahren habe es bereits einige Übernahmen gegeben – „der Markt ist schon überhitzt“, sagt Lünendonk-Partner Zillmann. „Allerdings bietet die aktuelle Covid-19-Krise die Möglichkeit, einen Wettbewerber in Schieflage zu übernehmen.“

    Japanische Werte für deutsche Kunden

    NTT ist der führende japanische Mobilfunkanbieter. Quelle: Bloomberg
    Smartphone-Nutzerin in Japan

    NTT ist der führende japanische Mobilfunkanbieter.

    (Foto: Bloomberg)

    NTT und NTT Data wollen auch mit ihrem japanischen Hintergrund punkten. Man habe eine „japanisch geprägte Wertekultur“, zu der langfristige Partnerschaften gehörten, sagt Hansen. Auch Grunwitz meint: „Wir werden als japanisches Unternehmen positiv gesehen. Es gibt eine Wertegemeinschaft zwischen Japan und Deutschland.“ Nach Einschätzung in Branchenkreisen könnte NTT Data davon profitieren, dass amerikanischen und chinesischen IT-Konzernen in Europa zuweilen Skepsis entgegenschlägt.

    Ähnlich wie NTT Data hat auch NTT in Deutschland ehrgeizige Wachstumsziele. Wichtigster Hebel ist der Service. Ziel sei es, den Serviceanteil in den nächsten beiden Jahren von 38 auf mehr als 50 Prozent zu steigern und gerade im Bereich der Standard-Services überproportional zu wachsen, sagt Grunwitz. Zudem solle der Beratungszweig ausgebaut werden. Für NTT ist zudem das Thema Cloud zentral. „Viele Unternehmen haben während der Coronakrise festgestellt, dass die Cloud nicht böse ist“, so Grunwitz.

    Auch NTT hatte in den vergangenen Monaten die Auswirkungen des Shutdown zu spüren bekommen. In München hatte das Unternehmen ein Kreativzentrum namens Enso eröffnet, um gemeinsam mit Kunden an Projekten zu arbeiten. Durch Corona konnte es einige Wochen nicht genutzt werden – also ging auch NTT in den virtuellen Raum.

    „Wir haben innerhalb eines Wochenendes mit Enso Digital ein Konzept entwickelt“, berichtet NTT-Data-Technikvorstand Oliver Koeth. Die Werkzeuge und Methoden seien so ergiebig, dass die Akzeptanz immer größer werde. „Es wird auch wieder klassische Meetings geben, aber der Anteil an Online-Meetings wird deutlich größer sein, auch nach Corona.“

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