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Kampf gegen Corona Wie die Warn-App das Infektionsrisiko berechnet

Die Bundesregierung will mit einer App die Ausbreitung des Coronavirus bremsen. Eine mathematische Formel soll die komplexe Realität abbilden.
12.06.2020 - 08:07 Uhr Kommentieren
Wie die Corona-Warn-App das Infektionsrisiko berechnet Quelle: dpa
Corona-Warn-App

Das Smartphone als Sensor: Die Corona-Warn-App soll Nutzer vor Infektionsrisiken warnen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Gefahr durch das Coronavirus ist längst nicht gebannt, trotz der zuletzt sinkenden Fallzahlen in Deutschland: Bei Partys und Gottesdiensten beispielsweise haben sich zuletzt wieder zahlreiche Menschen angesteckt.

Die Warn-App der Bundesregierung soll ab nächster Woche helfen, die Verbreitung des Erregers zu stoppen. 20 Millionen Euro hat die Entwicklung gekostet. Wenn sich ein Nutzer bei einem Corona-Kranken infiziert haben könnte, soll er einen Hinweis bekommen – und sich rechtzeitig in Quarantäne begeben können.

Wann es zu einer Ansteckung kommt, lässt sich indes nicht eindeutig sagen. Wer mit einem Corona-Infizierten spricht, erkrankt nicht automatisch selbst. Es kommt beispielsweise auf den Abstand und die Dauer des Kontakts an. Zudem wirkt sich aus, ob das Treffen drinnen oder draußen stattfindet, ob die Beteiligten Masken tragen und wie weit die Erkrankung bei dem Infizierten fortgeschritten ist – das Robert Koch-Institut (RKI) verweist darauf, dass Studien zufolge „eine relevante Infektiosität bereits zwei Tage vor Symptombeginn vorhanden ist“.

Die Corona-Warn-App versucht, diese komplexe Realität mit einer mathematischen Formel abzubilden. Dabei rechnet sie vier Risikofaktoren ein, die jeweils einen Wert von null bis acht annehmen können. Multipliziert ergeben sie einen „Risk Score“, wie SAP und Telekom in den Dokumenten schreiben, die sie begleitend zum Quellcode der App zur Verfügung stellen.

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    Überschreitet dieser „Risk Score“ eine Schwelle, die das Robert-Koch-Institut vorgibt, bekommt der Nutzer eine Warnung auf dem Bildschirm angezeigt – eine allgemein verständliche, wie die Unternehmen betonen.

    Die Faktoren:

    • Erstens: Wie lange ist es her, dass der Nutzer einen Corona-Infizierten getroffen hat (Days Since Exposure)? Je kürzer das Treffen zurückliegt, desto größer ist das Risiko.

    Die App soll die Ausbreitung des Coronavirus verhindern.
    Risikoermittlung

    Die App soll die Ausbreitung des Coronavirus verhindern.

    • Zweitens: Wie lang hat der Kontakt bestanden (Exposure Duration)? Das höchste Risiko gilt ab einer Dauer von 30 Minuten.

    • Drittens: Wie nah sind sich die Personen gekommen? Das wird anhand des Bluetooth-Signals geschätzt (Signal Attenuation).

    • Viertens: Welches Übertragungsrisiko bestand beim Erkrankten (Transmission Risk Factor)? Dieser Wert beruht auf einer Schätzung, wie infektiös jede einzelne Kontaktperson gewesen ist.

    Die Aufzählung zeigt, dass die Entwickler von SAP und Telekom einigen Einschränkungen unterliegen. So lässt sich der Abstand zwischen Menschen und deren Smartphones nur schätzen: Der Standard Bluetooth Low Energy ist für eine genaue Messung von Distanzen nicht ausgelegt – wobei die Unternehmen darauf verweisen, dass es lediglich darum gehe, eine Annäherung auf zwei Meter oder weniger zu identifizieren.

    Nutzer können in der App nachsehen, wie ihr Infektionsrisiko ist.
    Risikobewertung

    Nutzer können in der App nachsehen, wie ihr Infektionsrisiko ist.

    Einige Ungenauigkeiten sind auf den Datenschutz zurückzuführen. Die Bluetooth-Technik kann beispielsweise nicht feststellen, wo sich Nutzer aufhalten, und damit auch nicht, ob sie drinnen oder draußen sind. Mit einer Ortung per GPS wäre das theoretisch möglich – allerdings mit der Folge, dass die Nutzer detaillierte Bewegungsprofile hinterlassen würden, was Datenschützer, IT-Sicherheitsexperten und die Politik weitgehend einmütig ablehnen. Auch ob die Nutzer Masken tragen, lässt sich natürlich nicht messen.

    Nicht zuletzt ist der Mensch ein Unsicherheitsfaktor: Die Nutzer müssen ihr Smartphone immer dabeihaben, und nach einer Erkrankung müssen sie das Testergebnis auch in die App einspeisen, damit andere eine Warnung erhalten können. Kurz: Wie gut dieses Modell die Realität abbildet, können erst die nächsten Wochen und Monate zeigen.

    Mehr: Forderungen nach Gesetz für Corona-Warn-App werden lauter

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