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Karriere Der nächste große Angriff: Wie Google den Jobmarkt revolutioniert

Mit einer neuen Jobsuche-Funktion will der Suchmaschinen-Riese den Weg zum Traumjob bereiten. Anderen Stellenportalen droht nun der Bedeutungsverlust.
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Ab sofort lässt sich über die Suchmaschine des Konzerns auch eine neue Stelle finden. Quelle: Caiaimage/Getty Images [M]
Anstehen für den Job

Ab sofort lässt sich über die Suchmaschine des Konzerns auch eine neue Stelle finden.

(Foto: Caiaimage/Getty Images [M])

Düsseldorf, BerlinZwei, drei Worte. Mehr braucht es nicht auf dem Weg zum Traumjob. Zumindest, wenn es nach dem Suchmaschinen-Riesen Google geht. Wer beispielsweise „Jobs Wirtschaftspsychologe Hamburg“ in der wohl bekanntesten Suchzeile der Welt eingibt, bekommt seit Mittwoch einen kleinen Kasten mit passenden Stellenangeboten bei Google angezeigt. Auch andere Kombinationen wie „Jobs Ingolstadt“ oder „Stellen Lufthansa“ führen direkt zu Jobangeboten auf der Suchmaschine.

Als Google-Manager Nick Zakrasek die neue Funktion in kleiner Runde in Berlin vorstellt, sagt er: „Wir möchten Menschen die relevantesten Informationen zur Verfügung stellen.“

Tatsächlich ist Googles neue Jobsuche-Funktion nicht weniger als der nächste große Angriff des Suchmaschinen-Riesen: Nach Reisen, Restaurants, Kinoprogrammen, Preisvergleichen und Nachrichten will der US-Konzern nun auch den Jobmarkt umkrempeln. Die Stellenanzeigen kommen dabei – wie für Google üblich – gar nicht aus dem Datenfundus des Unternehmens selbst, sondern greifen auf bereits vorhandene Stellenausschreibungen von Unternehmen und Online-Jobbörsen zu.

Gerade in Deutschland ist der Stellenbörsen-Markt jedoch unübersichtlich. Fast 1200 Jobportale zählen Branchenbeobachter hierzulande. Jede Stellen-Suchmaschine hat ihre eigene Menüführung. Bei manchen müssen sich Nutzer registrieren, bei anderen können Bewerber einfach so stöbern, wieder andere Portale verlangen für ihre Dienste Geld.

„Das ist schlimmer als ein Besuch im Arbeitsamt und völlig unzeitgemäß“, sagt Shahriar Kamali, Recruiting-Stratege beim Beratungs- und Technologieunternehmen Accenture.

Die wichtigsten Anbieter in Deutschland sind die Marktführer Indeed und Stepstone sowie das Angebot der Bundesagentur für Arbeit. Sie listen Jobs aus allen Bereichen. Hinzu kommen unzählige Spezialanbieter– mit besonderen Angeboten für Mediziner, Informatiker oder Ingenieure. Exklusive Web-Plattformen wie Experteer arbeiten vorwiegend Headhuntern zu, die aber nur Posten für zahlende Fach- und Führungskräfte vermitteln.

Nicht zuletzt bieten die meisten Unternehmen auch auf ihren eigenen Karriereseiten Stellen im Netz an. Das sorgt für zahlreiche Dubletten. Etwa 79 Millionen Online-Stellenanzeigen kursieren auf dem deutschen Jobmarkt, laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind aber nur 1,4 Millionen Stellen derzeit vakant.

Ideale Voraussetzungen also für die nächste große Google-Disruption. Das sehen auch Experten so. „Google kann wegen seiner Marktmacht Jobinformationen in einer intelligenten Art und Weise verknüpfen, die man von den Jobbörsen aktuell nicht kennt“, sagt Jörg Breiski, Partner bei der Personal- und Managementberatung Kienbaum.

Ein anderer Brancheninsider findet hingegen: „Gerade für die kleinen Jobportale ist eine Kooperation mit Google zunächst das süße Gift, um mehr Reichweite zu erzielen.“ Der Skeptiker fürchtet, dass sich einzelne Portale am Ende selbst schaden könnten, wenn die Nutzer einmal lernten, dass sie künftig Jobangebote direkt bei Google finden – und die Seiten, von denen die Treffer eigentlich kommen, im Zweifel nicht mehr anzusteuern brauchen.

Wie massiv Stellenportale durch Googles Jobsuche an Bedeutung verlieren können, zeigt ein Blick nach Amerika. Im Google-Heimatland startete bereits vor zwei Jahren das übergeordnete Programm „Google for Jobs“, zu dem auch die neue Suchfunktion gehört. Damals verzeichnete etwa die Jobbörse Monster noch 26 Millionen Zugriffe von Wechselwilligen pro Monat, wie Zahlen des Analysetools Similiarweb zeigen. Im April 2019 waren es nur noch gut zwölf Millionen – ein Einbruch von 53 Prozent.

Wie stark sich der Jobbörsenmarkt in Deutschland verändert, dürfte sich erst in ein paar Jahren abzeichnen. Doch welche Auswirkungen wird die neue Google-Jobsuche für Bewerber schon jetzt haben? Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Wie funktioniert die Jobsuche von Google?

Sehr einfach, das macht es für andere Anbieter ja so schwierig. Wer über Google nach freien Stellen sucht, tippt einfach in das bekannte Googlesuchfeld ein, welchen Job oder welches Unternehmen er sucht. Wichtig dabei: Ein Bewerber muss Google über Schlagworte wie „Job“, „Jobs“, „Stelle“ oder „Stellen“ einen Hinweis geben, dass nach offenen Stellen gesucht werden soll. Wird kein zusätzlicher Ort angegeben, spuckt die Suche anhand der eigenen IP-Adresse Jobangebote in der Nähe aus.

Ausgeschriebene Stellen werden in einem blau-weißen Kasten angezeigt. Klickt der Nutzer auf eines der Angebote, kann er den Umkreis seiner Jobsuche verändern, zwischen Teilzeit und Vollzeit wählen oder Arbeitgeber ausschließen. Er sieht über ein Sterne-System auch, als wie gut der Arbeitgeber von früheren und aktuellen Mitarbeitern eingeschätzt wird.

Hat ein Nutzer die passende Stelle gefunden, kann er sich per Klick bewerben. Dazu wird er auf die Seite des Unternehmens oder Jobportals weitergeleitet, von dem die Stellenanzeige kommt. Bislang sahen Anwender lediglich Links zu verschiedenen Stellenbörsen. Diese rutschen in der Trefferübersicht nun weiter nach unten.

2. Welche Quellen nutzt die Suchmaschine?

Von den zehn größten Anbietern stellen nur fünf ihre Daten Google zur Verfügung. Wichtige Verweigerer sind Indeed und Stepstone. Frank Hensgens, Deutschland-Chef von Indeed, sagt: „Alle Funktionen, an denen Google arbeitet, bietet Indeed bereits seit mehr als 14 Jahren.“ Stepstone verweist auf „einzigartige und relevante Inhalte“ wie Karrieretipps und virtuelle Firmentouren, mit denen sich das Portal von Google abhebe.

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Neben Netzwerken wie Xing und LinkedIn durchforstet Google auch die Karriereseiten einzelner Firmen – sofern sie ihre IT-Schnittstellen an die Vorgaben der Suchmaschine angepasst haben. „Die Personalabteilungen müssen sich auf Googles Jobsuche vorbereiten, sonst werden die Unternehmen für Bewerber irgendwann nicht mehr sichtbar sein“, sagt Christa Stienen, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM).

Aktuell sieht die Realität allerdings noch etwas anders aus. Ein Check des Personalmarktbeobachters Henner Knabenreich zeigt: Von den 30 Dax-Konzernen haben bislang erst 16 ihre Jobsuche an die Google-Vorgaben angepasst. Wenn Bewerber also allein auf Google setzen würden, könnte es momentan noch vorkommen, dass ihnen relevante Ergebnisse vorenthalten bleiben.

3. Welche Nachteile gibt‘s zu befürchten?

Kritiker sehen in der beliebten Suchmaschine einen Datenkraken, der in alle Lebensbereiche vordringt. Ähnlich wie beim Vergleich von Flugpreisen oder der Suche nach passenden Restaurants müssen Nutzer den Kosmos der Kalifornier nicht mehr verlassen. So hat Google die Möglichkeit, noch mehr Informationen über die Vorlieben seiner Nutzer bei Suchanfragen zu berücksichtigen.

Doch was ist, wenn Google so nicht nur den „gläsernen Bewerber“ erschafft, sondern auf Basis aller bisherigen Suchanfragen falsche Annahmen trifft? So könnte die Suchmaschine etwa meinen, dass jemand, der nach „Strampler“ oder „Elternteilzeit“ googelt, demnächst ein Kind erwartet oder schon eines hat. Vielleicht informiert sich dieser Jemand aber auch nur auf Geheiß einer schwangeren Freundin über solche Themen.

Lässt Google solche Suchanfragen in die Jobsuche-Funktion einfließen? Nein, sagt zumindest Google-Manager Zakrasek: „Der Nutzer erhält relevante Stellenanzeigen, basierend auf seiner Suche und den eingegebenen Filtereinstellungen.“ Die einzige persönliche Information, die in die Filtereinstellungen einfließe, sei der Standort des Nutzers. Wie der Suchalgorithmus im Detail funktioniert, verrät Google in alter Tradition aber nicht.

Ein weiteres Bedenken: Google kommerzialisiert auch seine Jobsuche, so wie das bei bestimmten Schlüsselwörtern in der normalen Google-Suche schon heute der Fall ist. Dann tauchen als „Anzeige“ gekennzeichnete Einträge über den eigentlichen – sogenannten organischen – Treffern auf.

Doch auch hier bemüht sich der US-Konzern um Beruhigung: „Arbeitgeber können nicht für eine Platzierung bezahlen“, stellt Zakrasek klar. Das gilt jedoch nur für den kleinen blau-weißen Kasten mit den Stellenangeboten. Darüber werden durchaus Anzeigen ausgespielt, die direkt ins Sichtfeld fallen und zur Anfrage passen. Das müsse man als Bewerber wissen, sagt Accenture-Experte Kamali. So wie in den anderen Google-Bereichen, gebe es eben auch im Umfeld der Jobsuche ein sogenanntes Bidding-System.

„Das heißt, Kunden bieten gegeneinander um die besten Anzeigenplätze im werblichen Bereich von Googles Ergebnisliste.“ Also ist es für Unternehmen zumindest über die regulären Google-Anzeigen möglich, sich bei bestimmten Jobsuchen nach oben zu manövrieren.

4. Was passiert mit meinen Daten?

Um einerseits dem Nutzer passgenaue Jobangebote einblenden zu können, andererseits aber auch das Geschäft mit zielgruppengerechter Werbung in diesem Umfeld voranzutreiben, sammelt Google Informationen. Doch anders als in Amerika steckt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Europa dem Google-Mutterkonzern Alphabet enge Grenzen. Jeder Nutzer hat zudem das Recht darauf zu erfahren, welche persönlichen Daten erhoben, wofür diese verwendet und wie lang sie gespeichert werden.

Außerdem haben User einen weitgehenden Löschungsanspruch. Deshalb hat Google seit Kurzem die neue Funktion „Automatisches Löschen” für alle Nutzer mit einem Google-Konto eingeführt: Nutzer können ihre Web- und Aktivitätsdaten zukünftig automatisiert alle drei oder 18 Monate löschen lassen.

Das kann dann wichtig sein, falls doch der Eindruck entstehe, „dass Daten verarbeitet werden, aus denen sich ein Nachteil für die eigene Karriere ergibt“, erklärt Jurist Florian Schneider von der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

Dass Google nicht immer ganz durchsichtig mit Nutzerdaten umgeht, zeigt auch ein Blick ins Nachbarland Frankreich. Dort hat die offizielle Datenschutzbehörde Google Anfang des Jahres wegen seines intransparenten Umgangs mit Nutzerdaten zu einem Bußgeld von 50 Millionen Euro verdonnert.

Solche Strafen tun einem Konzern wie Alphabet zwar finanziell nur bedingt weh, „aber jede Einschränkung der Behörden zum Datenumgang gefährdet Googles Geschäftsmodell, das ja auf dem Verknüpfen von Daten basiert“, sagt Rechtsanwalt Schneider.

5. Suchen Topmanager nun auch bei Google?

Auch wenn Google den deutschen Recruitingmarkt in Zukunft aufmischen dürfte, eins ist vorerst sicher: Einen Posten im Topmanagement wird man sich auch künftig nicht ergoogeln können. „Unsere Mandanten schreiben nur zehn Prozent ihrer Jobs öffentlich aus, der Rest funktioniert über die klassische Direktansprache“, erzählt Kienbaum-Personalberater Jörg Breiski. Er unterstützt Unternehmen bei der Besetzung ihrer Topmanagement-Positionen, indem er geeignete Kandidaten vorstellt.

„Das wird sich auch durch Googles Jobsuche nicht verändern.“ Nach seinen Erfahrungen setzen Unternehmen ihre offenen Stellen bis maximal 150.000 Euro Jahresgehalt auf Karriereportale und Stellenbörsen. Was darüber hinausgeht, sei nach wie vor klassische Headhunter-Aufgabe.

Thomas Becker, Partner bei der Personalberatung Russell Reynolds in Frankfurt, ergänzt: „Insbesondere bei Positionen im oberen Management muss ich den Kandidaten als Ganzes erfassen. Sonst ist das Risiko einer Fehlbesetzung zu hoch.“ Schließlich geht es um viel Geld und viel Verantwortung.

Es komme bei diesen Jobs nicht allein auf den Lebenslauf des Bewerbers an, sondern auch auf seine Persönlichkeit und sein Werteverständnis, so Becker: „Auch wenn ich großen Respekt vor Google habe. Ich glaube nicht, dass Algorithmen das alles angemessen bewerten können.“

Mehr: Was die neue Google-Jobsuche für Stellenbörsen, Bewerber und Arbeitgeber bedeutet: Ab sofort werden auch in Deutschland Stellenanzeigen direkt auf Google ausgespielt. Das wirbelt den Markt gleich in mehrfacher Hinsicht durcheinander.

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