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Kinos unter Druck Die Gefahr lauert im Wohnzimmer

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DVD statt Popcorn-Atmosphäre? Foto: dpa

DVD statt Popcorn-Atmosphäre? Foto: dpa

Ist das Geschäftsmodell Kino noch zukunftsfähig?

Stehen also die Kinos auf der Verliererseite der digitalen Revolution, oder gibt es auch für sie neue Geschäftsstrategien? Bei einem Expertentreffen, das mit "Hollywood Lectures" betitelt war und jüngst im Rahmen der Berlinale stattfand, ging die Filmindustrie dieser Frage nach. Wolfram Winter, von Universal Studios Networks, rief die Kinobranche überraschend zum Umdenken auf: Die Angst vor Pay-TV, VoD und Co. sei zwar verständlich, doch unberechtigt.

Eine vom Grimme-Institut durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass deutsche Pay-TV-Abonnenten überdurchschnittlich oft ins Kino gehen. Es sei daher grundlegend falsch zu denken, dass die Filmzuschauer sich nur für eine Art des Filmkonsums entscheiden: Ein wahrer "Herr der Ringe"-Fan werde sich den Film im Kino und auf Pay-TV anschauen und sich darüber hinaus noch die DVD mit dem Bonusmaterial kaufen.

Winter, der mit seiner Firma selbst drei Pay-TV-Sendermarken führt, plädierte für mehr Zusammenarbeit statt Konkurrenzkampf. In den USA beispielsweise begriffen sich Kino und Pay-TV als gegenseitiges Promotiontool, die Synergien nützten um neue Zuschauer zu gewinnen. Anlaufversuche in diese Richtung fanden immerhin auch in Deutschland schon statt: In UCI Kinos wurde unlängst für neue Premiere-Abonnenten geworben. Premiere machte im Gegenzug Werbung für UCI-Filmstarts.

Hollywood goes digital

Eine weitere Überlebensstrategie der Kinos liegt schließlich in der digitalen Technik selbst. Denn die macht nicht vor den Kinosälen halt. Über kurz oder lang werden die Kinos auf digitale Projektoren umsatteln müssen, was zwar einerseits mit Investitionen für die Kinobesitzer verbunden ist - in den USA sind das derzeit rund 100 000 Dollar pro Leinwand - andererseits auch mittelfristig zu geringeren Kosten führt.

Per digitalem "Play-Out-Center" lassen sich die Filme direkt zu den jeweiligen Kinos übertragen, das Geld für teure Filmkopien, Werbekopien und Distribution kann in Programm investiert werden. Wie schnell diese Umstellung auf digital in den Kinos von statten gehen wird, konnte Thomas Negele, Präsident des Hauptverbandes der deutschen Filmtheater (HdF) nicht prognostizieren. Eins sei jedoch klar: Sobald Hollywood anfange, Blockbuster nicht mehr auf der Filmrolle, sondern in Bits und Bytes zu liefern, müsse auch Deutschland in Sachen "D-Cinema" schnell nachziehen.

Die sieben größten Major Studios haben bereits Ende 2004 mit ihrem Konsortium Digital Cinema Initiative (DCI) die Standards für das digitale Kino erarbeitet. Was jetzt folgt, ist der Digital-Roll-Out, die schrittweise Umrüstung der Kinos auf digitale Übertragungs- und Projektionstechniken. Das Ergebnis soll ein Kinoerlebnis sein, dass das Heimkino wieder auf den zweiten Platz zurückdrängt.

Neben dem herkömmlichen Filmprogramm könnten dann auch Live-Events wie Fußballspiele, Konzerte und andere Großveranstaltungen übertragen werden. Die Endausscheidung von "Deutschland sucht den Superstar" findet 2020 dann vielleicht in Deutschlands größten Kinosäälen statt. Das hoffen zumindest die Kinobetreiber.

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