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Klimaschutz Neue Klima-App mit Risikokapital – Konkurrenz für die „Klima-Kollekte“

Ein kommerzielles Start-up verkauft CO2-Ausgleich und verdient dabei mit. Die Kirchen verfolgen die Idee schon länger – und zwar gemeinnützig.
12.08.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren
Die Reduktion von CO2 soll auch per App möglich sein. Quelle: imago/blickwinkel
Kompensation von Klimagasen

Die Reduktion von CO2 soll auch per App möglich sein.

(Foto: imago/blickwinkel)

Hamburg Klimaschutz ist eine Boombranche. Immer mehr Menschen wollen ihr Öko-Gewissen erleichtern, indem sie CO2-Emissionen etwa von Flügen durch Kompensationszahlungen ausgleichen. Die Idee: Geld für Aufforstung oder erneuerbare Energien sorgt für eine CO2-Einsparung in Höhe der eigenen Emissionen. 42 Prozent mehr Spenden im Netz verzeichnete im vergangenen Jahr etwa die „Klima Kollekte“ der Kirchen.

Die Aussicht auf Geld mit dem guten Zweck lockt jetzt auch Start-up-Finanzierer. Fünf Millionen Euro haben unter anderem Eventures, 468 Capital und Holtzbrinck Ventures drei Gründern um den Berliner Markus Gilles zur Verfügung gestellt. Er beginnt in dieser Woche mit dem Testlauf für seine App „Klima“.

Die App ähnelt der Klima-Kollekte-App der Kirchen. Nutzer können anfangs in einem Frage-Antwort-Spiel ihren durchschnittlichen CO2-Ausstoß berechnen und anschließend eine Art Monatsabo abschließen. Das kostet rund zehn Euro. Einen Teil gibt Klima anschließend in Klimaschutz-Projekte. „Wir wollen zudem eine Community schaffen, der wir Tipps geben, wie sie CO2 einsparen kann“, sagt Gilles.

Die selbst gesteckten Ziele sind ambitioniert: In fünf Jahren will er bereits über eine Million Kunden haben. Zum Vergleich: Die Klima Kollekte kam 2019 auf 1848 private Nutzer. Der Ausgleichsanbieter Atmosfair, der 2018 Testsieger bei der Stiftung Finanztest war, nahm 2018 fast zehn Millionen Euro ein, hat allerdings neben Privatleuten Unternehmen und Organisationen als Kunden.

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    Finanziell gibt es einen deutlichen Unterschied: Bei den beiden gemeinnützigen Anbietern fließt ein deutlich größerer Anteil des Geldes tatsächlich in den Klimaschutz. Bei Atmosfair sind es fast 96 Prozent, bei der Klima Kollekte 89 Prozent. Gilles hingegen will satte 30 Prozent der Einnahmen abzwacken: Zehn Prozent fließen in Verwaltungskosten und die Rendite, 20 Prozent ins Marketing.

    So viel Geld kommt bei den Projekten an

    „Das ist ein hoher Anteil, aber immerhin wird er transparent gemacht“, sagt Olivia Henke, Geschäftsführerin der Klima Kollekte. Tatsächlich gibt keiner der sechs Anbieter aus der Finanztest-Untersuchung einen noch geringeren Anteil weiter – obwohl Klima anders als andere Anbieter die finanzierten Projekte nicht selbst betreut.

    Auch im Vergleich mit sonstigen Hilfsorganisationen ist der Anteil hoch: Bei den Projekten, die das Spendensiegel tragen, liegen die Verwaltungs- und Werbekosten im Schnitt bei 14 Prozent. Anders als etwa die Klima Kollekte kann die Klima-App somit keine Spendenbescheinigungen für das Finanzamt ausstellen.

    „Natürlich ist die Frage wichtig, wie viel bei den Projekten ankommt. Generell ist es aber gut, wenn das Thema viel Augenmerk bekommt“, meint Henke. Entscheidend für den Klimaschutz ist, ob die Privatinvestoren trotz der Absicht, Gewinne abzuzwacken, insgesamt ein höheres Spendenvolumen generieren können als die gemeinnützigen Spieler. „Start-ups und Risikokapitalgeber haben es in den Genen, von Anfang an groß zu denken“, meint Gilles.

    Er setzt nicht nur auf höhere Marketingausgaben, sondern auch auf bessere Bedienbarkeit und Nutzerfreundlichkeit der App. „Das eingesammelte Geld gibt uns die Möglichkeit, auszuprobieren, was funktioniert“, sagt er. Dabei will er die Erfahrung in dem Bereich nutzen: Zusammen mit seinen beiden Mitgründern hat er zuletzt eine App mit einem Selbstverteidigungskurs für Frauen programmiert. Zuvor hatten die drei Seriengründer eine Videomagazin-App an Investoren weiterverkauft.
    „Wir sehen uns als Teil einer neuen Kohorte von Social Start-ups“, sagt der studierte Politikwissenschaftler Gilles. Tatsächlich sind Investments in Start-ups, die gesellschaftliche Probleme angehen, derzeit bei Investoren beliebt. Das dürfte bei der Finanzierungsrunde für Klima kein Nachteil gewesen sein.

    Die Klima Kollekte hingegen tut sich schwer mit der Weiterentwicklung ihrer App, die den kirchlichen Hilfsorganisationen neue, junge Spender erschließen soll. Entwickelt wurde diese in einem Förderprogramm, das sich auf Mobilität beschränkte. Berechnet werden kann daher bislang in der App nur der CO2-Ausstoß von Flügen und Fahrten – anders als auf der Homepage. „Wir würden das gerne ausbauen“, sagt Henke. Allerdings: Ihre Mittel sind weitaus begrenzter als die Venture-Capital-Millionen der neuen kommerziellen Konkurrenz.

    Mehr: Soziale Start-ups vereinen Geschäft und Moral.

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