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Kommentar Wegen AMD und Nvidia: Darum fällt Intel jetzt so deutlich zurück

Der größte Chiphersteller der Welt ist schon lange nicht mehr Weltklasse. Das hat sich der einst so mächtige US-Konzern selbst zuzuschreiben.
13.10.2020 - 20:58 Uhr Kommentieren
Chiphersteller Intel: Die Werke waren einst der ganze Stolz des Konzerns aus dem Silicon Valley. Inzwischen ist TSMC aus Taiwan fortschrittlicher. Quelle: Reuters
Intel

Chiphersteller Intel: Die Werke waren einst der ganze Stolz des Konzerns aus dem Silicon Valley. Inzwischen ist TSMC aus Taiwan fortschrittlicher.

(Foto: Reuters)

Die Chipindustrie sortiert sich neu. Aber es ist nicht der stolze Weltmarktführer Intel, der die Richtung vorgibt. Es sind die kleineren Rivalen Nvidia und AMD, die gerade vornweg marschieren. Mit milliardenschweren Übernahmen machen sie sich in diesen Tagen daran, der boomenden Industrie ihren Stempel aufzudrücken.

Intel mag noch immer der mit Abstand bekannteste Halbleiterhersteller der Erde sein. Seine dominante Rolle aber hat der Konzern aus dem Silicon Valley längst verloren. Die Zukunft gestalten gerade die Wettbewerber.

Auf dem Parkett zeigt sich das ganz deutlich: Nvidia ist wesentlich kleiner als Intel. An der Börse aber ist der Grafik-Spezialist rund die Hälfte mehr wert als der langjährige Branchenprimus.

Nvidia und AMD haben in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht und damit Intel unter Druck gesetzt. An dem schleichenden Niedergang aber ist der legendäre Chipproduzent selbst schuld. Intel leidet unter einer bedrohlichen Kombination aus technischen Patzern, fragwürdigen strategischen Entscheidungen und Fehlbesetzungen an der Spitze.

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    Am bedrohlichsten für Intel ist wohl der technische Niedergang. Die Amerikaner setzen seit jeher auf eigene Werke. Das war so lange sinnvoll, wie das Unternehmen über die fortschrittlichsten und zuverlässigsten Produktionsverfahren verfügte. Doch genau jenen Vorsprung hat Intel eingebüßt. Als das Konzernchef Bob Swan im Sommer öffentlich eingestand, brach der Aktienkurs ein, der US-Konzern verlor auf dem Parkett an einem Tag 40 Milliarden Dollar an Wert.

    So wird die nächste Prozessorgeneration von Intel mit Strukturbreiten von sieben Nanometern sechs Monate später als ursprünglich für frühestens Ende 2022 geplant auf den Markt kommen. AMD hat unterdessen bereits Produkte im Sieben-Nanometer-Verfahren im Angebot. Je niedriger die Strukturbreiten, desto mehr Prozessoren passen auf eine Halbleiter-Scheibe in der Produktion. Zudem arbeiten die Chips dadurch effizienter und stromsparender.

    Der Grund, warum AMD auf einmal Intel überholt hat, ist einfach: Die Firma fertigt bei TSMC. Die Taiwaner haben Intel inzwischen den Rang abgelaufen und setzen die Standards in der Chipproduktion. Besonders bitter für Intel: TSMC ist eine sogenannte Foundry, also ein Auftragsfertiger, den jeder Halbleiteranbieter nutzen kann, ohne auch nur einen Cent für Maschinen auszugeben. Intel dagegen investiert Jahr für Jahr Milliarden in Fabriken, die schon lange nicht mehr Weltklasse sind. Erst im Sommer musste Murthy Renduchintala gehen, der zuvor für Intels gesamte Entwicklung und Fertigung zuständig war.

    Kein Wunder, dass renommierte Intel-Kunden Reißaus nehmen: Apple stellt in seinen Notebooks gerade auf selbst entworfene Prozessoren um. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Produziert werden die Bauelemente, wie könnte es anders sein, bei TSMC.

    Konzernspitze hat ein katastrophales Bild abgegeben

    Nicht allein die Ingenieure haben versagt. Es war auch die Konzernspitze, die ein katastrophales Bild abgegeben hat in den vergangenen Jahren. Ex-Chef Brian Krzanich musste vor zwei Jahren gehen, eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin kostete ihn den Job.

    Das war aber nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. So waren einige Monate vor seinem Rauswurf erhebliche Sicherheitslücken in Intel-Chips bekannt geworden. Davon musste Krzanich gewusst haben, als er kurz zuvor massenhaft Intel-Aktien verkauft hatte. Mit solchen Schwachstellen in seiner Chiparchitektur kämpfte Intel bis in die jüngste Zeit.

    Ist Intel also dem Untergang geweiht? Natürlich nicht. Der Konzern ist schließlich noch immer hochprofitabel, er dominiert nach wie vor das Geschäft mit Prozessoren für PCs, Notebooks und Server. Es ist also genügend Geld da, um wieder aufzuholen. Mit der Tochter Mobileye ist Intel zudem einer der wichtigsten Anbieter von Technik für das selbstfahrende Auto.

    Gleichwohl, in der Vergangenheit hat sich gezeigt: Der Konzern tut sich enorm schwer, in neue Bereiche vorzudringen. Obwohl Intel Milliarden investiert hat und sich teure Übernahmen leistete, konnten sich die Chips der Firma in Mobilgeräten nie durchsetzen. Der Ausflug ins Geschäft mit Sicherheitssoftware misslang ebenso.

    Intel muss sich auf einen verschärften Wettbewerb einstellen

    Nun stehen Nvidia und vermutlich auch AMD kurz davor, sich erheblich zu verstärken. Nvidia will für 40 Milliarden Dollar Arm schlucken, den britischen Chipdesigner. Und AMD möchte US-Medien zufolge für 30 Milliarden den Wettbewerber Xilinx übernehmen. Noch ist nicht sicher, ob es zu den gewaltigen Transaktionen tatsächlich kommt. Vor allem Nvidia muss sich auf eine lange, eingehende Prüfung des Deals durch die Behörden weltweit einstellen.

    Sind die beiden aber erfolgreich mit ihren Übernahmen, muss sich Intel auf einen verschärften Wettbewerb einstellen. Insbesondere Nvidia wird mit dem Kauf von Arm zur Spinne im Netz der Chipbranche: Denn praktisch jeder andere Hersteller nutzt Lizenzen von Arm, und auch viele IT-Konzerne wie Apple greifen auf das Know-how der Briten zurück.

    Nur eins dürfte Intel-Chef Swan ein wenig trösten: Derartige Übernahmen sind komplex, und die Führungskräfte von Nvidia und AMD haben erst einmal monate-, wenn nicht jahrelang alle Hände voll mit den Zukäufen zu tun. Das verschafft dem Konzernherrn womöglich etwas Zeit, das eigene Haus neu zu ordnen.

    Mehr: AMD will Xilinx kaufen – Das Milliardenspiel der Chipbranche geht weiter

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