Komplizierte Regeln für Passwörter Was für ein Un$1nn!

Es liegt nicht an Ihnen: Die Regeln für Passwörter sind viel zu kompliziert. Nutzer dürfen aber darauf hoffen, dass es bald ohne Sonderzeichen und Ziffern geht. Die Standards stehen vor einer wichtigen Änderung.
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So sieht das perfekte Passwort aus

So sieht das perfekte Passwort aus

DüsseldorfDas Internet ist voller Karikaturen über Passwörter. Da ist der Griesgram, der einer Wahrsagerin eine Liste mit allen Websites unter die Nase hält, für die er seine Zugangsdaten vergessen hat, während sie forschend in die Glaskugel blickt. Oder der strahlende Mann, der seine Kollegin wissen lässt, dass niemand sein Passwort erraten kann, weil es so kompliziert ist. Worauf sie antwortet: Ich lese es einfach vom Post-It am Monitor ab.

Die Witze zielen alle auf eine Tatsache ab: Passwörter sind die Pest. Wir müssen uns viel zu viele merken, und häufig sind wir gezwungen, bei der Festlegung komplizierten Regeln einhalten. Sonst mahnt uns das Buchhaltungssystem oder der E-Mail-Dienst: Zu kurz, keine Sonderzeichen, keine Ziffern, schon mal vorher genutzt. Was für ein Ärg3rni$!

Doch Nutzer dürfen auf eine gewisse Erleichterung hoffen: Im Juni hat die einflussreiche US-amerikanische Standardisierungsorganisation NIST ihre Empfehlungen angepasst. Es ist eine Entscheidung mit Signalwirkung: „Die NIST-Regeln haben auch im deutschsprachigen Raum eine sehr große Bedeutung“, sagt Arno Wacker, Professor für angewandte Informationssicherheit an der Universität Kassel. Nun werde an der gängigen Empfehlung gerüttelt.

Die Regeln, über die sich viele Karikaturisten lustig machen, stammen aus einem Dokument, das der NIST-Mitarbeiter Bill Burr 2003 aufsetzte. Unter Zeitdruck und ohne empirische Daten, wie er jetzt dem „Wall Street Journal“ beichtete (kostenpflichtiger Artikel). „Am Ende war es vermutlich für viele zu kompliziert“, sagte er. „Vieles von dem, was ich getan habe, bedaure ich jetzt“, erklärte der 72-Jährige, der im Ruhestand ist.

Die gängigen Empfehlungen, basierend auf Burrs Regeln: Das Passwort sollte aus mindestens acht Zeichen bestehen und neben Buchstaben auch Ziffern und Sonderzeichen enthalten. Begriffe aus dem Wörterbuch sind dabei ebenso tabu wie Namen von Angehörigen oder Haustieren. Und am besten vergeben Nutzer alle paar Wochen oder Monate ein neues Passwort.

Das soll Hackern und Schnüfflern das Leben erschweren. Doch logisch ist nicht psychologisch. „Wenn Nutzer eine zufällige Sequenz aus mindestens acht oder besser noch zehn Zeichen bilden, ist das sehr sicher“, sagt zwar Passwort-Experte Arno Wacker im Gespräch mit dem Handelsblatt. Aber darunter leide die Benutzerfreundlichkeit: „Das kann sich kaum ein Mensch merken.“ Zumal, wenn diese Gedächtnisakrobatik alle 90 Tage aufs Neue ansteht.

Elf Anzeichen, dass Sie gehackt wurden
Hand in Hand oder gegeneinander? Windows und Linux auf einem PC
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Software installiert sich selbstständig

Ungewollte und unerwartete Installationsprozesse, die aus dem Nichts starten, sind ein starkes Anzeichen dafür, dass das System gehackt wurde. In den frühen Tagen der Malware waren die meisten Programme einfache Computerviren, die die "seriösen" Anwendungen veränderten - einfach um sich besser verstecken zu können. Heutzutage kommt Malware meist in Form von Trojanern und Würmern daher, die sich wie jede x-beliebige Software mittels einer Installationsroutine auf dem Rechner platziert. Häufig kommen sie "Huckepack" mit sauberen Programmen - also besser immer fleißig Lizenzvereinbarungen lesen, bevor eine Installation gestartet wird. In den meisten dieser Texte, die niemand liest, wird haarklein aufgeführt, welche Programme wie mitkommen.

Was zu tun ist...
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Es gibt eine Menge kostenlose Programme, die alle installierten Applikationen auflisten und sie verwalten. Ein Windows-Beispiel ist Autoruns, das zudem aufzeigt, welche Software beim Systemstart mit geladen wird. Das ist gerade in Bezug auf Schadprogramme äußerst aussagekräftig - aber auch kompliziert, weil nicht jeder Anwender weiß, welche der Programme notwendig und sinnvoll und welche überflüssig und schädlich sind. Hier hilft eine Suche im Web weiter - oder die Deaktivierung von Software, die sich nicht zuordnen lässt. Wird das Programm doch benötigt, wird Ihnen das System das schon mitteilen…

Die Maus arbeitet, ohne dass Sie sie benutzen!
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Springt der Mauszeiger wie wild über den Bildschirm und trifft dabei Auswahlen oder vollführt andere Aktionen, für deren Ausführung im Normalfall geklickt werden müsste, ist der Computer definitiv gehackt worden. Mauszeiger bewegen sich durchaus schon einmal von selbst, wenn es Hardware-Probleme gibt. Klick-Aktionen jedoch sind nur mit menschlichem Handeln zu erklären.

Stellen Sie sich das so vor: Der Hacker bricht in einen Computer ein und verhält sich erst einmal ruhig. Nachts dann, wenn der Besitzer mutmaßlich schläft (der Rechner aber noch eingeschaltet ist), wird er aktiv und beginnt, das System auszuspionieren - dabei nutzt er dann auch den Mauszeiger.

Was zu tun ist
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Wenn Ihr Rechner des Nachts von selbst "zum Leben erwacht", nehmen Sie sich kurz Zeit, um zu schauen, was die Eindringlinge in Ihrem System treiben. Passen Sie nur auf, dass keine wichtigen Daten kopiert oder Überweisungen in Ihrem Namen getätigt werden. Am besten einige Fotos vom Bildschirm machen (mit der Digitalkamera oder dem Smartphone), um das Eindringen zu dokumentieren. Anschließend können Sie den Computer ausschalten - trennen Sie die Netzverbindung (wenn vorhanden, Router deaktivieren) und rufen Sie die Profis. Denn nun brauchen Sie wirklich fremde Hilfe.

Anschließend nutzen Sie einen anderen (sauberen!) Rechner, um alle Login-Informationen und Passwörter zu ändern. Prüfen Sie Ihr Bankkonto - investieren Sie am besten in einen Dienst, der Ihr Konto in der folgenden Zeit überwacht und Sie über alle Transaktionen auf dem Laufenden hält. Um das unterwanderte System zu säubern, bleibt als einzige Möglichkeit die komplette Neuinstallation. Ist Ihnen bereits finanzieller Schaden entstanden, sollten IT-Forensiker vorher eine vollständige Kopie aller Festplatten machen. Sie selbst sollten die Strafverfolgungsbehörden einschalten und Anzeige erstatten. Die Festplattenkopien werden Sie benötigen, um den Schaden belegen zu können.

Online-Passwörter ändern sich plötzlich
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Wenn eines oder mehrere Ihrer Online-Passwörter sich von einem auf den anderen Moment ändern, ist entweder das gesamte System oder zumindest der betroffene Online-Dienst kompromittiert. Für gewöhnlich hat der Anwender zuvor auf eine authentisch anmutende Phishing-Mail geantwortet, die ihn um die Erneuerung seines Passworts für einen bestimmten Online-Dienst gebeten hat. Dem nachgekommen, wundert sich der Nutzer wenig überraschend, dass sein Passwort nochmals geändert wurde und später, dass in seinem Namen Einkäufe getätigt, beleidigenden Postings abgesetzt, Profile gelöscht oder Verträge abgeschlossen werden.

Was zu tun ist
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Sobald die Gefahr besteht, dass mit Ihren Daten handfest Schindluder getrieben wird, informieren Sie unverzüglich alle Kontakte über den kompromittierten Account. Danach kontaktieren Sie den betroffenen Online-Dienst und melden die Kompromittierung. Die meisten Services kennen derartige Vorfälle zu Genüge und helfen Ihnen mit einem neuen Passwort, das Konto schnell wieder unter die eigene Kontrolle zu bekommen. Einige Dienste haben diesen Vorgang bereits automatisiert. Wenige bieten sogar einen klickbaren Button "Mein Freund wurde gehackt!" an, über den Dritte diesen Prozess für Sie anstoßen können. Das ist insofern hilfreich, als Ihre Kontakte oft von der Unterwanderung Ihres Kontos wissen, bevor Sie selbst etwas davon mitbekommen.

Werden die gestohlenen Anmeldedaten auch auf anderen Plattformen genutzt, sollten sie dort natürlich schnellstmöglich geändert werden. Und seien Sie beim nächsten Mal vorsichtiger! Es gibt kaum Fälle, in denen Web-Dienste E-Mails versenden, in denen die Login-Informationen abgefragt werden. Grundsätzlich ist es immer besser, ausschließlich Online-Dienste zu nutzen, die eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangen - das macht es schwieriger, Daten zu entwenden.

Gefälschte Antivirus-Meldungen
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Fake-Warnmeldungen des Virenscanners gehören zu den sichersten Anzeichen dafür, dass das System kompromittiert wurde. Vielen Anwendern ist nicht bewusst, dass in dem Moment, wo eine derartige Meldung aufkommt, das Unheil bereits geschehen ist. Ein Klick auf "Nein" oder "Abbrechen", um den Fake-Virusscan aufzuhalten, genügt natürlich nicht - die Schadsoftware hat sich bestehende Sicherheitslücken bereits zunutze gemacht und ist ins System eingedrungen.

Bleibt die Frage: Warum löst die Malware diese "Viruswarnung" überhaupt aus? Ganz einfach: Der vorgebliche Prüfvorgang, der immer Unmengen an "Viren" auftut, wird als Lockmittel für den Kauf eines Produkts eingesetzt. Wer auf den dargestellten Link klickt, gelangt auf eine professionell anmutende Website, die mit positiven Kundenbewertungen und Empfehlungen zugepflastert ist. Dort werden Kreditkartennummer und andere Rechnungsdaten abgefragt - und immer noch viel zu viele Nutzer fallen auf diese Masche herein und geben ihre Identität freiwillig an die Kriminellen ab, ohne etwas davon zu merken.

Daher haben die komplizierten Regeln mehrere unerwünschte Konsequenzen. So basteln sich viele Nutzer Begriffe zusammen, in denen Ausrufezeichen oder Ziffern einzelne Buchstaben ersetzen, und ändern diese jedes Mal nur leicht. Der Sicherheit dient das nicht: Hacker haben Programme, die solche Muster kennen und durchprobieren – wie ein automatischer Dietrich.

Nun ist es durchaus sinnvoll, den Nutzern Vorgaben zu machen. Das zeigt sich an den beliebtesten Passwörtern – Forscher können diese ermitteln, indem sie Daten analysieren, die Hacker ins Netz stellen. Zum Beispiel nach den massiven Cyberangriffen auf den Internetriesen Yahoo, den Softwarehersteller Adobe oder den Seitensprungdienst Ashley Madison, bei denen in den vergangenen Jahren Millionen von Datensätzen an die Öffentlichkeit gelangten.

So verwenden viele Nutzer einfache Zahlenkombinationen und Begriffe, wie eine Auswertung des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam zeigt. In den Top 10 deutschsprachiger Passwörter stehen „hallo“, „passwort“ und „schalke04“, außerdem „123456“ und „hallo123“. Weit oben stehen außerdem „arschloch“ und „ficken“. Hacker kennen diese Listen und schaffen es daher schnell, derartig nachlässige Absicherungen zu überwinden.

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