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Kontaktverfolgung gegen Infektionen Apple und Google geben bei Corona-Apps den Staaten die Regeln vor

Die Anbieter der Smartphone-Betriebssysteme spielen bei den Corona-Apps eine entscheidende Rolle. Die Macht der US-Konzerne zwingt viele Länder zum Einlenken.
10.05.2020 - 16:54 Uhr Kommentieren
Google und Apple wollen bei der Konzeptionierung der Corona-Apps mitreden. Quelle: Reuters
Die Digitalkonzerne mischen sich ein

Google und Apple wollen bei der Konzeptionierung der Corona-Apps mitreden.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf, Brüssel Die Corona-Pandemie hat den Alltag in Europa und Deutschland verändert. Über Wochen galten strenge Kontaktsperren. Jetzt werden die Maßnahmen gelockert. Damit sich das Virus nicht wieder schnell ausbreiten kann, sollte eigentlich eine Smartphone-App helfen. In Deutschland wird sie jedoch frühestens im Juni starten. Im Hintergrund ist ein Streit über die Rolle von Google und Apple entbrannt.

Die Idee ist einfach: Smartphones merken sich mithilfe verschlüsselter Daten, wer zuletzt in der Nähe war. Meldet ein Nutzer anschließend eine Corona-Infektion, werden seine Kontaktpersonen informiert.

Doch um die Apps herrscht ein gewaltiges Chaos. Zwar sollen und müssen Politiker über die App entscheiden. Für die Umsetzung brauchen sie allerdings die Hilfe von Technologiefirmen. In Deutschland übernehmen die Dax-Konzerne SAP und Deutsche Telekom die App-Entwicklung.

Eine entscheidende Rolle spielen aber auch die Anbieter der Smartphone-Betriebssysteme: Die US-Konzerne Google und Apple müssen das Programm auf Geräten mit ihren Systemen zulassen und eine Schnittstelle öffnen. Dafür stellen sie Bedingungen: Sie wollen, dass möglichst viele Daten auf den Geräten bleiben, also dezentral gespeichert werden. Manche Staaten bevorzugen aber eine zentrale Speicherung.

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    Die Angelegenheit wirft große Fragen auf: Wer hat die Macht darüber, unter welchen Bedingungen sich das Leben in Deutschland und vielen Staaten weltweit wieder normalisieren kann? Können US-Konzerne den Rahmen vorgeben, in dem europäische Staaten mit Technologien gegen das Coronavirus vorgehen, und unterwandern sie damit demokratische Strukturen?

    Schwere Vorwürfe gegen US-Tech-Konzerne

    Genau diesen Vorwurf erhebt die Regierung in Frankreich. Digitalminister Cédric O wirft Google und Apple einen Eingriff in die Souveränität seines Landes vor. Die US-Konzerne machten Vorgaben, welche Art von App genutzt werden könne.

    Zwar lassen sich auch Anwendungen ohne die Schnittstelle von Apple und Google entwickeln, die Funktion ist dann jedoch eingeschränkt. Der französische Ansatz sieht eine zentrale Speicherung der Daten vor – genau das wollen Apple und Google nicht.

    Mit einem ähnlichen Ansatz wie Frankreich testet Großbritannien auf der Insel Wight bereits eine Tracing-App. Dabei ist eine zentrale Speicherung vorgesehen. Allerdings wächst der Druck auf die Regierung, zum von Google und Apple favorisierten Ansatz zu wechseln. Die Behörden arbeiten nun parallel an einer dezentral organisierten Alternative.

    Die Bundesregierung hatte anfangs ebenfalls eine zentrale Speicherung vorgezogen, ist mittlerweile aber auf den dezentralen Ansatz umgeschwenkt. Ob Google und Apple dabei eine Rolle gespielt haben, ist unklar. Aufsehen erregten auch 300 Wissenschaftler, die vor den Risiken eines zentralen Ansatzes gewarnt hatten. Nun schickt Berlin zwei Konzerne vor: SAP und Telekom sollen „auf Augenhöhe“ mit Google und Apple verhandeln.

    Der Schlagabtausch zwischen Regierungen und Digitalkonzernen markiert eine Machtverschiebung. Google und Apple stellen mit Android und iOs zusammen die Betriebssysteme für fast alle Smartphones in Europa. Das heißt: Wer möglichst viele Menschen erreichen und verbinden will, kann das am einfachsten mit ihrer Hilfe.

    Google und Apple entwickeln Bluetooth-Schnittstelle

    Grundsätzlich haben sich die beiden Konkurrenten dazu auch bereit erklärt und kooperieren zu diesem Zweck. Sie entwickeln eine Schnittstelle, mit der sich die Bluetooth-Technik der Geräte besonders effizient einsetzen lassen soll, um Kontakte zu anderen Geräten zu erfassen.

    „Diese Schnittstelle ermöglicht im Prinzip nur die Basisfunktion, dass Smartphones per Bluetooth-Technologie Informationen verschicken und empfangen können“, sagt Thorsten Holz, der an der Ruhr-Universität Bochum zu sicheren IT-Systemen forscht. Das ist die technologische Basis, damit die Nachverfolgung von Infektionen gelingen kann.

    Für die Umsetzung der Apps sind wiederum die Staaten zuständig. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Apple und Google haben angekündigt, dass sie ihre Schnittstelle nur für eine App pro Land öffnen wollen. Gleichzeitig haben sie Vorgaben gemacht, wie die App aussehen darf. Damit vergrößern sie ihren Einfluss weit über die Bereitstellung einer technischen Schnittstelle hinaus.

    Im Ergebnis ist das Durcheinander unterschiedlicher Ansätze in Europa noch gewachsen. Die EU-Staaten versuchen nun mühsam, die nationalen Apps vereinbar zu machen. Schließlich könnten die Grenzen in den kommenden Wochen wieder geöffnet werden und Menschen geschäftlich oder als Urlauber verreisen. Dann soll sich das Virus nicht erneut unbemerkt verbreiten.

    Anfang der Woche wollen Vertreter der Mitgliedstaaten daher vereinbaren, wie zentrale und dezentrale Systeme miteinander kommunizieren können. Dies dann technisch umzusetzen werde aber keineswegs einfach, heißt es in Brüssel.

    Die Intention der Konzerne ist unklar

    Experten sind sich uneins, warum die Konzerne so erpicht auf die dezentrale Verarbeitung der Daten sind. Apple und Google haben als Anbieter der Betriebssysteme immer Zugriff auf die Daten, die über ihre Schnittstellen laufen – egal ob zentraler oder dezentraler Ansatz.

    Die Entwickler von Google und Apple versichern in Hintergrundgesprächen, dass durch ihre Verschlüsselungstechnologie auch für sie keine Rückschlüsse auf die Identität von Infizierten und über eine mögliche Infektion informierter Nutzer möglich sind. Laut Thorsten Holz gilt am Ende das Vertrauensprinzip: „Wenn Sie glauben, dass Google und Apple böse sind, dann sollten Sie gar kein Smartphone nutzen.“

    Für den Schutz und die Sicherheit von Coronadaten bei den Konzernen spricht deren eigenes Interesse, dass ihr Ansatz möglichst gut und sicher funktioniert, argumentiert der Leiter für Internationale Cyber-Sicherheitspolitik bei der Stiftung Neue Verantwortung, Sven Herpig. „Mit einem System, das nicht sicher ist, könnten Google und Apple theoretisch nur verlieren.“

    Ein Team des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit Cispa hatte bereits Mitte April einen Prototyp einer dezentralen Lösung für Deutschland vorgestellt. Bei dem Konzept unter dem Namen DP-3T sei es gelungen, einen hohen Standard beim Datenschutz zu etablieren, sagte Cispa-Chef Michael Backes.

    Mehr: In Deutschland debattieren Experten über das richtige Konzept. In Singapur, Kolumbien oder Norwegen sind Apps im Einsatz. Ein globaler Vergleich.

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