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Corona-Warn-App

Zukünftig soll die Corona-Warn-App auch im Ausland nutzbar sein.

(Foto: imago images/Friedrich Stark)

Kontaktverfolgung Gravierender Fehler behinderte Corona-Warn-App auf Apple-Geräten

Fast sechs Wochen lang hatte die Anwendung auf iPhones weitgehend unbemerkt ein massives Problem. Jetzt soll der Fehler nach Angaben der Telekom beseitigt sein.
25.07.2020 Update: 26.07.2020 - 08:43 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Die Corona-Warn-App soll ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Pandemie sein. Zum Start vor fast sechs Wochen lobte Kanzleramtschef Helge Braun: „Es ist nicht die erste Corona-Warn-App weltweit, aber ich bin überzeugt, es ist die beste.“ Nun müssen die Entwickler der mittlerweile 16,2 Millionen mal heruntergeladenen App von SAP und Deutscher Telekom jedoch Schwierigkeiten einräumen.

Insbesondere auf manchen Apple-Geräten gibt es Probleme, wie Recherchen des Handelsblattes ergaben. Eigentlich funktioniert die App so, dass sie im Hintergrund ständig anonym erfasst, welchen anderen Geräten sich ein Smartphone nähert. Wird dann eine Person positiv auf das Virus getestet und die Information in der App vermerkt, können alle anderen Personen, die sich potenziell infiziert haben, per App eine Warnung erhalten.

Dieser Mechanismus ist jedoch nur eingeschränkt verfügbar. Das hängt damit zusammen, dass die App im Hintergrund immer wieder überprüfen muss, ob einer der aufgezeichneten Kontakte mittlerweile positiv auf das Virus getestet wurde. Dieser Abgleich hat offenbar auf einigen Apple-Geräten nicht reibungslos funktioniert. Apple-Nutzer müssen deshalb selbst aktiv werden.

Probleme laut Telekom in neuer Version behoben

Eine neue Version der Anwendung soll die technischen Probleme jedoch beseitigen, wie ein Telekom-Sprecher am Samstagabend erklärte. Seit Samstagnachmittag stehe ein Update für alle Apple-Nutzer mit dem IOS-Betriebssystem zur Verfügung, teilte das Unternehmen mit. Wenn dies installiert werde, gebe es keine Einschränkungen mehr bei der automatischen Aktualisierung der App.

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    Nach Recherchen des Handelsblattes kam es auf Apple-Geräten mitunter zu mehrtägigen Aussetzern. Die Auswertung von Kontaktprotokollen ergab, dass auf Geräten wie iPhones mitunter tagelange Lücken beim Abgleich der erfassen Kontakte bestanden.

    Nutzer der Geräte wären also erst Tage später über einen Risiko-Kontakt informiert worden. Damit würde die App ihren zentralen Nutzen einbüßen. Denn sie war vor allem mit dem Ziel eingeführt worden, Infektionsketten möglichst schnell verfolgen zu können.

    In dem von Handelsblatt eingesehenen Fällen wurden auf den iPhones zwar weiter die Kontakte zu anderen Geräten erfasst. Ein Abgleich mit der Liste bestätigter Infektionen fand jedoch erst statt, wenn die App aktiv gestartet wurde.

    Bislang hatten SAP und Telekom die App damit beworben, dass sie im Hintergrund laufe und den Nutzer aktiv informieren, sollte ein Risikokontakt festgestellt worden sein. Das Portal tagesschau.de hatte zuerst über die Schwierigkeiten auf Apple-Geräten berichtet.

    Ein Sprecher der Telekom teilte mit, der Grund für den Fehler liege im Apple-Betriebssystem iOS. „Die Entwickler arbeiten mit Hochdruck an einem Weg, die systembedingten Einschränkungen zu umgehen, bis Apple das Systemproblem selbst gelöst hat“, sagte der Sprecher.

    Wie viele Geräte von dem Problem betroffen seinen, sei derzeit nicht bekannt. Nutzer sollten die App ein Mal am Tag aufrufen, um sicherzustellen, dass der Abgleich stattfinden könnte, sagte der Sprecher.

    Apple sei über die Probleme informiert worden und habe die Schwierigkeiten auch eingeräumt, hieß es vonseiten der Telekom. Auf eine Anfrage des Handelsblatts zu den Problemen wollte sich der Apple-Konzern nicht äußern.

    Problem bei Android-Geräten behoben

    Neben Apple-Geräten hatte es auch Schwierigkeiten bei der Hintergrundaktualisierung auf Smartphones mit dem Android-Betriebssystem gegeben. Hier sahen SAP und Telekom den Grund bei Einstellungen zum Sparen des Batterieverbrauches auf Samsung- und Huawei-Smartphones. Mit einem Update der App auf die Version 1.1.1 lässt sich diese Funktion innerhalb der Anwendung direkt deaktivieren.

    Die Rolle von Apple und Google war im Zusammenhang mit der Corona-Warn-App mehrfach kritisch hinterfragt worden. Sie stellen die Schnittstelle bereit, auf der die Kontakte zu anderen Geräten erfasst werden. „Durch ihre Marktdurchdringung von 99 Prozent ist ein standardisiertes Protokoll unumgänglich, eben auch für einen kompatiblen Einsatz in Europa“, hatten die Entwickler der App argumentiert.

    Es kam jedoch mehrfach zu Problemen mit dem Einsatz der App, die auf Schwierigkeiten in den Betriebssystemen zurückzuführen waren. Erst Updates von Apple und Google können die Probleme lösen.

    Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, forderte von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Aufklärung über die Panne bei der Corona-Warn-App. „Es war zu erwarten, dass früher oder später auch bei der Corona-App Programmierfehler zu Tage treten. Wie viele Geräte aktuell genau betroffen sind kann man noch nicht sagen“, sagte Zimmermann. „Ich erwarte hierzu schnelle Aufklärung durch Minister Spahn.“

    Zimmermann sagte dazu: „Es ist mehr als ärgerlich, dass die zuständigen Fachpolitiker von dieser Sache aus den Medien erfahren. Ich hätte mir eine offene Kommunikation durch das Gesundheitsministerium gewünscht.“

    Grüne fordern Aufklärung von Spahn

    Die Grünen haben von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Aufklärung zu den Problemen bei der Corona-Warn-App gefordert. „Der Minister soll umgehend darlegen, wie er die bestehenden Schwachstellen zu beheben gedenkt”, sagte der industriepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Dieter Janecek, dem Handelsblatt. „Angesichts erneut steigender Infektionszahlen brauchen wir dringend eine App, die alle schützt und die massiven Investitionen rechtfertigt.”

    Janecek erinnerte daran, dass über 20 Millionen Euro in die Entwicklung der App gesteckt worden seien, bis zu 70 Millionen Euro seien für ihren weiteren Betrieb kalkuliert. „Da müssen die Bürgerinnen und Bürger erwarten können, dass der versprochene Schutz auch wirklich uneingeschränkt allen offen steht”, betonte der Grünen-Politiker.

    Mitarbeit: Dietmar Neuerer

    Mehr: Nach einem Monat Corona-Warn-App fällt die Zwischenbilanz durchwachsen aus.

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