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Kooperation mit Google Digitalisierung auf Kosten von Start-ups? Gründer sauer auf die Deutsche Bahn

Seit Jahren verweigert der Staatskonzern deutschen Start-ups Zugriff auf aktuelle Fahrplandaten. Jetzt gibt die Bahn diese heraus – an Google. Ein Fall für die Kartellwächter?
20.07.2021 - 08:51 Uhr 1 Kommentar
„Eines macht die DB nicht: Echtzeit- und Prognosedaten wie selbstverständlich und ohne jede Gegenleistung Plattformen zur Verfügung stellen“, heißt es von der Bahn. Quelle: dpa
DB-Navigator-App

„Eines macht die DB nicht: Echtzeit- und Prognosedaten wie selbstverständlich und ohne jede Gegenleistung Plattformen zur Verfügung stellen“, heißt es von der Bahn.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Naren Shaam ist sauer: „Diese Anti-Kooperation der Deutschen Bahn ist ein Schlag gegen uns“, sagt er. Seit Jahren fordert der Gründer der Reiseplattform Omio mit anderen Start-up-Unternehmern von der Bahn, Livedaten zu verspäteten Zügen freizugeben. Sie wollen damit neue Dienstleistungen anbieten.

Jetzt kündigt der Staatskonzern an, die begehrten Daten zu teilen. Allerdings nicht mit Shaams Berliner Start-up – sondern mit dem US-Tech-Riesen Google. Das ist eine Provokation in dem Streit, in dem das Bundeskartellamt bereits Untersuchungen anstrengt. Es geht um knallharte Monopolvorwürfe und die Frage, ob die Deutsche Bahn (DB) nun einen Schritt zu weit gegangen ist.

Nutzer von Googles Kartendienst Maps können künftig in Echtzeit sehen, wenn sich die Abfahrtszeit ihres Zuges oder das Abfahrtgleis ändert. Das vereinfacht die Routenplanung von unterwegs – vor allem, wenn Auto und Bahn kombiniert werden oder Touristen ohne Bahn-App Deutschland durchqueren. DB-Fernverkehr-Chef Michael Peterson spricht in einer Mitteilung von einem „Riesenschritt Richtung Mobilitätswende, denn Ausbau digitaler Services stärkt die klimafreundliche Schiene“.

Aus Sicht von Naren Shaam dagegen blockiert die Bahn solche Innovationen seit Jahren, um die eigene Navigator-App zu schützen. Nutzer seiner Plattform können Preise, Fahrzeiten und Routen vergleichen und Tickets und andere Dienstleistungen rund ums Reisen direkt buchen. Eigentlich: Denn in Deutschland sei das Angebot wegen „steuerfinanzierten Monopolverhaltens“ des Staatskonzerns nur eingeschränkt möglich.

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    Omio operiert in 37 Ländern und ist vor allem bei international Reisenden beliebt, die sich mit den Verkehrsanbietern vor Ort nicht auskennen. Die jüngste Bewertung der Firma beläuft sich Schätzungen zufolge auf knapp eine Milliarde Dollar.

    Bahn will „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“

    Das wäre undenkbar, wenn sich die Verkehrsunternehmen überall so verhalten würden wie die Bahn: „Kunden können nicht Flug und Zug, Zug und Bus kombinieren. Sie können nicht grenzübergreifend mit zwei verschiedenen Schienenverkehrsunternehmen planen“, sagt Shaam zur Situation in Deutschland. Das habe auch negative Auswirkungen auf Qualität und Preise. Nun erhebt er einen neuen Vorwurf zum Missbrauch der Marktmacht: „Wenn man mehr als 95 Prozent des Markts besitzt, darf man sich seine Partner nicht nach Belieben rauspicken.“

    Tatsächlich sind die Wettbewerbshüter bereits alarmiert. Das Bundeskartellamt untersucht etwa, „inwieweit Mobilitätsplattformen Zugang zu aktuellen Abfahrts- und Verspätungsdaten tatsächlich benötigen, um neue Mobilitätskonzepte wie durchgängige, intermodale Reiseketten anbieten zu können“, sagt Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt dem Handelsblatt: „Der Zugang zu Echtzeitdaten ist ein Kernpunkt der Ermittlungen und des Verfahrens.“

    Abgesprochen war das neue Projekt mit den Kartellwächtern nicht. Mundt sagt jedoch: „Zunächst einmal ist der DB eine Kooperation mit einem Unternehmen wie Google nicht grundsätzlich verboten.“ Damit würde aber nicht eine etwaige Pflicht entfallen, auch anderen Firmen die Daten zu geben.

    Bahn und Google sprechen explizit von einer „nicht-exklusiven“ Partnerschaft. Aber die erneute Absage an die Start-ups steht zwischen den Zeilen. Die strategische Partnerschaft mit Google zeige deutlich, wo die Bahn mit Kooperationen hinwolle, schreibt Manuel Gerres, Geschäftsführer Deutsche Bahn Digital Ventures, im Berufsnetzwerk LinkedIn: „Entwicklungen, Win-Win (Geschäfts-)Modelle, Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“

    Was das genau heißen soll, erklärt eine Bahn-Sprecherin auf Nachfrage: Kooperationsverträge sicherten Innovationskraft, „indem alle Partner einen fairen Beitrag zur Finanzierung von Investitionen und zur Qualität der digitalen Dienstleistungen einbringen“, sagt sie. „Eines macht die DB nicht: Echtzeit- und Prognosedaten wie selbstverständlich und ohne jede Gegenleistung Plattformen zur Verfügung stellen.“

    Google verspricht der Bahn seinerseits mehr Kunden: Der US-Konzern will direkt zur Ticketbuchung auf der Bahn-Seite verlinken.
    Klar ist: Omio will natürlich auch am Verkauf der Tickets beteiligt werden. Im Vordergrund steht aber das Problem, dass Nutzer in Deutschland bislang gar nicht an der Navigator-App vorbeikommen, wenn sie über Verspätungen informiert werden wollen. Und dann entscheiden sich die meisten auch gegen eine Zweit-App.

    Zum Aufbau seines Start-ups hat der Berliner Gründer bereits 400 Millionen Dollar eingesammelt (339 Millionen Euro). Aber ohne die Daten der Bahn wird sich sein Start-up Omio in Deutschland nicht durchsetzen. Quelle: Pressefoto
    Naren Shaam

    Zum Aufbau seines Start-ups hat der Berliner Gründer bereits 400 Millionen Dollar eingesammelt (339 Millionen Euro). Aber ohne die Daten der Bahn wird sich sein Start-up Omio in Deutschland nicht durchsetzen.

    (Foto: Pressefoto)

    Unterstützung bekommt Omio von Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter für die Grünen und Mitglied im Verkehrsausschuss. Die Deutsche Bahn operiere im Fernverkehr zwar eigenwirtschaftlich und könne daher selbst entscheiden, wie sie Leistungen bewerbe und Informationen zugänglich mache, sagt er. Eine Kooperation mit nur einem Unternehmen sei aber kritisch zu hinterfragen, da sich die Deutsche Bahn in einer Monopolsituation befinde: „Warum nun ausgerechnet Google – ebenfalls ein Monopolist – hier als Kooperationspartner ausgesucht wurde, ist dringend zu begründen“, sagt Gastel: Die „Kooperation ist sicherlich durch eine Kartelluntersuchung zu prüfen“.

    Mit Flixmobility streitet die Bahn um Bezahlschnittstellen

    Grundsätzlich fordern Gastel und seine Partei mehr Offenheit der Bahn zur Zusammenarbeit mit anderen Anbietern – bei Fahrplandaten wie bei Bezahlschnittstellen. Nur damit könnten unternehmensübergreifend Fahrten aus einer App gebucht werden. Daneben sollten laut dem Abgeordneten „Anbieter wie beispielsweise Flixtrain gegen eine angemessene Aufwandsentschädigung ihre Angebote im DB Navigator anbieten dürfen“.

    Auch hier blockiert die Bahn aus Sicht der neuen Wettbewerber von Flixmobility den Zugang zum Markt. Auf Bahn.de erwarteten Kunden schon aufgrund des Namens alle Bahn-Angebote auch über die der Deutschen Bahn hinaus, sagt eine Sprecherin der Münchner Firma. Flixtrain werde als privater Anbieter allerdings nur sporadisch angezeigt, und eine Buchung sei nicht möglich. „Das ist diskriminierend und verhindert fairen Wettbewerb und das Fahrgastwachstum auf der Schiene gleichermaßen.“

    Für Omio-Gründer Naren Shaam ist unverständlich, wieso in Deutschland viel über die Monopolmacht von Google gesprochen wird, aber im Fall der Deutschen Bahn noch nicht gehandelt wurde. Jetzt könnten beide Unternehmen ihm sogar zusammen das Geschäft erschweren. Zwar sind die Umsätze nach Aussagen des Gründers auf gutem Weg zum Vorkrisenniveau. Aber für das wagniskapitalfinanzierte Start-up geht es noch viel mehr um langfristige Prognosen: Gerüchten zufolge lotet die Firma derzeit einen Börsengang per Spac aus.

    Ob und wie der neueste Vorstoß der Bahn das laufende Verfahren beim Bundeskartellamt noch beeinflussen kann, ist unklar. „Wir haben die Ermittlungen weitgehend abgeschlossen“, sagt Kartellamtspräsident Mundt. Die beteiligten Unternehmen würden dann informiert und könnten Stellung nehmen. Einen Zeitplan will er nicht nennen. Gut möglich, dass die Start-ups ihrem Ärger noch mal Luft machen. Für Friedensverhandlungen stehen die Zeichen schlecht.

    Mehr: Flixmobility nun drei Milliarden Dollar wert

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    1 Kommentar zu "Kooperation mit Google: Digitalisierung auf Kosten von Start-ups? Gründer sauer auf die Deutsche Bahn"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Kooperation auf Augenhöhe heisst doch: Bahn-fast-monopolist mit Suchmaschinen-fast-monopolist. Mal sehen was da kreisst und geboren wird..... Da stören quirlige Startups nur, sei es flixtrain oder alternative Verkehrs-apps. Die startups habe kein 10 Jahre Zeit, sich in Berliner Lobbykreise und der Beamtenbahn hochzudienen, und werden sich im Ausland bessere Entwicklungsmöglichkeiten für Digitalisierungsprojekte suchen.

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