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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn CDU steht nach Problemen mit der Corona-Warn-App in der Kritik.

(Foto: imago images/photothek)

Kritik an Informationspolitik Sorge um die Akzeptanz der Corona-Warn-App

Auch wenn ein Update nun die Probleme bei der Corona-Warn-App lösen soll, gibt es weiter Unmut. Im Zentrum der Kritik: Gesundheitsminister Spahn.
27.07.2020 Update: 27.07.2020 - 13:00 Uhr 1 Kommentar

Berlin Die Probleme bei der Corona-Warn-App sind nach Angaben der Entwickler beseitigt worden, nun steht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wegen seiner Informationspolitik zu den Problemen in der Kritik.

Es sei „dringend erforderlich, dass Minister Spahn eine Transparenzkultur in seinem Ministerium etabliert“, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, dem Handelsblatt. „Ich habe das Gesundheitsministerium am Freitag um eine dringende Unterrichtung über die Probleme mit der Corona-App gebeten.“ Eine Antwort stehe noch immer aus. Er erwarte nun, dass der Digitalausschuss des Bundestags „zeitnah“ über die aufgetretenen Probleme informiert werde.

Kritik kommt auch aus der Wirtschaft. „Das Bundesgesundheitsministerium muss nun genauestens erklären, was möglicherweise nicht optimal funktioniert hat, und weiter dafür werben, dass die App installiert und genutzt wird“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), Marco Junk. „Der Fokus muss jetzt auf transparenter Kommunikation liegen. Diese sollte Vertrauen stiften und zur Nutzung motivieren.“

Auf dem Apple-Betriebssystem iOS hatte die Warn-App zwar wie versprochen ständig anonyme Codes mit anderen Nutzern ausgetauscht, die Warnung vor gefährlichen Begegnungen erfolgte allerdings nicht im Hintergrund, sondern nur wenn die App aktiv geöffnet war. Ähnliche Probleme tauchten bei bestimmten Android-Smartphones auf.

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    Junk fürchtet angesichts der App-Probleme um die Akzeptanz für die Anwendung. Zwar sei es nicht überraschend, „dass bei einem so ambitionierten Projekt, für das es in dieser Größenordnung keinen Vergleich gibt, bei der Vielfalt der Smartphone-Landschaft und Betriebssysteme nicht sofort alles perfekt ineinandergreift“. Dennoch wirke das Ausmaß der Berichterstattung über Probleme mit der App auf einen gewissen Teil der Nutzer „wahrscheinlich nicht vertrauenerweckend“.

    Auch der SPD-Digitalpolitiker Zimmermann sagte, Probleme mit einer neuartigen Anwendung wie der Corona-App seien „nicht ungewöhnlich“. Es sei gut, dass die Fehler jetzt bekannt geworden seien und vor einer möglichen zweiten Welle behoben werden konnten. BVDW-Geschäftsführer Junk betonte, dass die App an sich ihre Aufgabe erfülle. „Das Problem betrifft allein die Aktualisierung ohne Aufruf der App.“

    Regierung und Entwickler geben Erklärung ab

    Der Grünen-Digitalpolitiker Dieter Janecek mahnte: „Angesichts erneut steigender Infektionszahlen brauchen wir dringend eine App, die alle schützt und die massiven Investitionen rechtfertigt.“ Er erinnerte daran, dass über 20 Millionen Euro in die Entwicklung der App gesteckt worden seien, bis zu 70 Millionen Euro seien für ihren weiteren Betrieb kalkuliert. „Da müssen die Bürgerinnen und Bürger erwarten können, dass der versprochene Schutz auch wirklich uneingeschränkt allen offensteht“, betonte Janecek.

    Am Sonntagabend erklärten Kanzleramtschef Helge Braun, Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU), Telekom-Chef Timotheus Höttges und SAP-Vorstandssprecher Christian Klein: „Wie bei jeder neuen Entwicklung gibt es technische Herausforderungen. Nicht auf allen Mobiltelefonen lief die Anwendung der App ohne Einschränkungen.“ Die App habe zu jeder Zeit automatisch anonyme Schlüssel ausgetauscht.

    Der Austausch der Schlüssel von positiv getesteten Nutzern habe bei einigen Nutzern allerdings nicht immer automatisch im Hintergrund funktioniert, sondern nur, wenn sie die App einmal geöffnet hatten. „Für die Bundesregierung, wie für die Entwickler der Unternehmen war von Anfang an klar: Die Entwicklung der Corona-Warn-App ist nicht mit dem Start abgeschlossen, sondern ein Projekt, an dem wir täglich weiterarbeiten, um die App zu verbessern.“

    Der Präsident des IT-Verbands Bitkom, Achim Berg, verteidigte die App als Vorzeigeprojekt der deutschen IT, das weltweite Aufmerksamkeit erzeuge. „Die Entwickler sind damit auf bislang unbekanntes technologisches Terrain vorgestoßen, noch vor den großen IT-Nationen USA und China“, sagte Berg dem Handelsblatt. Dass dabei Nachbesserungen nötig würden, sei klar gewesen und bei einem solchen Projekt ganz normal. „Auch hier haben die Entwicklerteams gezeigt, dass sie schnell und erfolgreich agieren können.“

    Inzwischen werde die App in immer mehr Ländern eingesetzt, sagte Berg weiter. Wenn sie von genügend Menschen genutzt werde, könne sie eine ganz zentrale Rolle bei der Bekämpfung der Pandemie spielen. „Mit der Corona-Warn-App hat Deutschland bewiesen: Wir können digital“, betonte der Bitkom-Präsident.

    Der CDU-Digitalpolitiker Tankred Schipanski wies indes die Verantwortung für die App-Probleme allein auf Telekom und SAP zu, die die Corona-App zur Marktreife geführt hätten. „Wenn nunmehr Fehler auftreten, sind diese durch die beiden Akteure unverzüglich zu beheben“, sagte Schipanski dem Handelsblatt. „Dort liegt die Verantwortung für die operative Umsetzung der App.“

    Seit Samstagnachmittag steht ein Update für alle Apple-Nutzer mit dem iOS-Betriebssystem zur Verfügung. Damit werden nach Angaben des Softwarekonzerns SAP und der Deutschen Telekom die technischen Probleme beseitigt, die auf vielen iPhones aufgetreten waren. Anwender müssen dazu im App Store eine Aktualisierung vornehmen.

    FDP für Informationskampagne

    Die Warn-App hatte auf iPhones zwar wie versprochen ständig anonyme Codes mit anderen Nutzern ausgetauscht. Die Warnung vor gefährlichen Begegnungen erfolgte aber nur, wenn die Anwendung geöffnet wurde. Ähnliche Probleme waren auch schon bei bestimmten Android-Smartphones bekannt geworden. Dafür steht bereits seit einigen Tagen eine Aktualisierung bereit.

    Wegen der technischen Probleme bei der Corona-Warn-App hatte die Deutsche Stiftung Patientenschutz Aufklärung gefordert. Die App sei ein wichtiger Baustein, um das Coronavirus in Schach zu halten. Dass sie nur lückenhaft funktioniere, beunruhige die über 15 Millionen Nutzer.

    Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, befürchtet, dass das nötige Vertrauen in die App Schaden nehmen könnte. Er forderte: „Die Bundesregierung muss nach dieser Pannenserie für Transparenz sorgen und gezielt App-Nutzer, Öffentlichkeit und das Parlament umgehend und umfassend informieren.“

    Theurer plädierte für eine Kommunikationskampagne, um Vertrauen zurückzugewinnen und die Menschen vom Nutzen der App zur Bekämpfung des Virus neu zu überzeugen. „Schließlich fordere ich die Bundesregierung auf, Lösungen für ältere Smartphones und zur vernetzten Anwendung der App in ganz Europa zu entwickeln“, sagte der FDP-Politiker.

    Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Außerdem kann sie dazu beitragen, dass Menschen nach einem Coronavirus-Test möglichst schnell ihr Testergebnis digital erhalten und über die App anonym mögliche Kontaktpersonen warnen können, wenn diese auch die App installiert haben. Mittlerweile wurde die App 16,2 Millionen Mal heruntergeladen.

    Mehr: Probleme mit der Corona-Warn-App: Was Apple-Nutzer dringend machen müssen

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    Mehr zu: Kritik an Informationspolitik - Sorge um die Akzeptanz der Corona-Warn-App
    1 Kommentar zu "Kritik an Informationspolitik: Sorge um die Akzeptanz der Corona-Warn-App"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Corona-App wurde unter extrem schwierigen Umständen (Datenschutzdiskussion ohne Ende) in sehr kurzer Zeit entwickelt. Kinderkrankheiten sind zu erwarten.
      Die Kritik an der Regierung ist da ziemlich albern, letztlich hat ja nicht Jens Spahn die App programmiert. Und Who the heck is "Deutsche Stiftung Patientenschutz"? Spielt diese Vereinigung irgendeine Rolle? Jede Verlautbarung von irgendeiner unbedeutenden Person oder IG wird heute tausendfach verstärkt, auch durch solche HB Artikel. So wird die Akzeptanz dann wirklich gefährdet.

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