Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Jakob Breuninger (links im Bild) und Valentin Belser

Die Unternehmer gründeten Delicious Data 2017.

(Foto: Delicious Data)

Künstliche Intelligenz Big Data für die Großgastronomie: Delicious Data gewinnt namhafte Investoren

Die Software der Gründer Breuninger und Belser soll Unternehmen helfen, weniger Essensabfälle zu produzieren. Nun ist ihnen die Anschubfinanzierung gelungen.
Kommentieren

München Die entscheidende Idee kam Valentin Belser, als er hungrig war. An diesem Tag schaffte er es am Mittag erst spät in die Kantine der Stuttgarter Uni – und hatte Sorge, dass sein Lieblingsgericht Linsen mit Spätzle schon aus sein könnte. Doch obwohl es kurz vor Schließung war, gab es noch viele Portionen. „Da habe angefangen, darüber nachzudenken, wie so eine Großgastronomie die Zahl der Essen plant.“

Das Ergebnis seiner Recherchen: In großen Küchen werden viele Lebensmittel weggeschmissen, weil sie keinen Abnehmer finden. Laut aktuellen Schätzungen auf Basis von Zahlen des Bundesernährungsministeriums wandern bei Großverbrauchen allein in Deutschland jedes Jahr etwa 1,9 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Abfall.

Ein Grund dafür: Mensen, Wirtshäuser und Kantinen bereiten mehr Essen vor, als am Ende benötigt wird. „Die Hälfte wäre vermeidbar“, ist der 28-jährige Belser überzeugt.

Um dem Lebensmittelüberschuss ein Ende zu setzen, gründete der Student der Luft- und Raumfahrttechnik gemeinsam mit dem heute 27-jährigen Jakob Breuninger das Start-up Delicious Data. Die junge Firma hat eine Software entwickelt, die auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) die Warenverkäufe in der Gastronomie prognostiziert. „Wir haben eine Methode entwickelt, die auf maschinellem Lernen basiert“, sagt Breuninger, der seinen Master in Robotik und Maschinellem Lernen gemacht hat.

„Damit lassen sich der Entscheidungsprozess des Gastes nachvollziehen und auch Prognosen für völlig neue Rezepte berechnen.“

Denn der Algorithmus analysiert die Verkaufshistorie und kombiniert diese mit externen Faktoren wie Wetter und Urlaubszeiten. So sollen sich Gastronomen und Küchenleitungen auf präzise Prognosen für die Zahl der benötigten Essen stützen können. „Wir haben über ein Jahr gebraucht, um den Algorithmus zu entwickeln“, sagt Breuninger, der Delicious Data mit Belser 2017 gründete. Daher sei das Geschäftsmodell auch nicht so einfach kopierbar. Durch die Software wird das Wegwerfen nicht verbrauchter Lebensmittel verhindert – und gleichzeitig werden Kosten gespart.

Nun ist Delicious Data die Seed-Finanzierungsrunde, eine Anschubfinanzierung, gelungen, wie das Handelsblatt vorab erfuhr. Dabei konnte das Unternehmen prominente Investoren gewinnen. So beteiligen sich unter anderem der Feinkost-Spezialist Michael Käfer als Finanzinvestor, Doodle-Gründer Myke Näf und Bayern Kapital, eine Tochter der staatlichen LfA Förderbank. Bei der Kontaktaufnahme zu den Investoren half das Investorennetzwerk BayStartup.

„Das ist eine gute Kombination aus einem überzeugenden Team und einem attraktiven Geschäftsmodell“, sagt Georg Ried, Geschäftsführer bei Bayern Kapital. Die Gründer seien kompetent und sehr fokussiert. „Am Ende entscheiden immer die Personen, ob ein Start-up erfolgreich wird.“

Delicious Data ist in einem Bereich aktiv, der laut Ried in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat: Es geht um „Sustainable Venture Capital“.

Viele Investoren und Fonds achteten heute nicht mehr nur auf die wirtschaftlichen Kennziffern, sie seien auch daran interessiert, in Nachhaltigkeitsthemen zu investieren. „Und hier gibt es ein Unternehmen mit einer zukunftsträchtigen Software, die auch etwas Gutes für die Umwelt tut“, sagt Ried. Bayern Kapital investiert jedes Jahr etwa 25 Millionen Euro als Co-Investor in Start-ups und ist derzeit bei etwa 75 Firmen engagiert.

Testbetrieb gestartet

Momentan befindet sich die Software im Testbetrieb bei mehr als 30 Hochschulmensen. Zudem wird die Technik in drei Betrieben von Deutschlands zweitgrößtem Catering-Dienstleister Aramark getestet.

Der potenzielle Markt für die Software der Gründer ist groß. Allein in Deutschland gibt es 30.000 großgastronomische Betriebe. Während in der Industrie der Einsatz vergleichbarer Software schon üblich ist, steht sie in der Gastronomie noch am Anfang.

Aktuell gibt es Monitoring-Systeme, bei denen zum Beispiel die Abfälle gewogen werden. So weiß der Gastronom zumindest, wie viel er wegschmissen, und kann aus diesen Informationen Schlüsse für die künftige Planung ziehen. Es gibt bereits mehrere Start-ups, die bereits an einem ähnlichen Programm wie Delicious Data arbeiten. Leanpath zum Beispiel, das bereits in den USA, Großbritannien, Spanien und Australien präsent ist.

Daher ist für Delicious Data Tempo entscheidend. „Es funktioniert nur, wenn man große Datenmengen aggregiert“, sagt Breuninger. Denn die Algorithmen müssen mit möglichst vielen Informationen gefüttert werden. Nur so können die Daten aus einer Mensa auch in anderen Einrichtungen verwendet werden. Es ist also der Anbieter im Vorteil, der früh am Start ist und Kunden – und damit auch Daten – gewinnt. „Das Geschäftsmodell ist einfach skalierbar. Wir spüren bereits eine große Nachfrage“, sagt Belser.

Für die Kunden rechnet sich der Einsatz schnell. Eine Mensa mit 3000 Gästen am Tag hat den Gründern zufolge ein Einsparpotenzial von 50.000 Euro.

Mit der Finanzierungsrunde ist Delicious Data nun ein wichtiger Schritt gelungen. In der sehr frühen Phase gebe es heutzutage oft gute Möglichkeiten für die Unternehmensfinanzierung, sagt Bayern-Kapital-Geschäftsführer Ried. Das liege zum einen an den öffentlichen Investoren, aber auch an den Business Angels, die sich verstärkt engagierten.

Schwieriger sei es, in der späteren Phase genug Kapital einzusammeln, um die Firma richtig groß zu machen. „Wir müssen unsere Firmen leider oft zu früh verkaufen, bevor deren Potential voll entwickelt werden kann“, sagt Ried.

Doch soweit ist es bei Delicious Data noch nicht. Mit der Finanzierungsrunde ist die Entwicklung in den nächsten anderthalb Jahren gesichert. Die Gründer wollen den Vertrieb ausbauen, Software-Experten einstellen und die Produktpalette erweitern.

So arbeitet Delicious Data bereits an einem Speiseplan-Generator, der dem Wirt helfen soll, die perfekte Speisekarte zu erstellen.

Mehr: Online-Bestellplattformen sollen Lieferdienste der Großhändler mit den Kunden enger verzahnen. Metro treibt diese Entwicklung mit neuen Tools voran.

Startseite

Mehr zu: Künstliche Intelligenz - Big Data für die Großgastronomie: Delicious Data gewinnt namhafte Investoren

0 Kommentare zu "Künstliche Intelligenz: Big Data für die Großgastronomie: Delicious Data gewinnt namhafte Investoren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote