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Künstliche Intelligenz Warum sich digitale Assistenten wie Alexa noch schwertun

Sprachtechnologie wie Alexa gilt als Schlüssel für die gesamte Techbranche. Aber die Realität ist von den kühnen Visionen noch weit entfernt.
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Ein entscheidendes Problem besteht darin, dass es der Künstlichen Intelligenz an menschlichem Verständnis fehlt. Quelle: Bloomberg
Neue Alexa-Geräte von Amazon

Ein entscheidendes Problem besteht darin, dass es der Künstlichen Intelligenz an menschlichem Verständnis fehlt.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Alexa, bist du da? Sprachassistenten wie das System von Amazon werden immer beliebter, ob für die Bedienung von Lautsprechern oder Smartphones. Die Verbreitung der Technologie dürfte weiter steigen, in den Entwicklungsplänen vieler Elektronikhersteller und IT-Konzerne hat sie hohe Priorität – bald sollen auch Mikrowellen, Kühlschränke und sogar Brillen aufs Wort hören.

Die Vision ist ein Computer, der überall erreichbar ist und alle Fragen beantwortet, wie es Science-Fiction-Fans vom Raumschiff Enterprise kennen. Die Realität ist davon jedoch noch weit entfernt. Zwar können Nutzer mit den digitalen Assistenten von Amazon, Google, Apple und Samsung Nachrichten vorlesen und die Abholung der braunen Tonne ansagen lassen, Pizza bestellen und das Licht einschalten.

Allerdings spielt ein großer Teil nur Musik ab. „Im Mittelpunkt stehen einfache Einsatzfelder wie allgemeine Suchfunktionen, die Abfrage von Wetterdaten oder das Anrufen von Personen aus der eigenen Kontaktliste“, bilanzierte die Beratungsgesellschaft Deloitte nach einer weltweiten Umfrage.

Die Programme von externen Unternehmen und Entwicklern – bei Amazon Skills genannt – kommen ebenfalls vergleichsweise selten zum Einsatz. „Es gibt zwar viele Skills, aber von denen werden die meisten kaum genutzt“, sagt Dominik Meißner, Mitgründer der Agentur 169 Labs, die Anwendungen für digitale Sprachassistenten entwickelt. Teils sei der Nutzen zu gering, teils die Bedienung zu kompliziert. In beiden Fällen sei das Resultat das gleiche.

Künstlicher Intelligenz mangelt es an menschlichem Verständnis

Bei der Agentur kennt man das aus eigener Erfahrung. „Anfangs haben wir überschätzt, was man vom Nutzer erwarten kann“, sagt Meißner. Ohne eine visuelle Nutzeroberfläche – also einen Bildschirm – müsse die Bedienung deutlich simpler sein. Listen könne man sich beispielsweise nicht merken. 169 Labs, das unter anderem „Quizduell“ für Sprachassistenten angepasst hat, führt nun die Anwender mit konkreten Fragen durch die Navigation.

Ein entscheidendes Problem besteht darin, dass es der Künstlichen Intelligenz an menschlichem Verständnis fehlt. So müssen die Sprachbefehle meist eine bestimmte Form haben und bestimmte Begriffe nutzen – weichen Nutzer davon ab, wird es für die digitalen Assistenten schwierig. Das Problem: Je mehr Funktionen und Programme zum Einsatz kommen, desto mehr Vokabular ist nötig.

Auch das Verständnis für Zusammenhänge fehlt. Wer etwa beim Kochen mit der Chefkoch-Anwendung wissen will, wie viele Eier in den Kuchenteig kommen oder ob die Nüsse gehackt oder geraspelt werden, muss dafür in der Anleitung mehrere Schritte zurückgehen. Das ist für den Anwender umständlich – der Prozess gerät ins Stocken.

Hinzu kommt: Bislang war es schwierig, mit diesen Programmen Geld zu verdienen – erst seit Juni ist beispielsweise bei Amazon der Verkauf von Inhalten über Skills möglich, bei den anderen Anbietern noch gar nicht. Wenn es nicht um die Stärkung der Marke oder die Kundenbindung geht, fehlt ein Geschäftsmodell. Vielen Programmen merkt man das an: Sie wirken unausgereift.

Für 169-Labs-Chef Meißner ist das jedoch nur eine Momentaufnahme, ähnlich wie bei der ersten Generation des iPhone, die 2007 auf den Markt kam. „Am Anfang haben die Nutzer das Gerät dreimal am Tag rausgeholt, heute 300-mal. Mit den Sprachassistenten wird es ähnlich sein: Sie werden uns besser verstehen – und wir werden seltener das Smartphone rausholen.“

Mehr: Beim umstrittenen Umgang mit Sprachaufzeichnungen räumt Amazon-Manager David Limp Versäumnisse ein. Dass Menschen die Aufnahmen abhören, hält er aber weiter für richtig.

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1 Kommentar zu "Künstliche Intelligenz: Warum sich digitale Assistenten wie Alexa noch schwertun"

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  • Das genau ist das Problem: die Brot-und-Butter-KI versteht nicht wirklich menschliche Sprache sondern nur einfache Sprachmuster - jeder Struppi ist da weit besser. Natürlich kann man so nicht sinnvolle Gespräche über alle Aspekte des menschlichen Lebens führen, geschweige denn über anspruchsvolle Themen, die konkretes Wissen verlangen.
    Und die dauernd zitierten "Lernenden Algorithmen" helfen da gar nicht, im Gegenteil. Um das Rezept-Beispiel weiter zu spinnen: was, wenn ein Lernender Koch-Algorithmus mal ausprobiert, ob nicht vielleicht Strychnin eine interessante Gewürz-Variante wäre. Daraus, daß Nachbestellungen von den entsprechend belieferten Kunden ausbleiben, schließt die künstlich-lernende Intelligenz, daß es ihnen wohl nicht geschmeckt hat; wenigstens verzichtet sie dann zukünftig Gott-sei-Dank auf diese Variante.
    Dabei gibt es seit etlicher Zeit die Linguistische Künstliche Intelligenz: in dieser kommunizieren jeweils auf ein Wissensgebiet spezialisierte künstliche Intelligenzen in natürlichen Sprachen untereinander und mit ihren menschlichen "Kollegen". Dabei nutzen sie - vor allem - die inzwischen nahezu unendlichen Wissensbestände im Internet.
    Warum kein digitaler Assistent sondern nur professionelle Industrie-Firmen diese KI nutzen, weiß ich nicht. Ist sie für die Amateure vielleicht zu schwierig ...?

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