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Kurzfilme Netflix für die Smartphone-Ära: Quibi will den Streamingmarkt aufmischen

Der Netflix-Konkurrent kann zum Marktstart mit namhaften Hollywood-Stars aufwarten. Quibi will die technischen Möglichkeiten von Smartphones ausschöpfen.
09.01.2020 - 09:45 Uhr Kommentieren

Netflix-Konkurrenz: Diese Innovationen bieten neue Streaming-Anbieter

Las Vegas Es ist spät am Abend. Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa in ihrem nur mit einer Stehlampe beleuchteten Wohnzimmer. Es klopft an der Haustür. Ein älterer Mann mit einem Paket ruft, dass sie öffnen soll. Die Frau sieht den grauhaarigen Mann auf ihrem Handy-Display, das mit einer smarten Kamera-Türklingel der Google-Tochter Nest verbunden ist. Die Frau bittet ihn, das Paket einfach auf die Schwelle zu legen – er will, dass sie endlich öffnet. Beide werden lauter, bis der Mann schließlich wütend weggeht.

Die Szene ist Teil der Serie „Nest“, die ab April auf dem Kurzfilm-Streamingdienst Quibi laufen wird. Der Star des Clips sind nicht die Schauspieler, sondern „Turnstile“ (Drehkreuz): Dank der Video-Technologie sieht der Nutzer einen anderen Ausschnitt, wenn er sein Smartphone hochkant oder quer hält: Hochkant sieht man das Handy-Display der Frau – und darauf den zornigen Besucher vor der Haustür oder ihr Gesicht in der Chat-App, als sie erfolglos versucht, ihren Vater anzurufen. Und quer ein Panorama des gleichen Moments, wie sie verängstigt durch das leere Haus läuft.

„Fortschritt in der Unterhaltung wurde immer vom Zusammenspiel von Kreativität und Technologie getrieben“, sagt Jeffrey Katzenberg auf der Bühne in Las Vegas. Immer mehr Videos würden auf dem Smartphone gesehen. Trotz dieser Revolution behandelten die Apps auf dem Markt das Telefon weiter wie einen geschrumpften Fernseher. Die Netflix-App zeigt jedes Bild im Querformat, auch wenn man das Smartphone hochkant hält.

Wenn Katzenberg redet, hört Hollywood zu. Als Chairman von Disney in den 1990er-Jahren war er für die Wiedergeburt des „House of Mouse“ verantwortlich, für Evergreens wie „Arielle“ oder den „König der Löwen“. Später gründete er Dreamworks („Shrek“, „Madagascar“). Und nun Quibi.

Quibi steht für Quick Bites, schnelle Happen. Es soll Filme auf der Plattform geben („Movies in Chapters“), Serien („Episodic Shows“) und Nachrichten („Daily Essentials“). Aber alles in Clips von maximal zehn Minuten, die man beim Gassigehen, im Wartezimmer oder zwischen zwei U-Bahn-Stationen von Anfang bis Ende konsumieren kann. Katzenberg spricht über Dan Brown, der die 464 Seiten des „Da Vinci Code“ in 105 Kapitel zerlegte und so an unseren immer stärker zerhackten Alltag anpasste.

Hollywood-Stars und -Produzenten sind dabei

Im ersten Jahr will Quibi mehr als 175 neue Shows und 8500 „Quibis“ produzieren – Komödien und Thriller, Kochshows, Talkshows und Nachrichtensendungen. Mehr als drei Stunden Inhalte pro Tag.

Es wäre einfacher, die bekannten Produzenten und Schauspieler aufzuzählen, die nicht mit Quibi zusammenarbeiten. Steven Spielberg dreht einen Thriller, Tina Fey eine Comedyshow, Idris Elba eine Stuntshow, Wolfgang Puck eine Kochshow. Bill Murray, Reese Witherspoon, Christoph Waltz, Ben Stiller und Will Smith spielen in verschiedenen Projekten mit. Katzenbergs Adressbuch und die 1,4 Milliarden Dollar, die große Hollywoodstudios wie Disney, Warner oder Sony in Quibi gesteckt haben, haben offenbar Wirkung gezeigt.

Doch ähnlich eindrucksvoll wie die Liste der Kreativen ist die Technologie, die Quibi unter der Ägide von Ex-Ebay- und Beinahe-Uber-Chefin Meg Whitman entwickelt hat: Die veränderten Ausschnitte je nach Smartphone-Position lassen schnell zwischen Nahaufnahmen und Panoramen wechseln oder Werbung unterhaltsamer gestalten: Whitman zeigt einen schnell geschnittenen Pepsi-Spot, in dem man eine Coladose ausleert, wenn man das Handy um 180 Grad dreht.

So wie Quibi dabei das Gyroskop im Handy einsetzt, sollen auch Touchscreen, Kamera, GPS-Signal, Uhrzeit und Lichtverhältnisse die Inhalte beeinflussen: Steven Spielbergs Kapitel-Thriller „After Dark“ kann beispielsweise nur abgespielt werden kann, wenn es dunkel ist.

So stark Quibis erster Eindruck ist, so voll ist aber der Markt, auf den das Start-up ab April in den USA und danach vermutlich weltweit drängt: Sowohl der Geldbeutel als auch die Aufmerksamkeit von Nutzern sind endlich. Wer bereits Abos bei Netflix, Amazon Prime oder Disney+ hat, wird sich gut überlegen, ob er noch rund fünf Dollar für ein Quibi mit Werbung oder acht Dollar für eines ohne Werbung ausgibt.

Doch die ersten Werbekunden scheinen nicht zu fürchten, dass Quibi ein Rohrkrepierer wird: Konzerne wie T-Mobile oder Pepsi haben bereits alle Werbeplätze im ersten Jahr aufgekauft und zahlen Quibi 150 Millionen Dollar dafür. Auch Google zählt dazu. Die „Nest“-Serie ist ein Product Placement für die Smartphone-Geräte des Suchmaschinenkonzerns. Die Nest-Kamera ist live dabei, wie der grauhaarige Mann zurückkehrt und die Haustür einschlägt.

Mehr: Die Tech-Industrie hat ihren Glanz verloren. Auf der CES in Las Vegas müssen die Konzerne erklären, wie sie das Leben ihrer Nutzer verbessern wollen.

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