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Kurzvideodienst Tausende niederländische Eltern fordern Schadensersatz von Tiktok

Viele Minderjährige nutzen Tiktok, dabei sind ihre Daten kaum geschützt vor Werbetreibenden. Eltern laufen Sturm – und fordern eine Entschädigung von mehr als 1,4 Milliarden Euro.
02.06.2021 - 17:25 Uhr Kommentieren
Die Federal Trade Commission (FTC) hatte Tiktok in den USA 2019 mit einer Strafe von 5,7 Millionen Dollar belegt. Quelle: AP
Tiktok-App

Die Federal Trade Commission (FTC) hatte Tiktok in den USA 2019 mit einer Strafe von 5,7 Millionen Dollar belegt.

(Foto: AP)

Düsseldorf Tausende niederländische Eltern verlangen von den Betreibern der populären Videoplattform Tiktok Schadensersatz für ihre Kinder. Insgesamt beliefen sich die Forderungen auf mehr als 1,4 Milliarden Euro, erklärte am Mittwoch die niederländische Stiftung für Marktinformationsforschung (SOMI). Nach eigenen Angaben vertritt sie mehr als 64.000 Eltern.

Zur Begründung hieß es, Tiktok sammle Daten von Minderjährigen, um ihnen gezielte Werbung anzuzeigen, ohne dafür eine Erlaubnis einzuholen. Zudem seien Kinder Gefahren durch sogenannte Challenges ausgesetzt, bei denen sich Nutzer der Plattform gegenseitig zu gefährlichen Handlungen aufforderten. Die Stiftung SOMI ist eigenen Angaben zufolge eine Non-Profit-Organisation, die sich dem Schutz grundlegender Rechte der Nutzer von Online-Diensten verschrieben hat.

Tiktok gehört dem chinesischen Konzern Bytedance. Der Plattform-Betreiber hatte zuvor erklärt, man unternehme viel, um die Sicherheit junger Nutzer zu gewährleisten. Den Nutzungsbedingungen von Tiktok zufolge brauchen Minderjährige die Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten, um den Dienst zu verwenden.

Kindern unter 13 Jahren ist die Nutzung des Dienstes generell nicht gestattet. Das Unternehmen verweist auf seiner Website auch darauf, dass Nutzern Kontrollfunktionen für den Datenschutz zur Verfügung stünden, damit sie „die Einstellungen wählen können, die für sie richtig sind“.

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    In Großbritannien läuft ebenfalls ein Verfahren gegen Tiktok. Anne Longfield, die frühere Jugendbeauftragte in England, hatte im April beim High Court of Justice Klage eingereicht: „Heute erhebe ich im Namen von Millionen von Kindern Klage gegen Tiktok UK, deren Daten aus Profitgründen und illegal an unbekannte Dritte weitergegeben wurden“, hatte sie damals gesagt.

    Sie verklagte Bytedance auf eine Entschädigungssumme in Milliardenhöhe und warf Tiktok vor, persönliche Daten von Kindern gesammelt zu haben. Die Kinder sollen darüber von der Plattform nicht informiert worden sein. Tiktok wies die Vorwürfe zurück.

    Gegenüber dem Portal Netzpolitik.org berichteten ehemalige Mitarbeiter von Tiktok jedoch, „dass das Unternehmen die Altersgrenze intern nicht durchsetze“. Moderatoren würden ausdrücklich angewiesen, Videos oder Konten von Kindern nicht zu löschen oder zu sperren.

    Die Federal Trade Commission (FTC) hatte Tiktok in den USA 2019 mit einer Strafe von 5,7 Millionen Dollar belegt – wegen des Umgangs mit den Daten von Kindern. Erst danach änderte das Unternehmen die Regeln und ließ sich das Alter der Nutzer durch eine Frage nach dem Geburtsdatum bei der Anmeldung verifizieren.

    Umstritten ist dabei, dass Tiktok laut „New York Times“ zur Alterskontrolle offenbar Gesichtserkennungssoftware einsetzt. Das Blatt berief sich in einem entsprechenden Bericht aus dem Jahr 2019 auf ehemalige Mitarbeiter: Demnach soll die App in den Profilfotos und Videos Gesichter erkennen, um das Alter der Nutzer zu schätzen. „Dies wäre eine Verarbeitung von biometrischen Informationen“, ordnet das Fachmagazin Netzpolitik.org die Maßnahme ein.

    Viele Kinder unter 13 Jahren nutzen Tiktok

    Laut der britischen Medienaufsicht „Ofcom“ nutzen etwa 44 Prozent der Acht- bis Zwölfjährigen in Großbritannien Tiktok, obwohl dies die Richtlinien des Unternehmens verbieten. Die „New York Times“ führte zudem einen internen Bericht des Unternehmens an: Im Juli 2020 ging Tiktok demnach davon aus, dass mehr als ein Drittel der App-Nutzer in den USA 14 Jahre alt oder jünger ist.

    Ende Mai hat die EU-Kommission eine Überprüfung der Geschäftspraktiken von Tiktok angekündigt. Nach einer Warnung des Europäischen Verbraucherverbands (BEUC) über Verstöße gegen EU-Verbraucherrechte sei ein formeller Dialog mit Tiktok gestartet worden, teilte die EU-Kommission Ende Mai mit. Als „besorgniserregende Praktiken“ von Tiktok nannte sie unter anderem „aggressive Werbetechniken, die auf Kinder abzielen“.

    Mit Agenturmaterial

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