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LebensmittelGewächshaus-Start-up Infarm schrumpft weiter und verlässt Europa

Die Berliner Firma hat weitere Mitarbeiter entlassen. Investoren sollen dem Start-up für eine Art Neustart auf einem anderen Kontinent aber noch mal Geld zur Verfügung gestellt haben.Nadine Schimroszik, Arno Schütze 12.05.2023 - 15:42 Uhr Artikel anhören

Das Start-up zieht sich laut Insidern komplett aus Europa zurück.

Foto: imago images/IP3press

Berlin. Frankfurt. Die massive Schrumpfkur beim Berliner Gewächshaus-Start-up Infarm setzt sich fort. Nach der im Dezember angekündigten Entlassung von 500 Mitarbeitern hat das Unternehmen mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge inzwischen einen Großteil seiner Mitarbeiter in Europa entlassen. Die Firma beschäftige auf dem Kontinent nur noch rund 80 Leute, hieß es.

Infarm sehe seine Zukunft wegen der anhaltend hohen Energiepreise nicht mehr in Europa, sondern in einer Region mit niedrigeren Energiekosten. Im Herbst 2022 zählte die Firma noch 950 Mitarbeiter weltweit. Infarm war für eine Stellungnahme bislang nicht erreichbar.

Die Firma zieht in vertikalen Farmen Lebensmittel wie Salate, Kräuter und Pilze und vertreibt diese über Handelspartner wie Edeka. Die Pflanzen werden in Großanlagen gezüchtet und kurz vor der Ernte in die Gewächsschränke in den Supermärkten eingesetzt. Das Geschäftsmodell soll Lieferwege verkürzen, Preise senken und den CO2-Fußabdruck der Lebensmittelherstellung senken.

Insider: Geldspritze für Umzug

Aufgrund der Produktion in Hallen, in denen Licht, Temperatur, Feuchtigkeit genau reguliert werden, sind die Energiekosten ein wichtiger Faktor für Infarm. Das Unternehmen sondiere eine Fokussierung auf eine Region mit niedrigen Energiepreisen wie dem Mittleren Osten, erklärten einige der Insider.

Um einen Umzug überhaupt stemmen zu können, hätten sich einige Bestandsinvestoren bereit erklärt, dafür noch mal insgesamt 50 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, hieß es. Das Geld komme unter anderem vom katarischen Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) sowie den Londoner Wagniskapitalgebern Atomico und Balderton.

Unklar war zunächst, ob sich auch langjährige Unterstützer wie Cherry Ventures oder Lightrock beteiligt haben. Die genannten Kapitalgeber und Bestandsinvestor Foodlabs lehnten Stellungnahmen ab.

Welche Firmenbewertung der Geldspritze zugrunde liegt, ist ebenfalls unklar. Geldgeber in dieser Runde hätten allerdings für ihre Investments Konditionen bekommen, die sie im Fall eines späteren Verkaufs oder Börsengangs der Firma gegenüber anderen Geldgebern besserstellten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Weltweit halten sich Risikokapitalgeber im Moment stark zurück, wenn es um Investments in Start-ups geht, die noch weit davon entfernt sind, profitabel zu sein. Dem Datenanbieter Pitchbook zufolge wurden in Deutschland von Januar bis März lediglich 1,5 Milliarden Euro in Jungfirmen gesteckt. 2022 waren es insgesamt noch 14,5 Milliarden Euro.

Die aus Israel stammenden Unternehmer hatten Infarm 2013 in Berlin gegründet.

Foto: Infarm

Infarm war 2021 das erste deutsche sogenannte Foodtech-Start-up, das den Einhornstatus erreichte und mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wurde. Dem US-Datenanbieter Crunchbase zufolge hat die Firma seit der Gründung 2013 mehr als 600 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt.

Dass Infarm Probleme hat, ist seit Längerem bekannt. Die steigenden Kapitalkosten erschweren es Supermärkten, die teuren Glaskästen vorzufinanzieren. Die gestiegenen Energiepreise treiben die Kosten in die Höhe. Zudem gehören die von Infarm angebotenen Kräuter und Gemüse zu den Premiumprodukten. Angesichts der Inflation achten mehr Kunden auf die Lebensmittelpreise, was die Nachfrage schmälert.

Daher habe das Unternehmen den Betrieb von Gewächshauszentren in Deutschland sowie in ganz Europa eingestellt, hieß es. Wie aus einem aktualisierten Blogpost hervorgeht, hat sich Infarm zuletzt aus dem britischen, niederländischen und japanischen Markt komplett zurückgezogen. Lediglich eine Farm im kanadischen Toronto ist noch in Betrieb, über die der gesamte nordamerikanische Markt bedient wird.

Infarm: Berliner Start-up war noch nie profitabel

Infarm setzte lange auf starkes Wachstum und expandierte in viele Länder, darunter auch die USA. Profitabel waren die Berliner allerdings noch nie. 2020 setzte Infarm nach eigenen Angaben 5,2 Millionen Euro um und machte dabei einen Verlust von 48 Millionen Euro. Am Jahresende 2021 stand nach Handelsblatt-Informationen ein Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von minus 67 Millionen Euro in der Bilanz.

Infarm wurde von den Brüdern Erez und Guy Galonska sowie Osnat Michaeli gegründet. Die Unternehmer stammen aus Israel, wohnten zu dieser Zeit aber in Berlin. Zu den aktuellen Anteilseignern zählen neben den Berliner Wagniskapitalinvestoren Cherry Ventures, Foodlabs und dem auf Nachhaltigkeit spezialisierten Aenu-Fonds mehrere internationale Geldgeber.

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