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Lernsoftware Per Lern-App zum Einser-Schnitt – Simpleclub erhält Millionen-Investment

Alexander Giesecke und Nicolai Schork wollen Nachhilfe mit Videoformaten locker gestalten. Die App ist ein Erfolg – und zieht nun Investoren an.
11.10.2020 - 16:29 Uhr Kommentieren
Was als Youtube-Projekt zweier Schüler begann, soll jetzt mithilfe eines Millioneninvestments zum internationalen Erfolg werden: die Lern-App Simpleclub. Quelle: SimplceClub
Alexander Giesecke und Nicolai Schork

Was als Youtube-Projekt zweier Schüler begann, soll jetzt mithilfe eines Millioneninvestments zum internationalen Erfolg werden: die Lern-App Simpleclub.

(Foto: SimplceClub)

Hamburg Die kurzen Videos von Alexander Giesecke und Nicolai Schork sollen nicht Mathematiker, sondern Schüler ansprechen. Und so klingen sie auch: „Was zum Ärsch ist eine Ableitung? Jan ist mit Kumpels unterwegs, sie fahren ’nen ziemlich krassen Berg hoch... .“ Im Clip ist ein animierter Schulbus zu sehen, der vor einer Steigung steht – und von diesem Startpunkt aus über Diagramme bis zur Formel das Prinzip erklärt.

Die Videos sind zahlreich und inzwischen ziemlich erfolgreich, wenn es um Nachhilfe geht. Und was als Youtube-Projekt zweier Schüler begann, soll jetzt mithilfe eines Millioneninvestments zum internationalen Erfolg werden: die Lern-App Simpleclub.

Das Prinzip: Schüler beim eigenen Lerneifer packen. Die App verspricht einen Einser-Schnitt. Sie kommt zugleich weniger trocken daher als klassische Nachhilfe – und ist auf dem Handy nutzbar, wo sich Kommunikation und Mediennutzung der Schüler ohnehin abspielt.

„Wir waren schon vor Corona relativ erfolgreich. Doch die Pandemie hat noch stärker aufgedeckt, wie schlecht die Schulen digital organisiert sind“, sagte Mitgründer Alexander Giesecke dem Handelsblatt. Er will die Gelegenheit nutzen, um seine Lern-App deutlich auszubauen und fest in den Schulen zu verankern – zunächst deutschlandweit, ab 2021 auch darüber hinaus.

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    Online-Lernprogramme wie Sofatutor, Anton oder eben Simpleclub erobern auf dem geschätzt eine Milliarde Euro großen deutschen Markt für Nachhilfe zusehends Marktanteile. Ihr Vorteil: Sie sind günstiger und flexibler zugänglich. Mit dem verstärkten Homeschooling durch Corona könnten sie zudem stärker auch von Lehrern direkt in den Unterricht eingebunden werden.

    Das lockt Investoren. Giesecke und sein Mitgründer Nicolai Schork melden jetzt ihre erste externe Finanzierung. Sie erhalten zwei Millionen Euro vom Investor Holtzbrinck Ventures (HV). „Als HV hätten wir gern mehr investiert, aufgrund der Profitabilität reichen dem Team aber bereits zwei Millionen Euro, um die nächste Stufe zu zünden und in neue Wachstumsfelder zu investieren“, teilte Felix Klühr von HV mit. „Nico, Alex und das junge Team haben über die letzten Jahre eine der erfolgreichsten und bekanntesten Lernplattformen für Schüler in ganz Deutschland gebaut. Der Erfolg aber insbesondere die Leidenschaft und die Zielstrebigkeit haben uns extrem beeindruckt.“

    Vom Nachhilfeprodukt soll Simpleclub immer mehr zur kompletten Lern-App werden, die im Notfall sogar den Schulunterricht ersetzen kann. Dabei hilft die zunehmende fächerübergreifende Vernetzung der Inhalte. Dafür soll Simpleclub stärker zusammen mit Lehrern die Inhalte erarbeiten und die Lehrpläne der Bundesländer berücksichtigen. „Unser Ziel ist, dass die Schulen eines Tages die Auswahl zwischen einem Lehrbuch und einer App haben“, sagte der 25-jährige Giesecke. Weiterhin soll die App jedoch mit ihrem Freemium-Modell mit kostenloser Basisvariante zunächst die Schüler ansprechen, die das Angebot für sich entdecken sollen.

    Vor wenigen Wochen gab es bereits ein Update, das die App attraktiver machen soll. Nutzer kritisieren bei Google Play allerdings, die Umstellung bringe einige Bugs mit sich. Das vollwertige Abo sei für Schüler recht teuer, die Inhalte aber hilfreich.

    Beginn auf Youtube

    Die beiden Gründer haben schon als Elftklässler mit ihrem Projekt angefangen, mit Mathematik-Erklärvideos auf der Video-Plattform Youtube. „Wir wollten das statt eines Nebenjobs machen. Nach sechs Monaten hatten wir bei Youtube allerdings gerade einmal zehn Euro verdient“, erinnerte sich der 26-jährige Mitgründer Schork. Während des Studiums von Medieninformatik und Maschinenbau bauten beide die Idee zur App aus. Youtube dient nun hauptsächlich dazu, Schüler zu der App hinzuführen.

    Simpleclub wurde so schnell die Hauptbeschäftigung der Gründer, zumal der Umsatz deutlich stieg. Inzwischen beschäftigt ihr Unternehmen 37 Menschen. Das Team soll dank des Investments auf 50 wachsen. Laut Mitgründer Schork erzielte das Unternehmen zuletzt einen siebenstelligen Umsatz und einen sechsstelligen Gewinn. Genauere Zahlen weist der Bundesanzeiger nur für das Jahr 2018 aus: Damals lag der Jahresüberschuss bereits bei 287.000 Euro. Inzwischen meldet Simpleclub bis zu 400.000 App-Nutzer, davon zahlen 20.000 für zusätzliche Lernpläne und Übungsaufgaben. Dabei half, dass die Gründer einen Premium-Zugang während der Schulschließungen zeitweise gratis anboten.

    Bis zum Jahresende wollen die beiden das Angebot an Videos und weiteren Inhalten deutlich ausbauen. Es soll dann bereits ab der fünften Klasse beginnen, drei Jahre früher als bisher. Ab dem kommenden Jahr steht dann die Internationalisierung im Mittelpunkt. Die animierten Videos könnte es dann auch auf Französisch und Englisch geben. Gebremst wird dafür die Ausweitung auf weitere Inhalte: Für Gieseckes Studienfach Maschinenbau stehen einige Inhalte bereit. Zudem gibt es Kooperationen mit Unternehmen wie Brillux und Telekom, die sich Inhalte für ihre Auszubildenden gewünscht haben.

    Die Ambitionen für den Schulmarkt sind hoch. Vorbild der beiden Gründer ist dabei die indische Lern-App Byju’s: Sie ist neun Jahre nach der Gründung mit 11,1 Milliarden Dollar bewertet. Es gibt also noch Luft nach oben für Simpleclub.

    Mehr: Wettstreit um Digitalisierung der Schulen

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