Letzte Hochpreisbastion der Telefonwelt Drücker-Kolonne

Nachdem Web-Telefonate schon die Festnetzgebühren auf Cent-Niveau gedrückt haben, zwingt das Internet jetzt auch die Mobilfunktarife nach unten.
  • Markus Göbel
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"Die bisherigen Gesprächspreise sind grotesk hoch", sagt Philipp Bohn, Analyst beim Berliner Marktforscher Berlecon. Foto: dpa Quelle: dpa

"Die bisherigen Gesprächspreise sind grotesk hoch", sagt Philipp Bohn, Analyst beim Berliner Marktforscher Berlecon. Foto: dpa

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Die monatliche Mobilfunkrechnung ist für Christian Fox ein steter Quell des Ärgers. "300 Euro pro Monat sind keine Seltenheit", flucht der 32-jährige Unternehmer aus Berlin. Dazu kommen die Kosten für die dienstlichen Handygespräche seiner 16 Angestellten, die der Chef der PR-Agentur Markengold erstattet. Wenn sich Mitte März die Elektronikbranche zur Cebit trifft, wird es für Fox noch teurer. Dann muss er mehrfach täglich mit den Kontaktleuten in den Zentralen seiner Kunden telefonieren. Zur Freude der Netzbetreiber, treiben doch Gespräche nach Frankreich, Irland oder Finnland die Rechnung im Minutentakt jeweils um knapp einen Euro in die Höhe.

Dabei könnten kostenbewusste Handynutzer deutlich billiger telefonieren. Zur Cebit blasen Unternehmen wie Jajah, Cellity, Sparruf, Truphone oder Tarifjäger zum Sturm auf die letzte Hochpreisbastion der Telefonwelt: den Mobilfunk. Sie leiten teure Handygespräche so übers Internet oder ins Festnetz um, dass sie nur noch einen Bruchteil üblicher Tarife kosten. Der Clou: Für viele der neuen Angebote benötigt der Handynutzer weder ein neues Telefon noch einen neuen Mobilfunkvertrag.

"Die bisherigen Gesprächspreise sind grotesk hoch", sagt Philipp Bohn, Analyst beim Berliner Marktforscher Berlecon. "Im Vergleich zu den regulären Tarifen lassen sich mit den neuen Diensten vor allem bei Auslandsgesprächen bis zu 80 Prozent an Gebühren einsparen." Solche Telefonate kosten dann nur noch 9 bis 38 Cent pro Minute, statt ein bis zu zwei Euro. Doch auch bei Anrufen in andere deutsche Handynetze, die gerade Kunden mit älteren Verträgen bis zu 59 Cent pro Minute kosten, lässt sich bis zur Hälfte einsparen.

Damit wiederholt sich im Mobilfunk eine Entwicklung, die in den vergangenen zwei Jahren schon die Kosten für Festnetztelefonate radikal in den Keller trieb. Immer öfter nämlich tritt dort der Versand der Sprachsignale via Internet - Fachleute sprechen von Voice over IP (VoIP), zu deutsch Sprachübertragung übers Internet - an die Stelle klassischer Gespräche über die Leitungen der Netzbetreiber. Billiganbieter wie Voipstunt oder Sparvoip bieten Anrufe in deutsche, europäische und amerikanische Festnetze bereits für null Cent an. Der Preisdruck trifft nun auf den Mobilfunk.

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