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Lieferengpässe Computer, E-Bikes, Motorsägen: Der Chipmangel trifft nicht nur die Autobranche

Egal, ob Fritzbox-Router, Stihl-Motorsägen oder Apple-Tablets – der Chipmangel trifft immer mehr Hersteller. Für Verbraucher wird es im zweiten Halbjahr teurer.
10.05.2021 - 15:11 Uhr Kommentieren
Halbleiterhersteller rechnen damit, dass es noch bis ins nächste Jahr Engpässe geben wird. Die Kunden bestellen mehr als die Fabriken produzieren können. Quelle: Bloomberg
Chips

Halbleiterhersteller rechnen damit, dass es noch bis ins nächste Jahr Engpässe geben wird. Die Kunden bestellen mehr als die Fabriken produzieren können.

(Foto: Bloomberg)

München, Düsseldorf, Stuttgart Wenn selbst der größte Kunde der Chipbranche nicht mehr ausreichend bedient wird, dann zeigt das: Die Lage ist ernst. Sogar Apple fehlen inzwischen die Halbleiter, um seine Tablets und Notebooks zu bestücken. „Bevor sich die Situation entspannt, wird alles noch viel schlimmer“, warnt Forrester-Analyst Glenn O’Donnell.

Weltweit stehen seit Monaten Autofabriken still, weil die elektronischen Bauelemente fehlen. Die Lieferengpässe betreffen aber längst nicht mehr nur die Fahrzeughersteller. Auch viele andere Branchen spüren den Mangel. Die Liste der Betroffenen reicht vom Fritzbox-Hersteller AVM über den Mobilfunk-Ausrüster Nokia bis zum Motorsägen-Hersteller Stihl.

Zudem sitzen zahllose weniger bekannte Firmen auf dem Trockenen. Experte O’Donnell: „Wenn Apple 100 Millionen Chips kauft und ein Spielwarenhersteller nur 10.000 abnimmt: Raten Sie mal, wer dann zuerst beliefert wird.“

Noch bekommen die Konsumenten davon wenig mit. Media-Saturn, Europas größte Elektronik-Kette, verzeichnet nach eigenen Angaben momentan weder Lieferausfälle noch höhere Preise. Das könnte sich im Herbst ändern, fürchtet O’Donnell: „Wir werden leere Regale sehen.“

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    Bei den angesagten E-Bikes dürften viele Kunden bereits diesen Sommer Schwierigkeiten haben, das Wunschmodell zu ergattern. Thomas Leicht, Chef der E-Bike-Sparte von Brose, warnt: „Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass es 2021 große Lieferengpässe bei einigen Komponentenlieferanten geben wird, weil die Nachfrage stärker gewachsen ist als das Angebot.“

    Höhere Kosten bei Lieferungen für E-Bikes

    Zu diesen knappen Bauteilen zählten neben Federgabeln und Schaltwerken auch Elektronikchips, die derzeit in allen Industrien nachgefragt würden.

    Reparatur eines Elektrofahrrads: Die Motorhersteller tun sich schwer damit, Chips zu bekommen. Quelle: dpa
    E-Bike

    Reparatur eines Elektrofahrrads: Die Motorhersteller tun sich schwer damit, Chips zu bekommen.

    (Foto: dpa)

    „Für den Endverbraucher dürften diese aktuellen Entwicklungen leider erst mal zu längeren Wartezeiten und höheren Preisen führen“, glaubt Leicht. Zumal auch die Frachtraten aus Asien zuletzt stark gestiegen seien. Brose stellt Motoren für E-Bikes her.

    Halbleiter seien zwar nicht grundsätzlich teurer geworden, heißt es aus der Einkaufsabteilung eines Konzerns, der nicht genannt werden wollte. Es bleibe aber häufig kein anderer Ausweg, als Bauteile am Spot-Markt oder über Broker zu kaufen. Das schlage dann stärker zu Buche.

    Fritzbox-Hersteller beklagt „hochvolatile“ Lage

    Der Elektronikhersteller AVM, bekannt für seine Fritzbox-Router, spricht von einer „hochvolatilen“ Lage. So kassierten einige Chiplieferanten ihre Zusagen, um anschließend doch zu liefern, allerdings in reduzierter Menge. „Wir müssen jonglieren“, heißt es bei dem Berliner Unternehmen. Längere Lieferzeiten kämen erschwerend hinzu: Bis zu ein Jahr im Voraus muss das Management bestellen – normalerweise reichen häufig zwei Monate.

    Dabei ist die Nachfrage nach Routern derzeit groß, da viele Nutzer zu Hause aufrüsten. Bislang kann AVM aber alle Produkte weiter produzieren und verkaufen – jüngst erst ist das neue Spitzenmodell 7590 AX auf den Markt gekommen.

    „Es findet ein Kampf statt“, sagt Pekka Lundmark, Chef des Mobilfunk-Ausrüsters Nokia. Der finnische Konzern sowie dessen schwedischer Rivale Ericsson gehören zu den großen Kunden der Chipindustrie. Momentan rüsten sie die Netze mit dem neuen Standard der fünften Generation auf, kurz 5G. Das könnte sich aber verzögern, denn Lundmark rechnet damit, dass er bis 2023 um die Halbleiter zittern muss.

    Infineon-Chef: „Es wollen alle mehr“

    Noch gebe es zwar keine größeren Auswirkungen. Aber das Management müsse immer mehr Zeit aufwenden, um den Chipnachschub sicherzustellen. „Sie müssen täglich mit Ihren Lieferanten in Kontakt stehen und sicherstellen, dass sie für Sie wichtig sind“, erklärt Lundmark.

    Das Problem dabei: „Es wollen alle mehr“, sagt Reinhard Ploss, Chef des Münchener Chipherstellers Infineon – von den Autobauern über die Computerhersteller bis zu den Smartphone-Produzenten. Vor allem die Auftragsfertiger in Asien kommen mit der Produktion aber schon lange nicht mehr hinterher.

    Größe hilft nicht immer: Samsung ist die Nummer zwei unter den Chipherstellern weltweit – leidet aber trotzdem. Der Elektronikkonzern aus Südkorea ist bei der Produktion seiner Handys und Computer auf Bauteile anderer Hersteller angewiesen. Sowohl Umsatz als auch Gewinn der Smartphone-Sparte würden im laufenden Quartal sinken, warnte Samsung jüngst – unter anderem, weil Chips fehlen. Samsung selbst konnte im Frühjahr nicht so viele Halbleiter liefern wie geplant, weil der Konzern ein Werk im US-Bundesstaat Texas infolge eines Schneesturms herunterfahren musste.

    Apple rechnet damit, auf drei bis vier Milliarden Dollar Umsatz im laufenden Quartal verzichten zu müssen. Zum Vergleich: Analysten erwarten Erlöse von insgesamt rund 68 Milliarden Dollar. Die Kalifornier bekommen nicht genügend Chips für ihre iPads und Macs, die in der Pandemie besonders begehrten Tablets und Bürocomputer. Es würden vor allem Halbleiter fehlen, die nicht mit den allerfortschrittlichsten Technologien gefertigt werden, so CEO Tim Cook.

    Der US-Konzern ist der größte Kunde der Halbleiterbranche weltweit. Doch selbst Apple bekommt nicht genügend Chips für seine Tablets und Computer. Quelle: AP
    Apple

    Der US-Konzern ist der größte Kunde der Halbleiterbranche weltweit. Doch selbst Apple bekommt nicht genügend Chips für seine Tablets und Computer.

    (Foto: AP)

    Apple hat im vergangenen Jahr für 54 Milliarden Dollar Chips eingekauft. Das entspreche laut den Experten von Gartner knapp zwölf Prozent des gesamten Umsatzes der Branche. Zweitgrößter Kunde der Halbleiterindustrie ist Samsung mit einem Anteil von acht Prozent.

    Selbst ein Motorsägen-Hersteller wie Stihl spürt den Chipmangel. Bislang sei das schwäbische Familienunternehmen zwar wenig betroffen gewesen, sagte jüngst Stihl-Chef Bertram Kandziora. Das liege daran, dass Stihl anders als die Autoindustrie die Lieferverträge vergangenes Jahr nicht gekappt habe. Die ursprünglichen Mengen seien deshalb geliefert worden. Allerdings gibt es jetzt Probleme bei darüber hinausgehenden Aufträgen angesichts der boomenden Nachfrage: „Hier spüren wir auch den derzeitigen akuten Chipmangel“, klagt Kandziora.

    Schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Infineon-Chef Ploss rechnet mit Lieferschwierigkeiten bis ins nächste Jahr. Intel-Chef Pat Gelsinger fürchtet sogar, dass es Jahre dauern werde, um die gestiegene Nachfrage voll zu befriedigen.

    Letztlich werden die Konsumenten im zweiten Halbjahr tiefer in die Tasche greifen müssen. Und nicht nur das: Sie werden Kompromisse machen müssen. „Den PC mit der gewünschten Ausstattung zu bekommen dürfte schwierig werden“, meint Forrester-Analyst O’Donnell. „Jeder Käufer sollte bereit sein, sich auf alternative Produkte einzulassen.“

    Mehr: Auf der Jagd nach dem Superchip: Wie Europas Halbleiterbranche gegen Asien und die USA bestehen kann.

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