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Lin Kayser Evolution im 3D-Drucker – Hyperganic will eines Tages die Natur nachdrucken

Lin Kayser hat einst die Kinowelt digitalisiert. Nun will der Start-up-Unternehmer den 3D-Druck mit Künstlicher Intelligenz völlig neu erfinden.
16.02.2021 - 15:21 Uhr Kommentieren
Der Seriengründer will mit Hyperganic den 3D-Druck schlauer machen. Quelle: Hyperganic Group GmbH
Lin Kayser

Der Seriengründer will mit Hyperganic den 3D-Druck schlauer machen.

(Foto: Hyperganic Group GmbH )

Düsseldorf Erst hat Lin Kayser Hollywood die Echtzeitvideobearbeitung ermöglicht. Jetzt revolutioniert er von München aus den 3D-Druck. So sieht es jedenfalls sein Investor Herbert Mangesius vom Deep-Tech-Finanzierer Vsquared Ventures, Wagniskapitalgeber für wissenschaftsgetriebene Technologieentwicklungen. „Kennen Sie diesen Spezialeffekt im Matrix-Film, wo Neo der Kugel nach hinten ausweicht?“, fragt Mangesius. „Das hat Lin Kayser vor etwa 20 Jahren mit den ersten Tools gemacht, zusammen mit dem Technologiechef von Epic.“

Der Investor ist stolz auf seine Beteiligung an Kaysers neuer Firma Hyperganic. Vsquared hat zusammen mit HV Capital 7,8 Millionen Euro investiert. Und einer wie Kayser kann sich seine Geldgeber aussuchen.

2011 hat der Gründer seine Firma Iridas an Adobe verkauft, als Photoshop für Filme. Mit dem Erlös konnte er das Start-up seit 2017 ohne größere externe Investments aufbauen. Glaubt man Mangesius, ist Hyperganic schon ein Hidden Champion mit lukrativen Verträgen in vielen verschiedenen Branchen. Das liegt an einer neuen Art, den 3D-Druck zu denken.

Dabei scheint der Hype um den 3D-Druck verpufft zu sein. Von Kunststoff bis Beton lässt sich zwar alles ausdrucken. Allerdings, sagt Lin Kayser, könne man die Druckprodukte in der Regel billiger mit einer Stanze oder Gussmaschine produzieren. Deshalb kämen die teuren Drucker meist nur beim Herstellen von Prototypen zum Einsatz und nicht in der Fertigung. Eine neue industrielle Revolution blieb aus. Das muss aber nicht so bleiben.

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    Als sich Kayser 2012 seinen ersten 3D-Drucker zulegte, rätselte er noch, warum sich die Technologie noch nicht stärker durchgesetzt hatte. Im Gespräch mit seinem Iridas-Mitgründer Michael Gallo fragte er: „Wie müsste eine 3D-Druck-Software aussehen, wenn diese neue Art der Herstellung die Welt erobern soll?“ Eher im Scherz soll der erwidert haben, sie müsse nur jedes Atom des Druckprodukts beschreiben, dann könne man jeden Gegenstand der Welt herstellen – woraufhin die beiden lachten.

    Vogelflügel aus dem Drucker

    Doch ein paar Tage später machten sie ernst. Die Erkenntnis: Sie müssten zunächst gar nicht jedes Atom adressieren. Die Auflösung der Drucker reichte aus. Die Pixel-Spezialisten dachten jetzt in Voxeln, also den kleinsten druckbaren Elementen eines dreidimensionalen Objekts.

    „Wir beschreiben buchstäblich jeden Brösel, den der Drucker ausgeben kann“, sagt der 48-Jährige heute. Damit unterscheide sich der Ansatz von Hyperganic grundlegend von dem der meisten 3D-Druck-Anbieter, die bloß die Oberfläche beschreiben und deshalb nur „Klötzchen“ produzieren könnten, wie Kayser sagt.

    Hyperganic will 3D-Bauteile mit künstlicher Intelligenz präziser herstellen. Quelle: Hyperganic Group GmbH
    Bis ins kleinste Detail

    Hyperganic will 3D-Bauteile mit künstlicher Intelligenz präziser herstellen.

    (Foto: Hyperganic Group GmbH )

    Einen Vogelflügel nachbauen zu können ist ein Menschheitstraum. „Wenn wir da hinkommen wollen, brauchen wir eine neue Form des Engineerings“, sagt Kayser: „Wir müssen davon wegkommen, Baupläne aufzumalen, und stattdessen mit dafür entworfenen Algorithmen und Künstlicher Intelligenz die Objekte entwickeln und sie im Pixelformat speichern und dann möglichst direkt drucken können.“

    Das Problem anderer Firmen sei nicht die Idee gewesen, sondern die Umsetzung. „Die bisherigen Dateiformate können diese Datenmengen gar nicht transportieren“, sagt der Unternehmer. Die Erfahrungen mit großen Datenmengen beim Film halfen ihm und dem alten und neuen Mitgründer Michael Gallo, die Drucker direkter anzusteuern.

    Evolution der Objekte

    Inzwischen hat Hyperganic 22 Mitarbeiter. Um computergenerierte Entwicklungen zu ermöglichen, beschreiben sie die Anforderungen an Raketentriebwerke, Medizintechnik und Konsumentenprodukte, sagt Kayser. Algorithmen könnten dann reihenweise Objekte entwerfen und ausprobieren, welche am besten funktionieren, entweder durch Simulation oder Ausdrucke und reale Tests.

    Mit Künstlicher Intelligenz lasse sich die Performance vorhersagen: „Die neuen Objekte kommen wie in der Natur durch Evolution zustande.“

    Langfristig sollen externe Entwickler auf der Hyperganic-Plattform eigene Apps entwickeln. Bis dahin will das Start-up vormachen, was möglich ist. Erste Umsätze verzeichnete das Unternehmen bereits im Gründungsjahr. Mit Zahlen und Kunden hält sich die Firma aber aus Wettbewerbsgründen bedeckt. Bekannt ist, dass neben den Investmentfirmen unter anderem auch Schmucksteinhersteller Swarovski mit einer strategischen Beteiligung eingestiegen ist. Die Marktbewertung von schätzungsweise 35 Millionen Euro basiert auf Kundenverträgen.

    Bekannte Wettbewerber sind die US-Firmen Dyndrite und ntopology. Letztere hat sich inzwischen allerdings auf den Militärsektor spezialisiert, Geldgeber ist neben Insight Partners auch In-Q-Tel, eine Investmentfirma des US-Geheimdienstes.

    Mehr: Die neuen deutschen Einhörner: Wo sie stark sind – und auf welche Start-ups Investoren in Zukunft setzen

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