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Luckycloud Dieser Gründer bietet eine sichere Alternative zu Dropbox und Co. an

Mit einer Uni-Materialsammlung hat alles begonnen, heute ist Luc Mader Spezialist für Speichertechnologie. Selbst Google will er etwas voraushaben. Ein Riesen-Konzern ist bereits Kunde.
06.10.2020 - 11:44 Uhr Kommentieren
Dieses Jahr soll es eine kleine Vertriebsoffensive geben, drei neue Festangestellte bis zum Jahresende sind dafür eingeplant. Quelle: Luckycloud
Luc Mader

Dieses Jahr soll es eine kleine Vertriebsoffensive geben, drei neue Festangestellte bis zum Jahresende sind dafür eingeplant.

Düsseldorf Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Angebot des Cloud-Speicheranbieters Luckycloud aus Berlin kaum von Dropbox, Microsoft One Drive oder Google Drive: Bilder, Musik und Dokumente lassen sich mit dem Dienst in der Cloud speichern, bearbeiten und an andere verschicken. Und auch der Umstand, dass Gründer Luc Mader sein Unternehmen als „Zero Knowledge“-Cloud-Anbieter bezeichnet, ist zunächst nicht einzigartig. Denn auch viele andere Anbieter wie Tresorit wissen nicht, was deren Kunden in der Cloud speichern.

Die Art der Verschlüsselung erinnert an die Fido-2-Technologie, bei der ein Dateizugriff nur nach dem Abgleichen eines Schlüsselpaars möglich ist, das aus einem privaten und öffentlichen Schlüssel besteht. Der private Schlüssel befindet sich dabei immer ausschließlich auf dem Gerät des Nutzers. Der Unterschied ist, dass Luckycloud hierbei eine sogenannte symmetrische Verschlüsselung nutzt, welche nach Angaben des Unternehmens weniger anfällig für Angriffe von Quantencomputern ist.

Die hohe IT-Sicherheit ist einer der Hauptgründe, warum viele kleine und mittlere Unternehmen sowie die Deutsche Bahn dem Unternehmen von Luc Mader ihre sensiblen Dokumente anvertrauen. Alle Server, auf denen die Daten gespeichert werden, stehen in Deutschland.

„Wir haben mehrere Standorte, die mit einem Dark Fiber, einem Glasfaserkabel, verbunden sind. Die arbeiten als Cluster zusammen. Wenn ein Standort ausfällt, sind noch andere da“, erklärt der 35-Jährige. Mit Servern der großen Cloud-Anbieter wie Amazon, Google oder Microsoft gebe es keine Berührungspunkte.

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    Mader war sehr glücklich, als die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingeführt wurde. „Das hat uns sehr viele neue Kunden beschert.“ Der Grund: Seit der Einführung der DSGVO dürften Institutionen wie Schulen ihre Daten gar nicht mehr bei Google oder Dropbox speichern – und viele von denen seien zu Luckycloud gekommen.

    „Wir übertreffen die DSGVO, da wir uns durch unsere Verschlüsselung selbst ausgeschlossen haben“, sagt Mader. Die Daten der Kunden seien nicht nur juristisch geschützt, sondern auch kryptografisch. „Alles andere wäre Augenwischerei“, sagt Mader. Denn auch wenn ein Unternehmen nur Metadaten speichere, ließen sich anhand dieser Rückschlüsse auf die Nutzer ziehen.

    Spezieller Synchronisationsalgorithmus

    Das Sicherheitsversprechen hat die Deutsche Bahn überzeugt, Teilbereiche ihrer Infrastruktur wie die Verwaltung von hochsensiblen Dokumenten an Luckycloud auszulagern. „Wir haben sehr spezielle Anforderungen und waren auf der Suche nach einem Cloud-Anbieter, dessen Server in Europa stehen“, sagt Steffen Frankl, Leiter IT-Governance und IT-Sicherheit bei der Bahn. Große Cloud-Anbieter seien zudem oft zu unflexibel.

    Auch das Landratsamt Görlitz nutzt im Rahmen des Programms „Verwaltung 4.0“ die Dienste von Luckycloud. Das Ziel ist es, die Verwaltung fit für die Zukunft zu machen. „Ansonsten zählen zu den typischen Kunden vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die die Daten von ihren Firmenservern in die Cloud übertragen wollen, um beispielsweise Back-ups zu erstellen oder auch im Homeoffice unkompliziert darauf zugreifen zu können“, erklärt Mader. So müssten sich die Mitarbeiter nicht über einen VPN-Tunnel in das Firmennetzwerk einloggen.

    Die Daten können auf allen angemeldeten Geräten synchronisiert werden. Ein sogenannter Delta-Sync-Algorithmus zerlegt Dateien in kleinste Einzelteile und synchronisiert nur die Dateiabschnitte, die der Nutzer tatsächlich verändert hat.

    „Wenn Sie beispielsweise zu Hause einen fünf Gigabyte großen Film nur an einer kleinen Stelle bearbeitet haben, wird am nächsten Tag am Arbeitsrechner nur der kleine Teil dieses Films hochgeladen, den Sie verändert haben“, erklärt Gründer Luc Mader. So würde der Traffic massiv reduziert. Beim Synchronisationsalgorithmus sei man auch Google um einiges voraus.

    Mit der „Big Platte“ hatte alles angefangen: So nannte Mader sein Datenarchiv, das er während seiner Studienzeit an der HTW Berlin für sich und seine Kommilitonen anlegte. Er hatte sich 2006 zu Beginn seines Studiums der regenerativen Energiesysteme einen sogenannten NAS-Server für zu Hause besorgt. „Das ist im Grunde eine Festplatte, die man an den Router anschließen kann. Damit kann man einiges anstellen, wenn man im Linux-Bereich fit ist“, sagt der gebürtige Stuttgarter, den es wie so viele andere Schwaben auch nach der Schulzeit in die Hauptstadt zog.

    Nach seinem Realschulabschluss hat Mader zunächst eine Schlosserausbildung gemacht. Sein Abitur holte er auf dem zweiten Bildungsweg nach. Beim Studium in Berlin wurde sein Projekt „Big Platte“ irgendwann so groß und beliebt, dass die Uni ihre eigene Materialsammlung zugunsten von Maders Plattform aufgab. Er erhielt zudem einen eigenen Serverplatz im Rechenzentrum der HTW.

    2011 wechselte der Leiter des Rechenzentrums und Mader wurde aus heiterem Himmel der Stecker gezogen. Er war gerade erst wieder zurück in Deutschland, nachdem er in San Diego im Rahmen eines Pilotprojekts Solartracker aufgebaut hatte.

    Mehr Kontakt zu Kunden durch Coronakrise

    Seinen Uni-Abschluss hatte er zu dem Zeitpunkt bereits in der Tasche, das „Big Platte“-Projekt lief nebenher weiter. Doch plötzlich meldeten sich besorgte Studierende bei ihm, die kurz vor den Abschlussarbeiten auf die Materialsammlung angewiesen waren, die es auf einmal nicht mehr gab.

    „Ich habe mir dann einen kommerziellen Rechenzentrumsplatz besorgt und da meinen Server reingestellt. Das habe ich alles aus eigener Tasche bezahlt“, erzählt Mader. Das seien damals rund 1000 Euro im Monat gewesen. Nach kurzer Zeit sei ihm klar gewesen, dass er das Projekt irgendwie monetarisieren müsse. „In dieser Zeit habe ich mir das Luckycloud-Logo ausgedacht“, erzählt Mader. Er selbst nennt sich „Lucky Luke“ – daher kommt auch der Name des Start-ups, das er 2015 gründete.

    Ein Freund bastelte ihm eine professionelle Webseite, vor die er eine Paywall schaltete. Jeder, der auf die Materialsammlung zugreifen wollte, musste einen Euro bezahlen. Das hätten auch recht viele Leute gemacht, versichert Mader. Zumindest konnte er mit den Einnahmen seine Kosten decken.

    Bald darauf heuerte er an der Hertie School of Governance in der IT an und lernte einige Computernerds kennen, von deren Kenntnissen er profitierte. Später wurden einige der Studierenden, die seine Plattform genutzt hatten, zu seinen Kunden.

    Luc Mader ist geradeaus und verfällt nicht in PR-Floskeln, wenn er über sein Unternehmen spricht. Er wisse aktuell zum Beispiel nicht, was er mit fünf oder zehn Millionen Euro an Investorengeldern machen würde, „außer es extrem in Marketing reinzubuttern“. Ganz zu Beginn habe er sich bewusst dagegen entschieden, große Finanzierungsrunden zu machen, da er dann die Investoren hätte glücklich machen müssen – er hingegen wolle lieber die Kunden glücklich machen.

    Eine kleine Vertriebsoffensive soll es dieses Jahr zwar doch noch geben, drei neue Festangestellte bis zum Jahresende sind dafür eingeplant. Bislang sei er mit insgesamt 17 Festangestellten und vier Freelancern in seinen zwei Büros in Kreuzberg aber sehr gut zurechtgekommen, sagt Mader.

    Natürlich wolle er expandieren, aber er habe Zeit gebraucht, um seine Plattform zu perfektionieren und herauszufinden, was die Kunden wirklich wollen. Durch die Coronakrise und den Trend zu mehr Arbeit im Homeoffice habe Luckycloud noch mehr Kontakt zu seinen Kunden aufgebaut und wisse jetzt noch besser, was sie brauchen: „Wir können alle davon leben, wir haben keinen Druck, wir sind frei. Wir können machen, was wir wollen, und wir wachsen einfach organisch weiter“, sagt Mader.

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