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Machtkampf bei Kabelnetzbetreiber Tele-Columbus-Chef Degenhardt scheitert an Großaktionär

United Internet hat wohl den Plan von Tele-Columbus-CEO Degenhardt durchkreuzt, das Glasfasernetz der Firma zu verkaufen. Jetzt zog er Konsequenzen.
17.12.2019 - 17:49 Uhr Kommentieren
Der Tele-Columbus-Chef geht. Quelle: imago images / Future Image
Timm Degenhardt

Der Tele-Columbus-Chef geht.

(Foto: imago images / Future Image)

Düsseldorf Dass er vor einer schwierigen Aufgabe stehen würde, war schon vor zwei Jahren klar. Timm Degenhardt hatte Anfang 2018 den Chefposten beim Berliner Kabelnetzbetreiber Tele Columbus übernommen. Die Firma war in einer angespannten Lage, der weitere Kurs unklar.

Der studierte Ökonom und Marketingfachmann arbeitete sich in die Details ein und feilte an einem Sanierungskurs, der sich an der Börse jedoch zunächst nicht niederschlug. Im Gegenteil: Im Sommer rangierte der Kurs nur noch bei 1,26 Euro, 80 Prozent hatte die Aktie seit Degenhardts Antritt eingebüßt. Es war der Tiefpunkt.

In dieser Malaise schaltete sich Ralph Dommermuth ein, der über seine Firma United Internet rund 30 Prozent an Tele Columbus hält. „Der Kurs der Tele-Columbus-Aktie ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich eingebrochen“, klagte United Internet und setzte sechs eigene Kandidaten im Aufsichtsrat per Blockwahl durch.

Nun zog Degenhardt die Konsequenzen aus dieser Intervention. Tele Columbus kündigte am Dienstag den Rückzug des Chefs an. Er werde seinen im August 2020 endenden Vertrag nicht verlängern. „Grund für seine Entscheidung sind die Veränderungen im Aufsichtsrat“, teilte Tele Columbus mit.

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    Das klingt nach offenem Streit. Auf Anfrage wollten sich weder Tele Columbus noch United Internet zu dem Vorgang äußern. Auch Degenhardt lehnte eine Interviewanfrage ab. Nach Handelsblatt-Informationen waren sich Degenhardt und die neuen Mitglieder im Aufsichtsrat jedoch nicht über den Kurs von Tele Columbus einig. Degenhardts Plan war es, die Glasfaserinfrastruktur der Firma zu veräußern. Da das Netz der wertvollste Teil des Unternehmens ist, hätte ein Verkauf die Firma auf einen Schlag sanieren können.

    Tele Columbus versorgt rund drei Millionen Kunden in und um Berlin mit Breitbandinternet sowie TV-Empfang, was bei Großaktionär United Internet offenbar Begehrlichkeiten weckte. Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger: „Ich gehe davon aus, dass United Internet die Infrastruktur von Tele Columbus nutzen will.“

    Rocket Internet neu eingestiegen

    Über die Tochtergesellschaft 1&1 Drillisch hatte United Internet in diesem Jahr für rund eine Milliarde Euro Frequenzen für den 5G-Mobilfunkstandard erworben. Jetzt muss die Firma ein Netz bauen. Dafür ist Glasfaserinfrastruktur wichtig, um die Mobilfunkmasten anzuschließen. In und um Berlin könnte diese von Tele Columbus kommen, vermutet Bauer.

    Der weitere Kurs von Dommermuth bei Tele Columbus sei nicht abzusehen, sagt Bauer. „Uns ist bislang unklar, wohin er das Unternehmen führen will.“ Der von Degenhardt erwogene Verkauf der Infrastruktur sei ein sinnvolles Vorgehen gewesen, nun sei die Zukunft von Tele Columbus ungewiss.

    Was die Angelegenheit noch komplizierter macht: In den vergangenen Monaten war die Start-up-Holding Rocket Internet bei Tele Columbus eingestiegen. Gründer und CEO von Rocket ist Oliver Samwer, ein enger Bekannter von Ralph Dommermuth. Ende Oktober hielt Rocket bereits mehr als zwölf Prozent an Tele Columbus.

    Beim Berliner Kabelnetzbetreiber wurde bereits vermutet, Dommermuth könnte eine verkappte Übernahme vorbereiten, was rechtswidrig wäre. In informierten Kreisen wird dieser Interpretation allerdings widersprochen. Der Einstieg von Rocket habe nichts mit United Internet zu tun.

    An der Börse kamen die jüngsten Entwicklungen nicht gut an. Die Nachricht von Degenhardts bevorstehendem Abgang ließ den Kurs zwischenzeitig um rund sieben Prozent einbrechen.

    Mehr: Mobilfunkunternehmen können ab sofort ungenutzte Teile des Glasfasernetzes der Deutschen Bahn entlang der Strecken verwenden. Zu welchen Konditionen, ist jedoch unklar.

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