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Marktforschung trifft Technologie So will Streetbees-Gründerin Tugce Bulut die Konsumenten entschlüsseln

Das Marktforschungsunternehmen Streetbees sammelt 33 Millionen Euro ein. Mit Künstlicher Intelligenz wollen die Londoner Kundenwünsche finden, die kein Fragebogen offenbart.
28.10.2020 - 09:29 Uhr Kommentieren
Die CEO von Streetbees greift die etablierten Marktforscher an. Quelle: Streetbees
Tugce Bulut

Die CEO von Streetbees greift die etablierten Marktforscher an.

(Foto: Streetbees)

Düsseldorf Marktforschung in Echtzeit und Einblicke, wie Konsumenten wirklich ticken: Tugce Bulut, 38, will mit neuen Technologien etablierten Marktforschern wie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), TNS Infratest und Nielsen das Geschäft streitig machen. Ihr Start-up Streetbees chattet automatisiert mit Millionen Menschen weltweit, die in Textnachrichten, Fotos und Videos über ihren Alltag berichten – etwa wie sie Wäsche waschen, beim Computerspielen snacken oder mit Freunden zu Abend essen. Aus den riesigen Datensätzen ermittelt ein Algorithmus dann Konsumtrends, die bei der Entwicklung neuer Produkte und Marketingkampagnen helfen.

„Diese Form von Forschung war bisher nicht möglich, weil wir Künstliche Intelligenz brauchen, um diese Millionen von Datenpunkten überhaupt auswerten zu können“, sagt Tugce Bulut. Das 2015 gestartete Start-up arbeitet mit Bilderkennungsalgorithmen und linguistischer Datenverarbeitung – also einer Technologie, die aus Texten auch die Stimmung des Absenders herauslesen kann: War er etwa müde, einsam oder frustriert, als er das Eis aus dem Kühlfach holte?

Die Erkenntnisse werden in einer Datenbank für die Kunden einfach durchsuchbar gemacht, Künstliche Intelligenz übersetzt sie in 60 Sprachen. Gegen eine Abogebühr pro Jahr, Land und Produktkategorie können Kunden zum Beispiel Ergebnisse für bestimmte Lebensmittel, Markennamen oder Momente wie das Abendessen durchsuchen.

Der Ansatz überzeugt nicht nur Konsumgüterriesen wie Adidas, Henkel, PepsiCo und Unilever. Das Londoner Marktforschungs-Start-up hat in einer zweiten Finanzierungsrunde auch bei Investoren 33 Millionen Euro eingesammelt – unter anderem beim Berliner Kapitalgeber Lakestar. Zu den Bestandsinvestoren zählen die namhaften englischen Wagniskapitalfirmen Atomico und Octopus.

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    „Das Start-up ist technologisch spannend, weil der Machine-Learning-Algorithmus aus Bildern, Videos und Texten systemisch herausfinden kann, was zum Beispiel gerade in Taiwan im Trend ist“, sagt Lakestar-Partner Christoph Schuh, der künftig im Beratungsgremium des Start-ups mitarbeiten wird. Insgesamt schätzen die Neuinvestoren den Markt für diese Form der Konsumentenforschung auf mehr als 330 Milliarden Euro.

    „Ich wollte immer eine Maschine bauen können, die entschlüsselt, warum Menschen tun, was sie tun“, sagt Bulut, die diese Idee nun zusammen mit ihrem Mitgründer Oliver May vorantreibt.

    Als Studentin der britischen Cambridge-Universität hat die in der Türkei geborene Gründerin die Methoden der Sozialforschung kennengelernt und war später in ihrem Job als Strategieberaterin von EY frustriert, wie wenig Unternehmen tatsächlich über Konsumenten herausfinden können. „Unser Hirn funktioniert so komplex, dass Entscheidungen nicht auf die verschiedenen Antwortmöglichkeiten in einer Multiple-Choice-Umfrage reduziert werden können“, sagt sie mit Blick auf herkömmliche Ansätze – zudem könnten sich die Teilnehmer zum Befragungszeitpunkt kaum noch an ihre Entscheidungen erinnern.

    Corona zeigt, wie wichtig Konsumforschung in Echtzeit ist

    Die Coronakrise habe auch gezeigt, dass Erkenntnisse in Echtzeit kritisch für die Produktchefs in den Unternehmen sein könnten, sagt Lakestar-Partner Schuh. Und das spiegle sich auch im Erfolg von Streetbees wider: „Obwohl die großen Hersteller in der Krise ihre Budgets zusammenhalten müssen, ist Streetbees im Vorjahresvergleich um 150 Prozent gewachsen.“

    Bei der Recherche nach möglichen Konkurrenten hat der Investor nach eigenen Aussagen auf dem Markt nichts Vergleichbares gefunden. Einen Vorsprung dürfte sich Streetbees auch mit seinen 3,5 Millionen Nutzern in 190 Ländern erarbeitet haben. „Als wir das erste Mal eine Untersuchung für Vietnam durchführen sollten, mussten wir unsere Praktikanten zum internationalen Flughafen schicken“, erzählt Bulut. Dort hätten sie die Passagiere nach Vietnam gefragt, ob sie Vietnamesen seien und bei Streetbees mitmachen wollten – wie andere Marktforschungsinstitute zahlt das Start-up dafür Aufwandsentschädigungen.

    Später habe sich Streetbees vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet. Kunden können einsehen, auf welchen Fallzahlen die Trenderhebungen jeweils beruhen.

    Mit dem Geld aus der zweiten großen Finanzierungsrunde will sich Streetbees neue Produktkategorien und Kunden erschließen, unter anderem Finanzinstitute. Die überlegten auch, die Erhebungen von Streetbees in ihre Investmentstrategien aufzunehmen, sagt Bulut.

    In den nächsten zwölf Monaten soll Streetbees von 100 auf 230 Mitarbeiter wachsen. Zu Büros in London, Portugal und den USA soll auch eines in Deutschland hinzukommen, so Bulut.

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