Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Messengerplattform Telegram will weitere Expansion mit Milliardenkredit finanzieren

30 Milliarden Dollar soll der Dienst mit seinen über 500 Millionen Nutzern inzwischen wert sein. Und er wächst stetig. Doch aus den USA droht eine neue Gefahr.
18.01.2021 - 16:55 Uhr Kommentieren
Die russische Messengerplattform gilt als Sammelbecken für Verschwörungsideologen. Quelle: AP
Telegram-Logo

Die russische Messengerplattform gilt als Sammelbecken für Verschwörungsideologen.

(Foto: AP)

Berlin Pawel Durow schwimmt momentan auf einer Welle des Erfolgs: 25 Millionen neue Nutzer hat die von ihm aufgebaute Social-Media-Plattform Telegram allein an drei Januartagen hinzugewonnen. Über 500 Millionen Menschen nutzen den Messengerdienst bereits. Darunter sind auch viele Anhänger von Verschwörungstheorien. Diese schätzen die besondere Verschlüsselung des Dienstes ebenso wie die Tatsache, dass dort kaum Beiträge wegen inhaltlicher Bedenken gelöscht werden.

Der Dienst des wegen politischer Repressionen aus Russland ausgewanderten Technologie-Gründers verzeichnete im vergangenen Jahr ein tägliches Nutzerwachstum von rund 1,5 Millionen. Nun kommen nach der Twitter- und Facebook-Sperre des US-Präsidenten Donald Trump und der Änderung der WhatsApp-Nutzungsbedingungen noch viele weitere User hinzu. „Vielleicht erleben wir gerade die größte digitale Migration in der Geschichte der Menschheit“, spekuliert Durow.

Ein Kredit von über einer Milliarde Dollar soll dem 36-Jährigen nun helfen, die weitere Expansion des heute in Dubai ansässigen Messengers Telegram zu finanzieren. Er habe sich „nicht mit Bankern und Investoren getroffen“, schrieb Durow auf seinem eigenen Telegram-Kanal. Sein Team hätte ein entsprechendes Finanzierungsangebot erhalten. Der Kredit ermögliche es, „völlig unabhängig und unseren Werten treu zu bleiben, während wir eine Monetarisierungsstrategie umsetzen“.

Die russische Investigativ-Onlinezeitung „The Bell“ hatte zudem berichtet, ausländische Investoren hätten Durow für einen fünf- bis zehnprozentigen Anteil an Telegram so viel Geld geboten, dass sich daraus eine Bewertung der Plattform von insgesamt 30 Milliarden Dollar ergebe. Durow habe die Offerte abgelehnt, denn er wolle derzeit keine Beteiligung von außen.

Durow ist mit der Gründung der russischen Facebook-Alternative VKontakte reich geworden und hat Telegram mit seinem Bruder Nikolai bisher allein finanziert. 2015 schätzte er den Wert der Plattform noch auf „drei bis vier Milliarden Dollar“. Aber damals hatte der Dienst auch erst 60 Millionen Nutzer.

Als WhatsApp 2014 von Facebook für 21,8 Milliarden Dollar übernommen wurde, wurde jeder der damals 400 Millionen WhatsApp-Nutzer rechnerisch mit 55 Dollar bewertet. Übertrüge man diese Rechnung auf Telegram, ergäbe sich ein Firmenwert von 27,5 Milliarden Dollar.

Sollte Telegram Investoren davon überzeugen können, dass es ein gutes Geschäftsmodell hat, mit dem sich die große Nutzerzahl monetarisieren lässt, könnte das Unternehmen noch viel höher bewertet werden, glaubt Aleksandr Chachava, Managing Partner von Leta Capital. Die Nutzerzahl von Zoom sei nur halb so groß, doch die Marktkapitalisierung betrage 100 Milliarden Dollar.

Durow will die Unabhängigkeit seines Dienstes wahren

Telegram-Sprecher Markus Ra bestätigte Verhandlungen mit potenziellen Investoren. Die Entscheidung, „welchen Weg wir gehen“, sei aber „noch nicht gefallen“, sagte Ra „The Bell“. Das Unternehmen bereite sich derzeit weder auf einen Verkauf noch auf eine Fusion oder einen Börsengang vor, sagte Ra.

Durow, den man „russischer Mark Zuckerberg“ nennt, hatte immer wieder betont, die Unabhängigkeit Telegrams sichern zu wollen. Zum einen ist damit die Wahrung der Mehrheitsanteile durch ihn und seinen Bruder gemeint. Zum anderen aber auch die Unabhängigkeit des Dienstes gegenüber den Behörden.

Voriges Jahr hatte der russische Geheimdienst die Herausgabe von Quellcodes verlangt, um Telegram-Mitteilungen entschlüsseln zu können. Durow weigerte sich, sie herauszugeben, blieb trotz Schließungsdrohungen hart – und setzte sich am Ende durch. Im Iran ist Telegram während mehrerer Aufstände gegen die Führung zur wichtigsten Plattform der Opposition geworden.

Durow hatte Ende 2020 angekündigt, jetzt Geld mit Telegram verdienen zu wollen. Einzelne Funktionen sollen demnach nur noch gegen Bezahlung zugänglich sein. Zudem stiegen die Kosten für die Server rasant an, von 70 auf zuletzt 220 Millionen Dollar im Jahr.

Darüber hinaus hat Telegram offenbar finanzielle Engpässe, seitdem das Unternehmen 1,2 Milliarden von den 1,7 Milliarden Dollar zurückzahlen musste, die es 2018 für die Einführung einer eigenen Kryptowährung bei Investoren eingesammelt hatte. Das „Initial Coin Offering“ wurde von den US-Behörden als illegale Wertpapieremission eingestuft und untersagt.

Die größte Gefahr droht dem russischen Messengerdienst aktuell wieder aus den USA: Eine Koalition für ein sichereres Internet hat den Smartphone-Konzern Apple aufgefordert, Telegram aus dem App-Store zu verbannen. Das berichtete die „Washington Post“ am Montag. Ähnliches sei laut dem Anwalt der Koalition auch bei Google geplant. Hintergrund seien die antisemitischen, rassistischen und gewaltverherrlichenden Beiträge auf Telegram.

Mehr: Neue App-Funktionen auf Telegram werden kostenpflichtig

Startseite
Mehr zu: Messengerplattform - Telegram will weitere Expansion mit Milliardenkredit finanzieren
0 Kommentare zu "Messengerplattform: Telegram will weitere Expansion mit Milliardenkredit finanzieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%