Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Microsoft setzt auf Bots Nadella ruft das Ende der Apps aus

Microsoft lässt die von Apple und Google beherrschten Apps verschwinden: Digitale Software-Butler – sogenannte Bots – sollen sich vor die Programme schalten – und die Befehle des Nutzers erfüllen. Ein riskantes Abenteuer.
Kommentieren
Der Microsoft-Chef sieht in digitalen Assistenten ein Zukunftsfeld für seinen Konzern. Quelle: AFP
Satya Nadella

Der Microsoft-Chef sieht in digitalen Assistenten ein Zukunftsfeld für seinen Konzern.

(Foto: AFP)

San Francisco Was macht man, wenn die Konkurrenz von Apple und Google uneinholbar die Welt der Apps beherrschen? Man macht Apps einfach überflüssig oder degradiert sie zu unsichtbaren Helfern im Hintergrund.

So sieht die Zukunft aus, wie sie Microsoft-Chef Satya Nadella am Dienstag in San Francisco gezeichnet hat. Der Mensch der Zukunft spricht mit seinem Computer, genauer gesagt seinem digitalen Assistenten so wie mit einem andren Menschen in normalen Sätzen. „Cortana“ heißt dieser Assistent bei Microsoft. Oder er tippt einen Wunsch in das Fenster seines Lieblings-Chatdienstes wie Whatsapp oder Skype ein.

Ein „Bot“, sozusagen ein Software-Butler, greift den Wunsch auf, nimmt Kontakt zur gewünschten App oder Webseite auf und bucht oder bestellt auch gleich. Oder er empfiehlt dank künstlicher Intelligenz eine App, die man aufrufen sollte. Sind die Rahmendaten wie Zahlungsdetails und ähnliches einmal eingegeben, nimmt der Mensch die App nie mehr wirklich wahr.

„Bots sind wie neue Apps. Es ist Schluss mit der Suche nach verschiedenen Apps und Webseiten. Man ruft einfach jede gewünschte App aus einer Unterhaltung heraus auf“, verspricht Nadella tausenden Software-Entwicklern auf der Konferenz Build 2016. Die bekommen die Werkzeuge an die Hand, um entsprechende Schnittstellen zu programmieren. Irgendwann werden dann auch Bots mit Bots reden, zum Beispiel der persönliche Autobot mit dem Werkstattbot und dem Kalenderbot, um den nächsten Ölwechsel zu planen.

Holger Müller, Analyst bei Constellation Research in San Diego, hält die neue Strategie für vielversprechend. „Apps“, sagt er, „werden bald nicht mehr aus dem App-Store, sondern aus einem Chat-Programm gezogen.“ Der Nutzer sieht nur noch eine einheitliche Oberfläche, mit der er sich auskennt. Viel Lernaufwand und Software-Pflege oder Updates werden überflüssig.

Das Ganze funktioniert nicht nur auf Windows, wie Nadella ausdrücklich betont. Cortana spricht auch mit Android-Apps und soll auch auf Smartphones und Tablets von Apple laufen.

Geschwätzig, geschliffen, geschmeidig
Microsoft-Chef Satya Nadella
1 von 13

Millionen von Nutzer erhalten Windows 10 kostenlos. Microsoft-Chef Satya Nadella will so erreichen, dass möglichst viele PC-Besitzer schnell die aktuelle Version nutzen – und gleichzeitig auch die neuen Cloud-Dienste des Konzerns.

(Foto: dpa)
Das neue Startmenü
2 von 13

Vertraut und fremd zugleich: Microsoft führt mit Windows 10 wieder ein Startmenü ein. Es sieht allerdings anders aus als noch unter Windows 7 – so können Nutzer auch Apps in Kacheloptik andocken.

(Foto: )
Hybridgerät Acer Switch 11s
3 von 13

Tastatur oder Touchscreen? Windows 10 schaltet automatisch von einer Oberfläche zur anderen. Das ist bei Hybridgeräten wie dem Acer Switch 11s sinnvoll, dessen Bildschirm Nutzer abnehmen und als Tablet verwenden können.

(Foto: Reuters)
Twitter-App im Fenster
4 von 13

In Windows 8 gab es zwei unterschiedliche Benutzeroberflächen – zur Irritation vieler Anwender. In Windows 10 öffnen sich auch Apps, die für mobile Geräte gedacht sind, in einem klassischen Fenster, hier Twitter – ein geschliffeneres Design.

(Foto: Christof Kerkmann)
Übersicht im Info-Center
5 von 13

Alles auf einen Blick: Im Info-Center sind Benachrichtigungen von Apps zu sehen. Mit der Steuerung können Nutzer zudem auf die Schnelle das Gerät mit einem Wlan-Netzwerk verbinden oder in den Tablet-Modus schalten.

Windows 10 auf einem Smartphone
6 von 13

Windows 10 läuft nicht nur auf PCs, sondern beispielsweise auch auf Smartphones. Da der Kern des Betriebssystems auf allen Geräten gleich ist, sollen Entwickler ihre Apps leichter für die verschiedenen Formate anpassen können.

(Foto: Reuters)
Datenbrille Hololens
7 von 13

Selbst auf der Datenbrille Hololens läuft eine abgespeckte Version von Windows 10 – das futuristische Gerät überlagert das Bild der Umgebung mit grafischen Elementen, etwa Schaltflächen.

(Foto: Reuters)

Microsofts Angriff auf breiter Front hat seinen Grund. Laut des Konzerns arbeiten bereits 270 Millionen Menschen mit Windows 10. Aber die wenigsten davon nutzen es auf ihrem Smartphone oder Tablet. Will der 41 Jahre alte Konzern aus Redmond seine Relevanz in die Zukunft retten, muss er sich also öffnen. Und das hat oberste Priorität für Nadella. Gelingt dem Microsoft-Chef die Neudefinition der menschlichen Interaktion mit dem PC unter Umgehung von Windows, wird sein Konzern zur verbindenden Plattform zwischen Nutzern und Unternehmen sowie Dienstleistern.

Chatbot „Tay“ wurde zum Fiasko

Hassobjekt, Marktbeherrscher, Nachahmer
Gründertruppe
1 von 21

Die Belegschaft von Microsoft im Jahr 1978 mit den beiden Microsoft-Gründern Bill Gates (erste Reihe, links) und Paul Allen (erste Reihe, rechts). Gegründet wurde die Firma am 4. April 1975 in Albuquerque, New Mexico. (Foto: Microsoft/dpa)

Gründer Bill Gates (r.) und Paul Allen
2 von 21

Im Jahr 1981 posieren Bill Gates (rechts) und Paul Allen.

Bill Gates hat sich mittlerweile auf eine Beraterrolle im Unternehmen zurückgezogen und ist als Philanthrop tätig. Paul Allen hat ebenfalls Milliarden mit Microsoft gemacht, spendet einen Teil seines Vermögens. Er investiert aber auch etwa in Sport-Mannschaften. Ihm gehören die Seattle Seahawks (American Football) und die Portland Trail Blazers (Basketball).

(Foto: Picture Alliance / dpa)
MS DOS
3 von 21

Die Basis für den Firmenerfolg legten Allen und Gates mit dem Betriebssystem MS-DOS, das Computern Leben einhauchte. Die grafiklose Bedienoberfläche war lange ein Weg, um auch das spätere Betriebssystem Windows aus dem Hause Microsoft zu konfigurieren. In Abwandlungen hat die grafiklose Bedienoberfläche bis heute überlebt.

(Foto: Imago)
Windows 1.0
4 von 21

Die Packung der ersten Version des Betriebssystems Microsoft Windows. Das damals als Erweiterung zu MS-DOS veröffentlichte Programm kam erstmals 1985 auf den Markt. In den Folgejahren sollte Windows das Fundament für ein Milliardenimperium werden. Es war allerdings nicht das erste Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche – IBM und Apple hatten bereits vorher die Idee umgesetzt. (Foto: Szilveszter Farkas)

(Foto: Creative Commons CC BY-SA 2.0)
Der junge Bill Gates
5 von 21

Ein undatiertes Foto zeigt den jungen Bill Gates in seinem Arbeitszimmer. Zum Start von Windows 1.0 gab es weltweit lediglich sechs Millionen Personal Computer. Erst rund fünf Jahre später, im Jahr 1990, gelang dem Software-Entwickler aus Redmond ein durchschlagender Erfolg mit Windows 3.0.

(Foto: Picture Alliance / dpa)
Windows 95
6 von 21

Bill Gates bei der Präsentation der Version 95 des Betriebssystems im Jahr 1995. Vor allem die dafür entwickelten Büroprogramme wie Word, Excel und Powerpoint helfen Microsoft, den Marktanteil Mitte und Ende der 90er-Jahre auf über 90 Prozent auszubauen.

(Foto: Picture Alliance / dpa)
Apple versus Microsoft
7 von 21

1998 präsentiert der mittlerweile verstorbene Apple-Chef Steve Jobs „Microsoft Office Macintosh Edition“. Damals hauchte die Microsoft-Software dem darbenden Konkurrenten Apple Leben ein. Doch mittlerweile stellt Apple den Rivalen aus Seattle in vielen Belangen in den Schatten.

(Foto: Imago)

Microsofts Skype mit über 300 Millionen aktiven Nutzern wird dabei nicht der einzige Dienst sein, mit dem man in Zukunft über Bots Autos mieten oder Tickets kaufen kann – und das auf iOS, Android oder Windows. Die Konkurrenz versucht bereits ähnliches, wie etwa Apple mit Siri. Allerdings ist Messenger-Dienst des iPhone-Herstellers auf konzerneigene Geräte beschränkt und bislang nicht für Entwickler außerhalb des Apple-Imperiums geöffnet.

Microsoft hingegen öffnet mit dem neuen „Microsoft Bot-Framework“ seinen intelligenten Assistenten für alle Messenger, von Facebooks WhatsApp über Line, Telegram, Slack bis hin zu SMS.

Doch so kreativ der Ansatz ist, Microsoft ist damit nicht alleine. Der 48-jährige Nadella, der 2014 Steve Ballmer an der Spitze des Konzerns abgelöst hat, muss sich also beeilen. Die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern.

Auf der kommenden Entwickler-Konferenz F8 von Facebook wird Mark Zuckerberg weitere Informationen über die Messenger-Plattform von Facebook geben. Bereits heute kann man über den Chat–Dienst Uber-Fahrten buchen. Dem Messenger fehlt nur noch die Verbindung zu einem digitalen Assistenten wie Cortana. Dann hat Microsofts Bot-Welt einen Konkurrenten mit einer Milliarde Nutzern. Google ist ebenfalls nicht untätig und baut mit Google Now an einem eigenen digitalen Assistenten für sein mobiles Betriebssystem Android.

Der Erfolg mit künstlicher Intelligenz wird für Nadellas Zukunft entscheidend sein. Er hat die Devise „Cloud first, Mobile first“ ausgegeben und Microsoft eine komplette Offenheit für alle Plattformen verordnet. Dabei nimmt er einen weiteren Bedeutungsverlust von Windows billigend in Kauf.

Doch die Rechnung wird nur aufgehen, wenn Cloud- und Big-Data-Dienste wie die Bots tatsächlich irgendwann die Umsätze und Gewinne einspielen, die bei Windows wegschmelzen. Insofern tut eine Rückversicherung gut. Windows 10 bekommt im Sommer ein neues, großes Update zum ersten Jahrestag. Man weiß ja nie, wie lange man es noch braucht.

Den ersten Flop mit der neuen Technik hat es bereits gegeben. Der Microsoft-Chatbot „Tay“, ein selbstlernender digitaler Teenager, wurde von den Nutzern mit gezielten Aktionen innerhalb von 24 Stunden vom Unschuldslamm zum rassistisch-sexistischen Hitler-Fan umprogrammiert. Tay ist jetzt offline und Microsoft geht, wie Nadella in San Francisco einräumte, „wieder zurück ans Reißbrett“, und fängt noch einmal von vorne an. Allzu oft darf das nicht passieren.

Startseite

Mehr zu: Microsoft setzt auf Bots - Nadella ruft das Ende der Apps aus

0 Kommentare zu "Microsoft setzt auf Bots: Nadella ruft das Ende der Apps aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.