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Milliarden-Übernahme Angst vor Osram-Zerschlagung: Europa-Parlamentarier schlagen Alarm

Eine Gruppe von Abgeordneten wendet sich mit einem Brief an EU-Wettbewerbs-Kommissarin Vestager. Die Parlamentarier fürchten eine Osram-Zerschlagung.
01.07.2020 Update: 08.07.2020 - 17:00 Uhr 1 Kommentar

München, Brüssel ie

Bald haben die neuen Eigentümer aus Österreich bei dem Traditionskonzern das Sagen. Quelle: Reuters
Osram-Zentrale in München

Bald haben die neuen Eigentümer aus Österreich bei dem Traditionskonzern das Sagen.

(Foto: Reuters)

Die Angst vor einer möglichen Zerschlagung des Traditionskonzerns Osram treibt jetzt auch Europa-Politiker um. In einem Brief an Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager warnt eine Gruppe von Europa-Parlamentariern, dass innovative Technologien an Unternehmen außerhalb Europas verkauft werden könnten.

„Die Lichttechnologie von Osram ist im Lichte der Viruspandemie eine Schlüsselindustrie für Europa. Wir wollen wissen, wie die EU-Kommission sicherstellen will, dass diese Technologie in Europa gehalten werden kann“, sagte der Binnenmarkt-Sprecher der Christdemokraten im Europaparlament, Andreas Schwab, dem Handelsblatt. Den Brief an Vestager hat er gemeinsam mit seinen beiden italienischen Kollegen Alessandra Moretti, einer Sozialdemokratin aus der Lombardei, und Massimiliano Salini, einem Konservativen aus Venetien, geschrieben.

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    Die Wettbewerbshüter wollen bis zum 6. Juli über die milliardenschwere Übernahme von Osram durch den österreichischen Photonik-Spezialisten AMS entscheiden. Da sich die beiden Unternehmen in ihrer Produktpalette nur wenig überschneiden, wird mit einer Genehmigung der Fusion gerechnet. In Industriekreisen wird spekuliert, dass AMS vor allem an den Chip- und LED-Aktivitäten von Osram interessiert ist und zur Refinanzierung des Kaufpreises andere Sparten verkaufen könnte.

    In dem Brief an Vestager, der dem Handelsblatt vorliegt, heißt es: „Wir müssen sicherstellen, dass Unternehmen mit möglichen innovativen Technologien wie Osram weiterhin im EU-Markt operieren.“ Osram biete zum Beispiel UV-C-Technologie für die Oberflächendesinfektion an, die im Kampf gegen das Coronavirus helfe. Die Abgeordneten weisen auch darauf hin, dass der Hauptaktionär von AMS bereits aus Singapur kommt.

    Der Staatsfonds von Singapur, Temasek, ist nach Angaben der Schweizer Börse mittlerweile mit 5,4 Prozent zum größten Einzelaktionär der in Zürich notierten AMS AG aufgestiegen. Zu den Beteiligungen von Temasek gehören beispielsweise die Bank of China und Singapore Airlines.

    Die EU-Kommission hat sich als Reaktion auf die Coronakrise zum Ziel gesetzt, verstärkt wichtige Produktionen in Europa zu halten und eine Abwanderung beispielsweise nach Asien zu verhindern. Das deutsch-italienische Abgeordnetentrio fordert, genau diesen Plan auch bei der wettbewerbsrechtlichen Genehmigung genau zu überprüfen. „Wir müssen sehr sorgfältig darauf achten, dass die EU-Kommission ihre eigenen politischen Ziele auch in der Fusionskontrolle anwendet“, sagte Schwab. Er gehe „davon aus, dass EU-Kommissarin Vestager in der Lage ist, zügig zu antworten“.

    In österreichischen Industriekreisen wurden die Befürchtungen zurückgewiesen: AMS sei ja gerade an den Hochtechnologien von Osram interessiert und habe daher keinerlei Interesse, zukunftsträchtige Bereiche zu verkaufen. „Der Grund, warum sie mehr als vier Milliarden Euro für Osram geboten haben, ist ja gerade Hightech.“ Falls AMS später einmal theoretisch Teile von Osram zum Beispiel nach Asien verkaufen wolle, greife im Übrigen das Außenwirtschaftsgesetz.

    Spekulationen um Autosparte

    Nicht nur bei den Osram-Arbeitnehmervertretern wuchs zuletzt die Angst vor einer Filetierung von Osram. AMS hatte bereits angedeutet, dass die Digitalsparte zur Disposition steht. Dabei handelt es sich um ein defizitäres Sammelsurium, zu dem auch die elektronischen Vorschaltgeräte gehören. Doch gab es zuletzt Hinweise, dass auch große Teile des Auto-Bereichs abgespalten werden könnten.

    Die Automotive-Sparte ist der größte Geschäftsbereich von Osram, der für rund die Hälfte des Umsatzes von 3,5 Milliarden Euro verantwortlich ist. In einer internen Präsentation waren nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen Teile davon in einer Holdingstruktur separat aufgehängt worden, was manche als Vorbereitung eines Verkaufs werteten. Dabei geht es um traditionelle Autobeleuchtung wie Xenon und Halogen.

    Eine mögliche Zerschlagung sei von vornherein die große Befürchtung der Arbeitnehmervertreter gewesen, sagte Aufsichtsratsvize Klaus Abel von der IG Metall dem Handelsblatt. „Das wird nun noch einmal bestätigt.“

    AMS ist kleiner als Osram, in München sehen viele die neuen Eigentümer noch immer skeptisch. Zuletzt sorgte ein Bericht des Handelsblatts für Aufsehen, wonach die Wiener Finanzmarktaufsicht (FMA) wegen Geschäften mit AMS-Aktien ermittelt. Nach Informationen der Zeitung „Die Presse“ wurde die Untersuchung durch einen anonymen Brief ausgelöst.

    Dabei verfolgt die Börsenaufsicht nach Informationen des Handelsblatts aus dem Umfeld der Untersuchungen mehrere Ermittlungsstränge. Zum einen werde geprüft, ob sogenannte Directors Dealings, also Aktiengeschäfte von Vorständen und Aufsichtsräten, nicht nur in der Schweiz, wo AMS gelistet ist, hätten gemeldet werden müssen, sondern auch in Österreich.

    Darüber hinaus würden aber auch andere Tatbestände geprüft. AMS betonte in einer Mitteilung, es gebe laut FMA keine Untersuchungen gegen das Unternehmen selbst. Die Behörden hätten aber mitgeteilt, dass „es Ermittlungen wegen möglichen Insiderhandels gegen natürliche oder juristische Personen gibt, die entweder mit AMS in Verbindung oder nicht in Verbindung stehen können“.

    Osram-Aufsichtsratsvize Abel betonte im Gespräch mit dem Handelsblatt, auch für die Manager von AMS gelte die Unschuldsvermutung. Die Untersuchungen verstärkten aber „Fragezeichen hinsichtlich der Integrität des AMS-Managements“. Die Arbeitnehmervertreter forderten volle Transparenz und von den Behörden die vollständige Aufklärung der Vorgänge.

    Mehr: Österreichs Börsenaufsicht prüft den umfangreichen Aktienhandel des AMS-Managements

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    1 Kommentar zu "Milliarden-Übernahme: Angst vor Osram-Zerschlagung: Europa-Parlamentarier schlagen Alarm"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der eigentliche Bolzen liegt ganz woanders: Bei der Firma Siemens. Die hätte nämlich die Zukunftstechnologie-Firma Osram gar nicht verkaufen sollen. Was jetzt folgt, ist seit dem Verkauf klar.

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