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MilliardendealSAP kauft Softwaremanagement-Firma Leanix

Für SAP ist der Kauf des Bonner Start-ups die größte Übernahme seit fünf Jahren. Ein überraschender Profiteur des Deals ist die Deutsche Telekom.Philipp Alvares de Souza Soares, Thomas Jahn, Christof Kerkmann 07.09.2023 - 15:49 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Für den Softwarekonzern ist die Übernahme von Leanix der größte Deal seit rund fünf Jahren.

Foto: SAP (M)

Hamburg, Düsseldorf. SAP baut sein Portfolio mit einer Übernahme in Deutschland aus und kauft das Bonner Software-Start-up Leanix. Dessen Cloud-Plattform verschafft Unternehmen halbautomatisiert einen Überblick über ihre IT-Systeme. Das Handelsblatt hatte über die bevorstehende Übernahme bereits am Mittwoch berichtet.

Die Deutsche Telekom gehört zu den bisherigen Investoren, die nun vom Verkauf profitieren. Der Konzern ist der Ankerinvestor von DTCP, die bislang 22 Prozent der Anteile halten. Weitere Anteilseigner sind Insight Partners, Goldman Sachs, Capnamic und Dawn Capital. Insgesamt hatte das Start-up bisher 120 Millionen Dollar Risikokapital eingesammelt.

Leanix wird bei der Übernahme laut Informationen aus Branchenkreisen mit knapp 1,2 Milliarden Euro bewertet. Der Kaufpreis entspricht damit marktüblichen Bewertungen. Leanix wächst seit Jahren stark, will in diesem Jahr mit fast 600 Mitarbeitern 100 Millionen Euro Umsatz erzielen. Die Deutsche Telekom und SAP lehnten Stellungnahmen zum Kaufpreis ab.

Leanix hilft beim Überblick über die Unternehmens-IT

Die SAP-Aktie legte am Donnerstag rund ein Prozent zu und stieg zwischenzeitlich auf ein Jahreshoch von 130,42 Euro. Oberhalb der Marke von 130 Euro waren die Papiere zuletzt im Oktober 2020 aus dem Handel gegangen.

Die Übernahme soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Für SAP ist es der größte Deal, seit das Unternehmen vor fünf Jahren die Technologieplattform Qualtrics für acht Milliarden Dollar erworben hat. SAP-Chef Christian Klein sagte: „Gemeinsam mit Leanix wollen wir eine einzigartige Transformations-Suite anbieten, um unseren Kunden eine ganzheitliche Unterstützung in ihren Geschäftstransformationen zu ermöglichen.“

Mit der Plattform von Leanix können Unternehmen ihre IT-Landschaft „vermessen“. Das System verzeichnet weitgehend automatisch, welche Programme in welchen Versionen zum Einsatz kommen und ob einige davon veraltet sind. Gründer und Chef André Christ bezeichnete das Konzept mal als „Google Maps für die IT“.

Das Unternehmen hat das Produkt seit der Gründung 2012 stetig ausgebaut. Neben Softwareinstallationen können Firmen damit heute auch Cloud-Dienste und sogenannte Microservices verwalten. Das sind kleine Anwendungen, die Organisationen in ihre eigenen Systeme einbinden, wie beispielsweise den Bezahldienst einer Bank. Leanix-Mitgründer André Christ betont die hohe Kundentreue, man arbeite beispielsweise mit Bosch schon „viele Jahre“ in verschiedenen Projekten zusammen.

SAP könnte mit Leanix ein zentrales Problem lösen

Die Technologie von Leanix könnte SAP helfen, ein zentrales Problem bei der strategischen Neuausrichtung zu lösen. Viele Bestandskunden zögern, S/4 Hana einzuführen – also die seit 2015 verfügbare aktuelle Generation der Software, mit der Organisationen Geschäftsprozesse steuern. Im Fachjargon ist vom Enterprise Resource Planning (ERP) die Rede.

Nach Zahlen des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner vom Jahresanfang haben fast 70 Prozent aller Bestandskunden noch keine Lizenzen für S/4 Hana gekauft – trotz Programmen wie „Rise with SAP“, die eine Erleichterung bei der Migration versprechen. Und nur 20 Prozent haben zumindest ein Modul im produktiven Einsatz.

Ein Hindernis ist die Komplexität: Viele Unternehmen setzen mehrere ERP-Systeme parallel ein und haben die Programme zudem umfassend individuell konfiguriert. Der Wechsel auf S/4 Hana gilt daher als langwierig und kostspielig. Transparenz über die IT-Landschaft beschleunige die Transformation, warb Leanix-Chef Christ im vergangenen Jahr um SAP-Kunden.

Diese Umstellung will das SAP-Management mit der Übernahme nun offenbar beschleunigen. Die Technologie von Leanix soll Teil der „Transformations-Suite“ werden, mit der Kunden Veränderungen im Geschäftsumfeld leichter in der IT abbilden und Geschäftsprozesse optimieren können sollen. Dazu zählt auch die Prozessoptimierungsplattform von SAP Signavio. SAP hatte Signavio im März 2021 für 950 Millionen Euro übernommen.

500 Unternehmen sind bereits gemeinsame Kunden

Genaue Angaben zu möglichen Synergien wollte SAP zwar nicht machen. Leanix arbeitet aber bereits seit einigen Jahren mit SAP Signavio zusammen. Im vergangenen Sommer kündigten die Unternehmen an, im Rahmen einer strategischen Partnerschaft ihre Produktentwicklung abzustimmen und einen gemeinsamen Vertrieb aufzubauen. Rund die Hälfte der insgesamt mehr als 1000 Kunden von Leanix nutzen auch SAP-Produkte.

Laut SAP-Strategiechef Sebastian Steinhäuser ist Leanix eine ideale Ergänzung zu SAP Signavio. Gemeinsam würden sie Kunden den Weg in die Cloud erleichtern. „Ich spreche jedes Quartal mit Dutzenden CEOs“, sagt Steinhäuser, „sie alle wissen, wie groß der Nutzen ist, wenn man Geschäftsprozesse und IT-Systeme aufeinander abstimmt.“

Das Start-up arbeitet bereits länger mit SAP zusammen.

Foto: LeanIX

Durch Künstliche Intelligenz (KI) könne der Nutzen zusätzlich wachsen, Steinhäuser hegt mit Blick auf die Technologie „große Hoffnungen“. Vor zwei Wochen führte Leanix einen KI-Assistenten ein, der auf dem Sprachmodell GPT-3.5 des US-Anbieters OpenAI basiert.

Starkes Wachstum: 100 Millionen Euro 2023

Die Hälfte aller Dax-Konzerne sind Leanix-Bestandskunden, unter anderem Adidas und Beiersdorf. Doch nur ein Viertel der Leanix-Kunden kommt aus Deutschland. In den vergangenen Jahren wuchs vor allem das US-Geschäft stark. Rund die Hälfte des Umsatzes und 30 Prozent der Kunden wie John Deere, Mars oder Dropbox stammen von dort.

Profitabel ist Leanix nicht. Im vergangenen Jahr machte das Start-up 14 Millionen Euro Verlust, auch wegen der Investitionen in die Produktentwicklung und den Vertrieb.

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„Dieser Verkauf eines Tech-Unternehmens an einen deutschen Großkonzern steht für die Stärke des deutschen Tech-Ökosystems“, sagt Thomas Preuss, ein früher Investor von Leanix und Managing Partner bei DTCP. „Es ist so wichtig, dass Leanix nicht an einen Käufer außerhalb Europas verkauft wurde. Damit fließt jetzt auch wichtiges Kapital zurück in die deutsche Tech-Szene.“

Mitarbeit: Nadine Schimroszik, Arno Schütze

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