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Mini-Warenlager Wie das Start-up Noyes die Schnelllieferdienste profitabel machen will

Zwei Münchener Gründer haben den Prototyp für das kleinste, automatisierte Lager der Welt gebaut. So passt ein gesamtes Supermarktsortiment in die Garage.
20.07.2021 - 13:00 Uhr Kommentieren
Die Experten aus der Autoindustrie haben 2021 Noyes gegründet: Ihre winzigen, mit Robotern betriebenen Warenhäuser sind schon vor dem Marktstart sehr gefragt. Quelle: Noyes Technologies GmbH
Aaron Spiegelburg und Marco Prüglmeier

Die Experten aus der Autoindustrie haben 2021 Noyes gegründet: Ihre winzigen, mit Robotern betriebenen Warenhäuser sind schon vor dem Marktstart sehr gefragt.

(Foto: Noyes Technologies GmbH)

München Aaron Spiegelburg steht vor seinem Prototyp und erklärt: „Wenn die neuen Schnelllieferdienste irgendwann profitabel werden sollten, dann nur mit diesem System“, sagt der Gründer und Finanzchef von Noyes Technologies. Er meint Gorillas, Flink und all die anderen jungen Lieferfirmen, die Kunden in wenigen Minuten bestellte Produkte per Fahrradkurier aus Innenstadt-Lagern zustellen.

Die Firmen sind inzwischen so beliebt wie umstritten. Entweder setzen Investoren hohe Millionenbeträge auf die Start-ups, oder sie halten das Geschäftsmodell für nicht tragfähig. Derzeit wird bei jeder Fahrt draufgezahlt. Die große Wette: Die Kosten sinken, wenn Wettbewerber vom Markt verdrängt sind, Kunden sich an den Service gewöhnt haben und mehr Produkte pro Bestellung kaufen.

Spiegelburg und sein Mitgründer Marco Prüglmeier, der Chef von Noyes, könnten allerdings eine der größten Herausforderungen der neuen Schnelllieferdienste gelöst haben. Es geht um die kostengünstige Lagerung in der Innenstadt. Vor Spiegelburg steht – zwischen Eingangstür und Küchenzeile des Noyes-Büros an der Münchener Leopoldstraße – das wohl kleinste Warenhaus der Welt.

Das System würde auch in eine Garage passen. Spiegelburg und Prüglmeier gehen davon aus, dass die kleinste von Kunden nachgefragte Version etwa 20 Quadratmeter einnehmen wird. Das soll für das Sortiment eines schnell liefernden Supermarkts ausreichen.

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    Spiegelburg und Prüglmeier sprechen von einem „Nano-Warehouse“, denn bei „Micro“ denke der Markt noch an 900 Quadratmeter. Solche Flächen sind in der Münchener Innenstadt in unmittelbarer Kundennähe schwer zu finden und fast unmöglich zu bezahlen. Entscheidend ist, was in dieses Mini-Lagerhaus alles reinpasst. „Es ist ultradicht“, sagen die Gründer.

    Nicht jede Schublade könnte ein menschlicher Nutzer von außen erreichen. Im Innern bewegen intelligent-gesteuerte Roboter die Kisten mit den Produkten an die Ausgabestellen. Quelle: Noyes Technologies GmbH
    Modell eines Nano-Warenhaus

    Nicht jede Schublade könnte ein menschlicher Nutzer von außen erreichen. Im Innern bewegen intelligent-gesteuerte Roboter die Kisten mit den Produkten an die Ausgabestellen.

    (Foto: Noyes Technologies GmbH)

    Vorstellen kann man sich das System wie einen Schrank im Würfelformat, bei dem einige Schubladen so im Innenraum liegen, dass der Benutzer nicht herankommt. Der Clou: Im Innern arbeiten kleine Roboter, die die jeweils geforderte Ware an die Ausgabefächer bewegen können. Das geht nach Aussage von Prüglmeier „in unter zehn Sekunden“ – die Schnelllieferdienste gingen für die manuelle Bestückung eines Warenkorbs von mehr Zeit pro Produkt aus.

    Wichtig ist den Gründern auch, dass sich das System mit allen Standardboxen aus den verschiedenen Industrien kombinieren lässt. Auch eine effiziente Kühlung und Tiefkühlung ist möglich.

    Prüglmeier und Spiegelburg hatten die ersten Ideen zu ihrem Mini-Warenhaus, schon bevor sie erstmals von den neuen Lieferdiensten gehört hatten. Deshalb haben sie von Anfang an verschiedene Anwendungsszenarien verfolgt.

    In diesen Bereichen wollen die Gründer aktiv werden:

    • 24-Stunden-Supermarkt: In München, wo das Start-up Noyes sitzt, schließen die Geschäfte schon um 20 Uhr. Auch in vielen anderen deutschen Städten existieren strengere Regelungen zu Ladenschlusszeiten als in anderen Ländern. Mit dem System von Noyes könnten Supermärkte aber wohl rund um die Uhr operieren – als Selbstbedienungsladen, bei dem die Nutzer per App oder integriertem Display bestellen. Leise genug wäre das System.
    • Paketstation und Fulfillment-Center: Die Gründer wollen das Noyes-System mittelfristig auch als sogenanntes Fulfillment-Center anbieten. Dann könnten auch kleinere Händler einzelne Schubladen mieten – etwa um häufig schnell benötigte Produkte zu vertreiben wie Ladegeräte und Geschenkartikel. Onlinehändler Zalando könnte die Schränke mit Schuhen befüllen, die in einem Viertel besonders häufig bestellt werden, und damit auf Sofortlieferung für einige Produkte umsteigen. Daneben eignet sich das System als platzsparender Ersatz für aktuelle Paketstationen.
    • Das Warenlager am Förderband: Zuerst hatten Prüglmeier und Spiegelburg den Bedarf an kleinen Lagersystemen in der Industrie erkannt. Deshalb bieten sie ihr Nano-Warehouse auch als Lösung an, mit der Mitarbeiter in der produzierenden Industrie förderbandnah Zugriff auf kleine Bau- und Ersatzteile haben.

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    Noyes will mit Investorengeldern die Zahl der Mitarbeiter verdreifachen

    Mit so vielen Einsatzszenarien hat Noyes nicht nur viel Kundeninteresse geweckt, sondern nach der Gründung im Januar auch schnell Investoren gefunden. Die erste Finanzierungsrunde über 3,2 Millionen Euro wird jetzt von Vsquared Ventures angeführt, zudem beteiligen sich 468 Capital und Abacon Capital.

    Damit soll die Entwicklung vorangetrieben und die Mitarbeiterzahl von zehn auf 30 gesteigert werden. „Allein der Anwendungsfall in der Industrie wäre für uns groß genug gewesen“, sagt Thomas Oehl von der Wagniskapitalfirma Vsquared Ventures, die auf Ingenieurthemen spezialisiert ist.

    In diesem Feld überzeugen die Noyes-Gründer auch mit der größten Expertise. Beide kommen aus der Automobilindustrie. Maschinenbauingenieur Marco Prüglmeier, 49, hat 20 Jahre in verschiedenen Managementfunktionen in der Logistik von BMW gearbeitet und das „Logistics Innovation Lab“ aufgebaut.

    Wirtschaftsingenieur Aaron Spiegelburg, 43, hat bei BMW 18 Jahre lang die logistischen Themen aus Finanz- und Controlling-Sicht bearbeitet. Bevor sie 2021 schließlich Noyes gründeten, starteten sie zusammen 2020 noch eine Beratung mit Logistik-Fokus.

    Der erste Pilotkunde der Industrieveteranen kommt dennoch aus dem sogenannten Quick- oder auch Q-Commerce, ist also ein Schnelllieferdienst. Hier ist der Druck besonders groß und wächst durch immer mehr investiertes Geld.

    Allein in den Berliner Anbieter Gorillas sollen Investoren mehr als 281 Millionen Euro investiert haben. Die Firma wurde innerhalb nur eines Jahres zum Einhorn, erreichte also eine Milliardenbewertung.

    Und das ist nur das größte deutsche Start-up. In anderen Märkten werden noch größere Summen bei Finanzierung und Bewertung aufgerufen. „Es ist völlig klar, dass diese automatisierte Lösung nötig sein wird, um den Q-Commerce profitabel zu machen“, sagt Investor Thomas Oehl. Im Prinzip wettet er auch auf das Kalkül seiner Investorenkollegen: Wenn ihr Riesengeschäft nicht platzen soll wie eine Blase, dürften sie bald großes Interesse an seiner Beteiligungsfirma zeigen.

    Mehr: Gorillas: Superschneller App-Supermarkt erreicht Einhorn-Status im Eiltempo.

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