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Mobilfunk 5G-Technologie von Huawei: Netzbetreiber schaffen Fakten

Deutsche Firmen setzen bei 5G Technik des chinesischen Konzerns ein. Dabei hatte die Telekom im Dezember betont, sie warte mit Neuverträgen ab.
06.02.2020 - 04:14 Uhr Kommentieren
Der chinesische Ausrüster gilt als führend beim neuen Mobilfunkstandard. Quelle: Xinhua / eyevine / laif
Huawei-Smartphone mit 5G

Der chinesische Ausrüster gilt als führend beim neuen Mobilfunkstandard.

(Foto: Xinhua / eyevine / laif)

Berlin, London, Düsseldorf Die Deutsche Telekom ist derzeit sehr bemüht, gute Stimmung aufkommen zu lassen. Vergangene Woche hat sie eine große Party für ihre Führungskräfte ausgerichtet. Es gab den 25. Jahrestag ihres Börsengangs zu feiern. Der scheidende Chef der US-Tochter, John Legere, legte sich besonders ins Zeug: „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong sang er zum Abschied.

In Wahrheit ist die Welt für die Telekom aber nicht so wundervoll. Nicht nur, dass der Ausgang der Megafusion mit dem Rivalen Sprint in den USA immer noch offen ist. Auch auf dem deutschen Heimatmarkt steht der Dax-Konzern unter Druck: Er hat seinen Kunden die rasche Einführung des nächsten Mobilfunkstandards 5G versprochen.

Doch der wichtigste Techniklieferant ist Huawei, der chinesische Netzausrüster. Der steht seit Monaten im Mittelpunkt einer hitzigen politischen Debatte.

Die SPD und Teile der Union setzen sich aufgrund von Sicherheitsbedenken dafür ein, dass Huawei aus dem deutschen Netz verbannt wird. Sollte Berlin den Marktzugang für Huawei tatsächlich einschränken, hätte das starke Auswirkungen auf die Telekom.

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    Um der Kontroverse zu entgehen, entschied sich die Telekom im Dezember zu einem außergewöhnlichen Schritt. Ein Sprecher teilte dem Handelsblatt damals mit: „Angesichts der unklaren politischen Lage gehen wir aktuell keine Verträge zu 5G ein, mit keinem Hersteller.“ Das war eine deutliche Ansage – auch in Richtung der Politiker in Berlin. Die Telekom wollte abwarten, wie die Bundesregierung entscheidet.

    Damit ging die Telekom zugleich auf Distanz zu den anderen beiden Netzbetreibern in Deutschland: Vodafone und Telefónica. Die hatten bereits deutlich gemacht, auch weiter Technik von Huawei für den 5G-Ausbau verwenden zu wollen, und sich damit Kritik aus Berlin eingehandelt.

    Nun aber stellt sich heraus: Der Einsatz von Huawei beim 5G-Ausbau der Telekom ist nicht gestoppt, er geht weiter. „Wir haben bisher vor allem aus vorhandenen (Test-)Beständen 5G-Antennen von Ericsson und Huawei verbaut“, bestätigte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage des Handelsblatts.

    Das stehe nicht im Widerspruch zur Ankündigung aus dem Dezember, keine Verträge für 5G abzuschließen, so der Sprecher. Doch konkrete Angaben zum Ausbau seit Dezember und zum Anteil von Huawei-Technik machte die Telekom nicht.

    Scharfe Warnungen von den Gegnern

    „Die Deutsche Telekom befindet sich generell in einer sehr frühen Phase des 5G-Netzbetriebs und sammelt Erfahrungen mit den Herstellern“, erklärte der Sprecher. Zum Start des 5G-Netzes der Telekom im September hatte der Konzern von 150 Antennen berichtet, die bereits mit dem modernen Standard funkten.

    Heute ist das Netz deutlich größer geworden. „Wir haben derzeit 450 5G-Antennen verschiedener Unternehmen aus Beständen montiert. Ende 2020 sollen insgesamt 1500 5G-Antennen montiert sein“, heißt es bei der Telekom. Welcher Anteil dabei auf Huawei oder den zweiten Telekom-Ausrüster Ericsson entfällt, wird nicht gesagt.

    Von den Huawei-Gegnern in Berlin kommen scharfe Warnungen: „Der Telekom muss klar sein, dass sie Huawei-Technik auf eigenes Risiko verbaut“, sagte Metin Hakverdi, China-Berichterstatter der SPD-Fraktion. Auch SPD-Außenpolitiker Christoph Matschie mahnte: „Alle wissen, dass die politische Debatte nicht entschieden ist.“

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    Die Sorge, dass die Telekommunikationsanbieter mit der Installation Fakten schaffen, treibt Koalitionspolitiker schon länger um. „Ich kann die Telekommunikationsanbieter nur vor dem Versuch warnen, mit dem Erwerb von Huawei-Technologie vollendete Tatsachen zu schaffen“, mahnte etwa CDU-Innenpolitiker Christoph Bernstiel, einer der Wortführer der Huawei-Kritiker in der Union. „Niemand kann mehr so tun, als stünde die Gefahr einer Regulierung nicht im Raum.“

    Die Telekom investiert derzeit große Summen in den Netzausbau. In Städten wie Berlin, München, Köln oder in der Nähe der Konzernzentrale in Bonn funkt das Unternehmen schon im 5G-Standard. Bis zum Jahresende will die Telekom 5G in 30 Städten anbieten.

    Alle Netzbetreiber – Telekom, Vodafone und Telefónica – hatten während der vergangenen Monate argumentiert, Huawei sei wichtig für den 5G-Ausbau in Deutschland. Bei strengen Begrenzungen oder gar einem Verbot drohten Kosten in Milliardenhöhe und massive Verzögerungen. Huawei wollte sich auf Anfrage nicht zu 5G-Verträgen in Deutschland äußern.

    Argumente verpuffen

    Doch diese Argumentation hat an Kraft verloren. Vergangene Woche hat sich Großbritannien zu einer Begrenzung‧ beim Einsatz von Huawei-Produkten entschieden. Im besonders sensiblen Kernnetz ist der Anbieter ausgeschlossen. Im erweiterten Netz, dem sogenannten RAN-Netz, dürfen Komponenten von Huawei nicht mehr als 35 Prozent ausmachen. Auch die Netzbetreiber in Großbritannien hatten zunächst vor weitreichenden Konsequenzen gewarnt. Nun rudern sie zurück.

    Die Kosten durch die neue Vorgabe würden in Großbritannien 200 Millionen Euro betragen, verteilt über fünf Jahre, erklärte Vodafone am Mittwoch. Vodafones Wettbewerber BT rechnet mit Umbaukosten von 500 Millionen Pfund, die sich ebenfalls über fünf Jahre strecken lassen.

    Die finanzielle Last des Netzausbaus fällt damit deutlich geringer aus, als die Unternehmen vor der Entscheidung der britischen Regierung suggeriert hatten.
    Vor einem Jahr hatte der Vodafone-Chef Nick Read gewarnt, es könnte „sehr, sehr teuer“ werden, wenn man die Bauteile austauschen müsse. Es könnte die Einführung von 5G in Europa um „wahrscheinlich zwei Jahre“ verzögern.

    Davon ist nun keine Rede mehr. Read sprach davon, die Beschränkungen bei Huawei seien kein großes Thema für Vodafone in Großbritannien. Er warnte jedoch, dass ein strengeres Vorgehen gegen Huawei in anderen Märkten in Europa weitreichende Auswirkungen haben könnte. Details nannte er aber nicht.

    Der Branchenexperte John Strand kritisiert die Informationspolitik der Unternehmen: „Die Telekommunikationsanbieter reden gern über Kosten, verschweigen aber, dass sie große Teile dieser Kosten ohnehin tragen müssen, um ihre 4G-Ausrüstung auf 5G umzustellen.“ Ein Umstieg auf neue Technik sei teuer – auch ohne einen Ausschluss von Huawei.

    Mehr: Die USA drängen Deutschland, keine Technik des chinesischen Anbieters einzusetzen. Auch in der Koalition gibt es Streit darüber. Ist ein Ausschluss gerechtfertigt? Ein Pro und Contra.

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