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Mobilfunk Bieterschlacht der Telko-Riesen – Warum die 5G-Auktion so lange dauert

Seit Monaten wird um die Frequenzen für das 5G-Netz gerungen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Zwei Spieltheoretiker erklären, warum es so lange dauert.
  • Vitali Gretschko, Stephan Knapek
Update: 05.06.2019 - 17:34 Uhr Kommentieren
Die Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzblöcke läuft seit fast drei Monaten. Quelle: dpa
Die Uhr läuft weiter

Die Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzblöcke läuft seit fast drei Monaten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEigentlich will Deutschland Leitmarkt beim nächsten Mobilfunkstandard 5G sein. Doch der Auftakt für die Zukunftstechnik verzögert sich. Seit fast drei Monaten bieten die etablierten Mobilfunker Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica sowie der Herausforderer United Internet für die Frequenzen.

Die Summe der Höchstgebote hat die Marke von sechs Milliarden Euro überschritten. Doch noch immer ist unklar, wann es eine Einigung geben könnte.

Zwei Experten haben sich die Auktion näher angeschaut. Professor Vitali Gretschko vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und der Spieltheoretiker Stephan Knapek von der Beratungsgesellschaft TWS Partners schlüsseln für das Handelsblatt auf, welche Gründe es ihrer Meinung nach für die lange Auktion gibt:

Die 5G-Auktion bricht Rekorde bei der Dauer 

Seit dem 19. März und mehr als 460 Runden ringen die Mobilfunkbetreiber um die 5G-Frequenzen. Ein einsamer Rekord für deutsche Frequenzauktionen. Selbst die legendäre UMTS-Auktion von 2000 war nach „nur“ 173 Runden und drei Wochen vorbei. Trotz der langen Dauer steigen die Preise in den letzten Wochen nur langsam und die aktuellen sechs Milliarden Euro Erlös sind zwar jetzt schon höher als bei den Auktionen 2010 (6 Wochen, 221 Runden) und 2015 (6 Wochen, 181 Runden).

Natürlich wird eine Auktion aber nicht über die Anzahl der Runden entschieden, sondern über den Preis. Woran liegt es also, dass die Preise so langsam steigen und die Auktion auch bei den relativ hohen Preisen noch nicht vorbei ist? Eine Mitschuld tragen einige Regeln der Auktion.

Es werden gleichwertige Frequenzen separat versteigert

Stellen Sie sich vor, Sie möchten in einer Auktion Reis kaufen. Natürlich erwarten Sie, dass man nicht auf jedes Reiskorn einzeln bieten muss, sondern seine Wünsche in Kilogramm angeben kann. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) versteigert jedoch jedes Reiskorn einzeln. Unter den insgesamt 41 Frequenzblöcken, die versteigert werden, sind 27 gleichwertige Blöcke, auf die die Bieter jedoch einzeln Gebote abgeben müssen.

Nun geht es seit vielen Runden letztlich nur noch um einen dieser 27 Blöcke. Da die Blöcke aber separat versteigert werden, überbieten sich die Bieter Runde um Runde auf einem dieser Blöcke ein kleines bisschen. Es braucht also 27 Runden, damit der Preis von allen Blöcken ein kleines bisschen steigt. Als würden die Bieter Runde um Runde sich ein anderes Reiskorn wegbieten, weil ein Korn zu wenig im Sack ist.

Die Bundesnetzagentur hat zu früh das Mindestgebot gesenkt

Die Auktionsregeln sehen vor, dass man das aktuell höchste Gebot auf einem Frequenzblock um mindestens zehn Prozent überbieten muss. Dieses Mindestgebot kann jedoch im Laufe der Auktion von der Bundesnetzagentur auf fünf Prozent und auf zwei Prozent gesenkt werden. Die Bundesnetzagentur machte von diesem Instrument früh Gebrauch, um den Preisanstieg zu bremsen.

Zusammen mit der separaten Versteigerung von gleichwertigen Frequenzblöcken führt dies dazu, dass die Preise seit Wochen nur noch sehr langsam steigen. Um dem entgegenzuwirken, machte die BNetzA heute von der Sonderregel Gebrauch, Mindestgebote individuell pro Block festzulegen. Sie legte im 3,6-Gigaherz-Bereich Mindesterhöhung von 13 Millionen Euro fest. Eine Maßnahme, die spät kommt und nicht nötig gewesen wäre, wenn man von Anfang an alles richtig gemacht hätte. 

Die Bieter dürfen eine Mindestausstattung anmelden

Es sieht so aus, als ob Drillisch acht der insgesamt 41 Frequenzblöcke benötigt. Eine Frequenzausstattung, von der Experten im Vorfeld meinten, dass sie ausreicht, um ein viertes Netz aufzubauen. Wenn nun aber ein Wettbewerber einen der Blöcke überbietet, wie soll Drillisch dann reagieren? Sich mit einem Block weniger zufrieden geben, ist keine Lösung, denn dann könnte der Netzaufbau gefährdet sein. Aber mitbieten, und dann möglicherweise sogar mehr als beabsichtigt zahlen müssen?

Das ist so ähnlich, wie wenn man auf zwei Schuhe bietet – einen linken und einen rechten. Am Ende mit nur einem Schuh dazustehen, ist nicht gut. Aber wenn man sein maximales Budget auf die beiden Schuhe geboten hat, wie reagiert man dann, wenn man nur bei einem Schuh überboten wird?

Die Bundesnetzagentur hat diese Problematik dadurch abzumildern versucht, dass sie den Bietern die Möglichkeit gab, vorab eine Mindestversorgung festzulegen. Wenn sie dann in der Auktion am Ende mit weniger Blöcken als in dieser Mindestversorgung herauskommen, müssen sie auf die eigentlich ersteigerten Blöcke verzichten ohne etwas zu zahlen.

Das bringt aber wieder neue Probleme mit sich: So könnte Drillisch die Strategie fahren, mit einer relativ hohen Mindestversorgung zunächst die Preise in die Höhe zu treiben, um dann mit Verweis auf die Mindestversorgung die Auktion am Ende ohne Block und ohne Zahlung zu verlassen.

Eine ähnliche Situation gab es auch bei der polnischen LTE-Auktion. Neueinsteiger waren nicht verpflichtet, ihre Frequenzen zu kaufen. Die Auktion dauerte über acht Monate und am Ende traten die Neueinsteiger von ihren Zahlungsverpflichtungen schadenfrei zurück. Für alle Beteiligten wäre das der Gau. Eine sehr lange dauernde Auktion, kein vierter Netzbetreiber, durch einen Spieler am Markt eskalierte Preise und dieser muss selbst nichts zahlen, trägt aber einen immensen politischen Schaden davon.

Mehr: Netzagentur will 5G-Auktion beschleunigen und erhöht die Mindestgebote deutlich.

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