Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mobilfunk Brennende 5G-Masten: Verschwörungstheorie um Corona verbreitet sich

Großbritannien, Zypern, Niederlande: In immer mehr Ländern verüben Menschen Attacken auf 5G-Masten. Auch in Deutschland wird vor Anschlägen gewarnt.
18.04.2020 - 08:30 Uhr Kommentieren
An einer Wand in Kensington in Großbritannien stellt ein Graffito einen Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie und dem 5G-Mobilfunk her. Quelle: REUTERS
Corona-Graffiti

An einer Wand in Kensington in Großbritannien stellt ein Graffito einen Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie und dem 5G-Mobilfunk her.

(Foto: REUTERS)

Düsseldorf Als die ersten Brandanschläge auf 5G-Mobilfunkantennen in Großbritannien verübt wurden, nahmen allenfalls Experten davon Notiz. Doch innerhalb weniger Wochen hat sich die Lage geändert. In Großbritannien wurden bereits mehr als 60 Mobilfunkantennen in Brand gesteckt. Ähnliche Attacken registrierten mittlerweile auch Behörden in den Niederlanden, Zypern oder Irland.

Hintergrund der Angriffe ist eine Verschwörungstheorie, die in Europa seit einigen Wochen immer mehr Verbreitung findet. In Online-Foren behaupten Menschen, es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausbruch des Coronavirus und dem Ausbau des neuesten Mobilfunkstandards 5G.

Es gibt sehr unterschiedliche Argumentationen. In vielen Darstellungen wird der Zusammenhang hergestellt, weil der Zeitpunkt der Corona-Pandemie mit dem Ausbau des 5G-Mobilfunks zusammenfällt. Manche Theorien behaupten, 5G-Strahlung töte Menschen und die Corona-Pandemie sei eine Kampagne, um die Todeszahlen zu vertuschen. Andere Theorien behaupten, 5G schwäche das Immunsystem und erleichtere damit die Verbreitung des Virus.

Wissenschaftler und Experten halten dagegen. Simon Clarke, Zellbiologe der Universität von Reading, bezeichnete den von 5G-Gegnern behaupteten Zusammenhang, die Technik schwäche das Immunsystem, als „völligen Quatsch“. Strahlung könne zwar Zellen erhitzen, sagte er im Interview mit der BBC. Mobilfunkstrahlung reiche aber nicht aus, einen Einfluss auf das Immunsystem zu haben. Ähnlich hatte sich zuvor auch das Bundesamt für Strahlenschutz geäußert.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dennoch steigt auch in Deutschland die Sorge vor Anschlägen. Der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg, sagte: „Gerade erst haben Autonome mitten in Berlin einen Brandanschlag auf ein Telekommunikationsnetz verübt.“ Berg sagte, die Betreiber träfen zwar immer Vorkehrungen, um ihre Netze zu schützen. „Dennoch ist bei Infrastrukturen, die in der Fläche ausgebaut sind, nicht auszuschließen, dass sie erfolgreich angegriffen werden können.“

    Die Netzbetreiber in Deutschland beobachten die Situation. Ein Vodafone-Sprecher sagte: „In Großbritannien kam es zuletzt in einigen Fällen zur Beschädigung einzelner Standorte der TK-Infrastruktur, weil Einzelpersonen einen Zusammenhang zwischen 5G und dem Coronavirus konstruieren.“ Der Sprecher betonte: „Es gibt keinerlei wissenschaftliche Hinweise oder Belege für diese Behauptungen. 5G ist ebenso wie seine Vorgänger-Technologien eine sichere Sache.“

    Das Unternehmen nehme konstruktive Kritik von besorgten Menschen ernst. „Wir führen einen offenen Austausch auch mit Mobilfunk-Kritikern“, sagte der Sprecher. „Fälle, bei denen die Infrastruktur durch Vandalismus beeinträchtigt wurde, sind uns momentan in Deutschland nicht bekannt.“ Deshalb würden derzeit auch keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnamen erhoben.

    Große Skepsis gegenüber dem Netzausbau

    Ähnlich äußerten sich auch die anderen Netzbetreiber. „Die Beschädigung von Mobilfunkstandorten etwa durch Brandstiftung kommt hierzulande glücklicherweise sehr selten vor und dabei handelt es sich in der Mehrheit um reinen Vandalismus“, sagte eine Telefónica-Sprecherin. „Eine Zunahme sehen wir aktuell nicht, weshalb auch keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen erfolgen.“

    Bei der Telekom hieß es: „Es gibt durchaus immer wieder einmal Fälle von Vandalismus“, sagte eine Telekom-Sprecherin. „Aktuell stellen wir aber bei uns keine Veränderung fest.“

    Grafik

    Die Entwicklung fällt in eine Zeit, in der es ohnehin eine große Skepsis gegenüber dem Netzausbau in Deutschland gibt. Der Digitalverband Bitkom führte eine repräsentative Befragung durch. Darin sprach sich fast jeder Zweite (48 Prozent) gegen den Aufbau neuer Mobilfunkmasten aus. Dabei hatte die Bundesnetzagentur erst vor wenigen Tagen festgestellt, dass Telekom, Vodafone und Telefónica im Ausbau ihrer Netze in Deutschland hinter den Mindestanforderungen zurückhängen und es weiter zu viele Funklöcher gibt.

    Seit Jahren beschäftigen sich wissenschaftliche Studien mit der Frage, ob und welchen Einfluss Mobilfunkstrahlung auf Menschen hat. Die Stiftung Warentest fasste kürzlich viele der verfügbaren Untersuchungen zusammen. Bei der Analyse kam die Verbraucherorganisation zu dem Schluss: „Die Forschungserkenntnisse liefern kaum einen Grund zur Sorge.“

    ARD-Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim ging in einer Recherche konkreter einem möglichen Zusammenhang von Mobilfunkstrahlung und Krebserkrankungen nach und kam zu dem Schluss: „Es gibt bisher noch keine schlüssige Hypothese – noch keine Vorstellung davon – wie Handystrahlung Krebs überhaupt theoretisch auslösen könnte.“

    Achim Berg: „Wir müssen das Wissen über den Mobilfunk nachhaltig steigern“
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Mobilfunk - Brennende 5G-Masten: Verschwörungstheorie um Corona verbreitet sich
    0 Kommentare zu "Mobilfunk: Brennende 5G-Masten: Verschwörungstheorie um Corona verbreitet sich"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%