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Mobilfunk Durchbruch für die Telekom: US-Gericht genehmigt Fusion von T-Mobile und Sprint

Die Telekom erringt einen wichtigen Etappensieg auf dem Weg zur Neuaufstellung ihres USA-Geschäfts. Die Börse feiert den Durchbruch – obwohl zwei Hürden noch ausstehen.
11.02.2020 Update: 11.02.2020 - 15:11 Uhr Kommentieren
Die Fusion der beiden US-Mobilfunkanbieter hat eine wichtige Hürde genommen. Quelle: imago images/wolterfoto
Filialen von Sprint und T-Mobile in New York

Die Fusion der beiden US-Mobilfunkanbieter hat eine wichtige Hürde genommen.

(Foto: imago images/wolterfoto)

New York, Düsseldorf Die Deutsche Telekom hat in den USA einen wichtigen Erfolg erzielt. Der zuständige Richter hat die Klage mehrerer Bundesstaaten gegen die geplante Fusion der Tochter T-Mobile US mit Sprint abgewiesen.

Damit dürfte der Weg bald für den 26 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss frei sein. Gemeinsam wollen T-Mobile und Sprint – die Nummer drei und vier auf dem Markt – ein flächendeckendes 5G-Netz bauen und damit die Branchenriesen AT&T und Verizon angreifen.

Vor dem Gericht im Süden Manhattans hatten insgesamt 13 Bundesstaaten und Washington D.C. gegen den bereits vor 20 Monaten angekündigten Zusammenschluss der beiden Anbieter geklagt. Sie fürchteten, dass damit die Preise für die Verbraucher steigen.

Kurz vor Weihnachten hatten beide Seiten ihre Abschlussplädoyers gehalten. Bis zum Schluss war unklar, wie Richter Victor Marrero entscheiden würde.

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    Die US-Tochter der Deutschen Telekom dürfte damit zu einem mächtigen Spieler auf dem lukrativen amerikanischen Mobilfunkmarkt werden. Laut früheren Angaben von T-Mobile und Sprint ergäbe sich bei gemeinsamen rund 127 Millionen Kunden ein kombinierter Jahresumsatz von mehr als 70 Milliarden Dollar. Die Papiere der Deutschen Telekom legten am Dienstag um fast vier Prozent zu und waren größter Gewinner im Dax.

    John Legere, der für seinen exzentrischen Stil bekannte Vorstandschef von T-Mobile, kommentierte die Entscheidung auf seine Art mit vielen Großbuchstaben auf Twitter: „Der heutige Tag war ein riesiger Sieg für die Fusion … und jetzt sind wir endlich in der Lage, uns auf die letzten Schritte zu konzentrieren, um die Fusion durchzukriegen“ schrieb er und bedankte sich beim Gericht für die gründliche Untersuchung der Fakten: „Heute ist ein großer Sieg und ein großer Tag für das Neue T-Mobile!“

    An die Konkurrenten AT&T und Verizon und das Kabelfernsehen gerichtet schrieb er: „Passt auf, Dumm und Dümmer und Kabel – wir sind Euch auf den Fersen.“

    Richter Marrero begründete seine Entscheidung mit dem Argument, dass es nicht wirklich wahrscheinlich scheine, dass die Fusion „den Wettbewerb signifikant verringert“. Er ließ auch das Argument nicht gelten, dass der neue vierte Anbieter Dish, der Prepaid-Lizenzen von T-Mobile übernimmt, kein ernst zu nehmender Wettbewerber sei.

    „T-Mobile hat sich im vergangenen Jahrzehnt neu definiert als ein talentierter Außenseiter, der die größten zwei Spieler der Industrie aufgemischt hat, um mehrere pro-Verbraucher-Entscheidungen zu treffen“, schrieb Marrero. Eine Fusion würde gewährleisten, dass „T-Mobile seine unbestritten erfolgreiche Geschäftsstrategie für die überschaubare Zukunft weiterführen kann.“

    Die Deutsche Telekom begrüßte das Urteil in einer Ad-hoc-Mitteilung, wies allerdings darauf hin, dass die Kläger durchaus noch Rechtsmittel einlegen könnten.

    Die Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, die die Klage angeführt hat, sagte: „Die heutige Entscheidung ist eine Niederlage für jeden Amerikaner, der auf sein Handy angewiesen ist, um zu arbeiten, sich um ein Familienmitglied zu kümmern oder um mit Freunden zu kommunizieren. Von Anfang an ging es bei der Fusion in erster Linie um massive unternehmerische Gewinne und egal, was die Unternehmen fälschlicherweise behaupten: Dieser Deal wird den Mobilfunk-Abonnenten dort gefährlich, wo es am meisten weh tut: in ihrem Portemonnaie“.

    Allerdings müssen die beiden Firmen auch noch zwei weitere Hürden nehmen. Im Rahmen des sogenannten Tunney Act läuft eine Überprüfung, ob die Zugeständnisse der beiden Firmen im Sinne des öffentlichen Interesses ausreichend sind. Eine Entscheidung wird innerhalb der kommenden Wochen erwartet.

    Zudem steht noch die Zustimmung der Aufsichtsbehörde für öffentliche Versorgungsunternehmen in Kalifornien, der California Public Utilities Commission, aus.

    In Verhandlungskreisen zeigen sich Insider zuversichtlich, dass diese Hürden zu nehmen sind. Die Entscheidung des US-Gerichtes sei die größte Herausforderung gewesen. Und die sei nun beseitigt.

    Besonders interessant sind für T-Mobile nicht unbedingt die Kunden von Sprint, sondern vor allem das Mobilfunkspektrum des Unternehmens. Das Spektrum hat einen großen Einfluss auf die Qualität des Netzes. Anders als in Deutschland wird das Spektrum in den USA nicht für eine begrenzte Zeit gemietet, sondern auf unbegrenzte Zeit verkauft.

    Während T-Mobile im besonders niedrigen Frequenz-Bereich (Low-Band) und im besonders hohen Frequenzbereich (Millimeterwellen) bereits Spektrum gekauft hat, besetzt Sprint wichtige Zugänge im mittleren Bereich (Mid-Band). Mit der Fusion hat das kombinierte Unternehmen damit gute Voraussetzungen, um seinen Kunden eine hohe Qualität im Netz zu ermöglichen.

    Wechselvolle Geschichte der Telekom in den USA

    Durch den Zusammenschluss erwarten die Firmen zwar Kosten in Höhe von 15 Milliarden Dollar. Nach Abzug aller Kosten gehen sie jedoch von Synergie-Effekten von 43 Milliarden Dollar aus.

    Für die Deutsche Telekom wäre der Zusammenschluss der Höhepunkt eine wechselvolle Geschichte ihrer US-Ambitionen. Unter dem damaligen Telekom-Chef Ron Sommer hatte der Konzern Anfang der 2000er Jahre zwei Telekomfirmen in den USA übernommen.

    Doch die Telekom konnte kein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen. 2011 versuchte sie, T-Mobile an den Marktführer AT&T zu verkaufen. Doch die Kartellbehörden stoppten den Verkauf.

    Aufgrund des gescheiterten Verkaufes erhielt die Telekom jedoch eine Ausfallzahlung in Höhe von drei Milliarden US-Dollar sowie einen Zugang zum Netz von AT&T. Das Geld nutzte T-Mobile, um sein Netz auszubauen.

    Grafik

    Unter ihrem neuen US-Chef John Legere forcierte die Telekom von 2012 einen Ausbau ihrer Aktivitäten in den USA. Legere bekam das Geld, um neue Frequenzen zuzukaufen und in einen aggressiven Wettbewerb mit AT&T und Verizon einzusteigen.

    Zwei Mal versuchte T-Mobile mit dem vierten Spieler auf dem US-Markt, Sprint, zusammenzugehen. Doch zwei Mal scheiterten die Verhandlungen darüber.

    Im Herbst 2017 konnte sich die Telekom dann mit dem Sprint-Hauptaktionär Softbank aus Japan einigen. Softbank bekommt nach dem Plan 27 Prozent der Anteile am vereinigten Unternehmen, die Telekom 42 Prozent und zusätzlich weitgehende Stimmrechte, sodass sie T-Mobile auch künftig voll in ihrer Konzernbilanz ausweisen kann.

    Eigentlich hätte die Telekom die Möglichkeit, den Preis für den Zusammenschluss nachzuverhandeln. Schließlich ist der Deal durch die Auflagen der Behörden weniger attraktiv geworden als ursprünglich geplant.

    Angesprochen auf diese Möglichkeit betonte Mike Sievert, der zum Mai Legere als T-Mobile-Chef ablösen wird, sein Unternehmen sei an einem schnellen Abschluss interessiert. Das klingt nicht, als wolle er noch weiter um dem Preis feilschen.

    Mehr: Sieben Milliarden Euro wollen Investoren in den Glasfaserausbau in Deutschland investieren. Dafür verschmelzen sie zwei Firmen zu einer Gruppe.

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